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Die genetische Vielfalt der Wälder sinkt

Laut einem FAO-Bericht sinkt die genetische Vielfalt der weltweiten Wälder – und damit auch die Widerstandskraft gegen Veränderungen in der Umwelt.

Die Wälder der Erde stehen unter gehörigem Druck – nicht nur wegen des Abholzens riesiger Flächen in südlicheren Breiten, sondern auch wegen der selektiven Ausbeutung (etwa für Holzbiomasse) oder wegen des verschärften Baumsterbens infolge des Klimawandels (Erwärmung, vermehrte Schädlinge, Dürre, Feuer oder Stürme). Letzteres hängt auch mit einem Verlust der Vielfalt in den Wäldern zusammen – dadurch verlieren sie an Widerstandskraft gegenüber Veränderungen von außen. Und laut einem diese Woche veröffentlichten Bericht der UN-Landwirtschaftsorganisation FAO sinkt die genetische Diversität weiter: Demnach sind je nach Kontinent sieben (Ozeanien) bis 46 Prozent (Nordamerika) der erfassten Baumarten gefährdet – in Europa ist jede vierte Baumart bedroht.

Wie viele Baumarten es auf der Welt gibt, weiß freilich niemand – Schätzungen reichen von 50.000 bis 100.000. Rund 8000 Arten kennt man recht gut, 2400 Arten werden aktiv gemanagt (z.B. in Schutzgebieten bewahrt). Rund 700 Baumarten werden gezielt weitergezüchtet, um ihre forstlichen Eigenschaften zu verbessern, und 241 Arten werden mit molekularbiologischen Methoden genau studiert.

Laut dem FAO-Bericht war Österreich bei der Erforschung der Baumgenetik ein Vorreiter. Was heute nicht anders ist: Am Austrian Institute of Technology (AIT) wurde eine riesige Samenbank (Fichten, Eichen, Pappeln) angelegt, deren genetische Vielfalt die Basis für die Züchtung von widerstandsfähigeren Bäumen ist. Entwickelt werden u.a. Marker, mit denen die genetischen Eigenschaften getestet werden können. Das erleichtert die Auswahl von Sorten, die z.B. trockenresistent sind, enorm.

In anderen Ländern werden Bäume auch gentechnisch verändert: Erst vor wenigen Wochen sorgte eine transgene Pappelsorte in Kanada für Aufregung, bei der das Lignin verändert wurde, wodurch die Abtrennung von Zellulose in der Papierfabrik einfacher würde. Laut dem FAO-Bericht gibt es weltweit zumindest 96 transgene Sorten von Pappeln, Kiefern, Fichten, Eukalyptus und Lärchen. Bekannt sind zudem 16 Freisetzungsversuche, wobei sich China nicht in die Karten schauen lässt.

In Europa ist eine Manipulation der Baum-DNA indes tabu. Und das ist gut so, denn Gentechnik im Wald ist ein Hazardspiel: Wegen der Langlebigkeit der Bäume sind kaum Korrekturen möglich, wenn ein Problem auftaucht. Das Vorsorgeprinzip und der gesunde Hausverstand sagen daher: Finger weg davon!

Der Autor leitete das Forschungsressort der „Presse“ und ist Chefredakteur des „Universum Magazins“.

meinung@diepresse.com

diepresse.com/wortderwoche

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.06.2014)