AUA: Mit dem Rotstift gegen Verluste

(c) APA (Harald Schneider)
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Die Fluglinie prüft ein neues Sparpaket bis hin zum Abbau von Personal. Wegen der schwierigen Branchensituation kündigte Ötsch jedoch "ergebnissichernde Maßnahmen" an.

Wien. Die AUA hält an ihrer Strategie – Konzentration auf Zentral- und Osteuropa, Expansion in den Nahen und Mittleren Osten – fest, unabhängig davon, ob sie von Scheich Mohamed Bin Issa Al Jaber die in Aussicht gestellten 150 Mio. Euro bekommt oder nicht. „Wir haben die finanzielle Kraft dies zu tun, wir haben die größten Verlustquellen beseitigt“, erklärte AUA-Chef Alfred Ötsch am Dienstag wenige Stunden vor dem entscheidenden Treffen, bei dem Finanzminister Wilhelm Molterer und AUA-Präsident Peter Michaelis Al Jaber von seinem angedrohten Rückzug abbringen wollten.

Ötsch kündigte jedoch wegen der schwierigen Branchensituation – Ölpreis auf Rekordhoch, Konkurrenz der Billig-Airlines – „ergebnissichernde Maßnahmen“ an. Konkret bedeutet das ein Sparpaket – ein solcher Punkt steht auch am Programm der Aufsichtsratssitzung heute, Mittwoch. Ötsch hat entsprechende Gerüchte bei der Präsentation des Quartalsverlustes von 60,4 Mio. Euro zwar dementiert. Dem Vernehmen nach prüft er jedoch, wie viel ein neuerlicher Jobabbau über „Golden Handshakes“ bringen könnte.

Im Rahmen eines Kostensenkungsplans wurden 2006/07 an die 1000 Arbeitsplätze (rund 700 Beschäftigte) abgebaut. Außerdem wurden defizitäre Strecken eingestellt und Langstreckenjets verkauft. Der Sozialplan kostete mehr als 90 Mio. Euro. 150 Piloten – mehr als erwartet – haben das Angebot angenommen, weil sie bis zu 500.000 Euro erhielten. Da die AUA jetzt eher unter Pilotenmangel leidet – ein Versuch, Piloten zurückzuholen ist fehlgeschlagen – dürfte die neue Sparwelle Flugbegleiter, Techniker und Bodenpersonal treffen. Spekulationen zufolge dürften rund 100 Mitarbeiter betroffen sein. Austrian und Lauda Air haben 6335 Mitarbeiter, Austrian Arrows (Tyrolean) 1544.

Wegen der Turbulenzen rund um den Einstieg von Scheich Al Jaber sehen auch Analysten Handlungsbedarf – zumal sich die AUA-Aktie weiter im Sinkflug befindet. Nach der Citigroup, die das Kursziel von sieben auf 2,80 Euro mehr als halbierte, hat die Deutsche Bank ihr Kursziel von 4,50 auf 3,10 Euro gesenkt. Beide Institute sprechen eine klare „Verkaufen“-Empfehlung aus. Auch mit der Kapitalspritze von Al Jaber erachtet die Deutsche Bank die Ergebnislage der AUA als „ziemlich ernst“. Die Expansionsstrategie würde das Risiko für das Eigenkapital – und somit die Aktionäre – erhöhen, schreiben die Analysten. Die Strategie sei „unpassend für eine, im europäischen Vergleich kleine Airline“. Die Citigroup glaubt nicht, dass die AUA für 2009 eine Dividende zahlt, wie Ötsch angekündigt hat.

Wenig Hoffnung auf Optionsplan

Der Kursverfall – die Aktie verlor am Dienstag 3,60 Prozent auf 3,72 Euro – zerstört die Hoffnung der AUA-Führungscrew, ihre Aktienoptionen ausüben zu können. Dazu müsste 2009 ein Gewinn je Aktie von 30 Cent erreicht werden (2007 lag er bei drei Cent) und der Aktienkurs müsste zehn Tage in Folge bei über 13 Euro liegen. Eine aus heutiger Sicht unerreichbare Vorgabe. Ötsch bleibt aber auch aus einem anderen Grund nichts anderes übrig, als an die Zukunft der AUA zu glauben: Er hat seit 2006 um rund 449.000 Euro AUA-Aktien gekauft – zum Teil zu einem Kurs von 10,35 Euro, wie aus der Aufstellung der Directors Dealings hervorgeht.

AUF EINEN BLICK

Die AUA schnürt ein neues Sparpaket, wobei wieder ein Personalabbau über „Golden Handshakes“ überlegt wird. 2006 und 2007 wurden auf diese Weise rund 700 Mitarbeiter – Piloten, Flugbegleiter, Techniker und Bodenpersonal – abgebaut.

Die Kostenreduktion soll die hohen Kerosinpreise ausgleichen und ist unabhängig von der Geldspritze von Scheich Al Jaber.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.05.2008)

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