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Österreichs Sparer verlieren 15,5 Milliarden Euro

(c) Fabry
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Laut Eco Austria haben Österreichs Sparer durch die niedrigen Zinsen bis Ende 2013 schon 12,9 Mrd. Euro verloren. Heuer dürften noch 2,6 Mrd. Euro hinzukommen. Börsianer jubeln hingegen über die EZB-Zinssenkung.

Wien. Das hat es noch nie gegeben: Die Europäische Zentralbank (EZB) senkte am Donnerstag den Leitzins von 0,25 Prozent auf 0,15 Prozent. Das ist ein neues Rekordtief. Zudem müssen die Banken künftig einen Strafzins von 0,10 Prozent bezahlen, wenn sie Geld bei der EZB parken. Kurz nach Bekanntgabe dieser Maßnahmen kletterte der deutsche Aktienindex DAX erstmals über die Marke von 10.000 Punkten.

Mit der Zinssenkung will die EZB die Kreditnachfrage in den südeuropäischen Krisenländern ankurbeln. „Doch das Problem ist, dass dort das Geld gar nicht in der Realwirtschaft ankommt. Denn die Banken in Südeuropa geben das billige EZB-Geld nicht an die Unternehmen weiter, sondern kaufen lieber Staatsanleihen", kritisiert Michael Ikrath, Generalsekretär des österreichischen Sparkassenverbands, im „Presse"-Gespräch.

Zudem signalisiere die EZB mit der Zinssenkung, dass sich Sparen nicht mehr lohne. „Sparer werden kalt enteignet. Nun besteht die Gefahr, dass immer mehr Menschen zu spekulativen Anlagegeschäften greifen." Die Folgen seien fatal, warnt Ikrath. Das Ganze führe dazu, dass sich an den Finanzmärkten neue Blasen bildeten.

Österreichs Banken warten ab

Österreichs Großbanken werden auf die Zinssenkung unmittelbar nicht reagieren. „Wir warten ab und beobachten den Markt", heißt es bei Bank Austria und Erste Group. Laut dem Bankenrechner der Arbeiterkammer liegt der Zinssatz für täglich fällige Sparbücher bei vielen Großbanken (wie Bank Austria, Erste Group) derzeit bei 0,125 Prozent, manche Institute zahlen sogar nur 0,05 Prozent. Wer höhere Zinsen haben will, muss zu Direktbanken gehen.

Banken setzen auf Wertpapiere

Die Raiffeisenlandesbank Niederösterreich-Wien lud am Donnerstag Kunden ein, „durch individuelle Beratung jetzt ihre Chancen in der Veranlagung zu nutzen". Durch die Beimischung von Wertpapieren sei ein Inflationsschutz möglich.

Auch die Bawag forciert die Anlageberatung: „Wir bemerken, dass die seit länger bestehende Niedrigzinslandschaft bei unseren Kunden einen starken Trend zur Wertpapierveranlagung entstehen ließ, der sich nunmehr fortsetzen wird." Die Bawag wolle daher den Kunden weiterhin interessante Veranlagungsmöglichkeiten bieten.

Berücksichtigt man die Inflationsrate und die Kapitalertragsteuer, ist Sparen schon seit Jahren ein Verlustgeschäft. Wirtschaftsforscher Ludwig Strohner von Eco Austria hat berechnet, dass Österreichs Sparer von 2010 bis Ende 2013 rund 12,9 Milliarden Euro verloren haben. Heuer dürften noch einmal 2,6 Milliarden Euro hinzukommen. Damit summiert sich der Verlust durch das Zinstief auf 15,5 Milliarden Euro, sagte Strohner am Donnerstag zur „Presse".
Neben der Zinssenkung hat die EZB auch beschlossen, mit neuen Milliardenspritzen die Kreditvergabe vor allem in den südlichen Euroländern anzukurbeln. Das Programm hat zunächst einen Umfang von 400 Milliarden Euro.

Neue Milliardenspritzen

Die Vergabe des billigen Geldes mit einer Laufzeit von erstmals vier Jahren ist an die Bedingung geknüpft, dass die Banken die Milliarden zumindest teilweise an Unternehmen und Privatkunden weiterreichen. Der Bundesverband deutscher Banken hält die EZB-Maßnahmen für sinnlos. Der negative Zins von 0,1 Prozent für Banken, die ihr Geld bei der EZB parken, werde „kaum zur gewünschten Belebung der Kreditvergabe und des Interbankenmarkts führen", sagte der Geschäftsführer des Verbands, Michael Kemmer.

An Geld zur Kreditvergabe mangle es nicht. Es seien „eher überschuldete Unternehmen und hohe Kreditrisiken, die in den Peripherieländern eine Ausweitung der Kreditvergabe verhindern". In südeuropäischen Ländern wie Italien und Portugal herrscht eine Kreditklemme, weil die Banken keine zusätzliche Risiken eingehen wollen.
Österreichs Banken betonen, dass sie grundsätzlich genügend Geld für die Vergabe von Krediten haben. Doch die Nachfrage sei gering. Vom EZB-Strafzins von 0,1 Prozent sind Österreichs Banken kaum betroffen. Denn mit Ausnahme der vorgeschriebenen Mindestreserve haben sie kaum Geld bei der Zentralbank geparkt.

 

("Die Presse", Printausgabe vom 6.5.2014)