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6,5 Prozent Steuer: Wo man Vermögen anhäufen kann

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Die SPÖ orientiert sich mit ihren Vermögenssteuern an der Schweiz, wo man maximal 37,5 Prozent Einkommensteuer zahlt.

Wien. Die Weisheit ist enervierend alt, aber selten schien sie so passend wie bei der aktuellen Diskussion über die Vermögenssteuern der SPÖ: Man soll nur den Statistiken trauen, die man selbst gefälscht hat. Denn während die SPÖ meint, ihre Erbschafts- und Vermögenssteuer bringe knapp zwei Milliarden Euro pro Jahr, kommt das von ÖVP-Chef Michael Spindelegger geführte Finanzministerium in einer „Schnelleinschätzung“ nur auf 125 Mio. Euro für beide Steuern.

Die SPÖ rechnet beispielsweise damit, dass die Erbschafts- und Schenkungssteuer 300 bis 500 Mio. Euro bringt. Spindeleggers Schätzung erbringt dagegen bescheidene 15 Mio. Euro. Wo die Sozialdemokraten 1,5 Milliarden Euro an Millionärssteuern sehen, kommt die Volkspartei auf 110 Mio. Euro.

Der Unterschied liegt in den unterschiedlichen Berechnungsmethoden: Die SPÖ kalkuliert etwa bei den Immobilien mit aktuellen Marktpreisen, die ÖVP dagegen rechnete die 1993 abgeschaffte Vermögens- und die 2007 vom Verfassungsgerichtshof gekippte Erbschaftssteuer hoch.

Wie auch immer: 0,1 bis 0,9Prozent soll man laut SPÖ-Plänen nach einem Freibetrag von einer Million Euro für jede weitere Million bezahlen. Vorbild für dieses Modell sei die Schweiz.

 

26 Kantone, 26 Modelle

Dort freilich gibt man den Menschen auch jede Möglichkeit, ein Vermögen anzuhäufen: Zwar bezahlt man sowohl auf Bundes-, als auch auf Kantonsebene Einkommensteuern. Diese sind allerdings äußerst gering: Die Bundessteuer liegt bei maximal 11,5 Prozent. Alle 26 Kantone der Schweiz haben unterschiedliche Steuerstufen, sie beginnen bei 1,8 Prozent (in Oberwalden) und reichen bis 26 Prozent (in Basel-Stadt).

Die Steuerpflicht auf Bundesebene beginnt so spät, dass man laut Eidgenössischer Steuerverwaltung als Verheirateter ohne Kinder erst ab 45.000 Franken pro Jahr Steuern bezahlt. Dazu folgendes Beispiel: Ein lediger Steuerpflichtiger mit Wohnsitz in Zürich verdient 50.000 Franken brutto pro Jahr. Dafür bezahlt er (inklusive Kirchensteuer) 3255,50 Franken. Das entspricht einer Steuerlast von 6,51 Prozent (alle Angaben beziehen sich nur auf die Steuer; nicht enthalten sind Sozialabgaben).

 

Höchststeuer bei 5,7 Prozent

Ein solch geringer Verdienst ist für die Schweiz unüblich. Daher ein Beispiel für eine Familie in Zürich. Ein Einkommen liegt bei 101.493 Franken pro Jahr (der Durchschnittsverdienst in Zürich), die zweite Person hat 80.000 Franken pro Jahr. Von diesem Einkommen kann man unter anderem noch Pensionskassenbeiträge, Beiträge für die private Vorsorge und Unterhaltskosten für Liegenschaften absetzen – was wir bei unserem Beispiel nicht machen. Andere automatische Abzüge (inklusive zweier Kinder) machen auf Bundesebene insgesamt 51.819 Euro aus.

Familien werden in der Schweiz gemeinsam besteuert, sie müssen in dem Beispiel für den Bund 3411 Franken pro Jahr abliefern. Dazu kommen 7519 Franken für den Kanton, 8947 Franken für die Gemeinde und 751 Franken Kirchensteuer. Gesamtsteuerbelastung: 20.628 Euro. Umgerechnet 11,4 Prozent vom Bruttogehalt.

Bei solchen Einkommensteuern kann man die in Zürich geltende Vermögenssteuer leicht bezahlen: Sie ist progressiv gestaltet und liegt bei maximal 0,3 Prozent – ab einem Vermögen von 3,2 Millionen Franken (für Verheiratete).

Ein anderes Extrembeispiel: In Luzern gilt ein Höchststeuersatz von 5,7 Prozent. Er ist dann fällig, wenn man mehr als 1,9 Millionen Franken pro Jahr verdient.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.06.2014)