Jon Snow hat das Kommando

"Game of Thrones" Staffel vier Folge neun

"The Watchers on the Wall": Eine große Folge an der gigantischen Wand aus Eis und einem Ungustl schlägt die Stunde.

SPOILERWARNUNG: Ich verrate Details zur Handlung. Wenn Sie nichts über den Inhalt erfahren wollen, lesen Sie nicht weiter. Bitte hinterlassen Sie in den Kommentaren keine Spoiler, die die Handlung über diese Folge hinaus verraten.

Gefühlt, wahrscheinlich auch gezählt kommt "Game of Thrones" auf hunderte handelnde Figuren und dutzende Schauplätze. "The Watchers on the Wall" konzentriert sich auf einen Schauplatz und eine große Schlacht - und erweist sich als eine der großartigen Folgen der aktuellen Staffel.

Fast leichtfüßig, ja komisch fängt die fast ausschließlich im Dunkeln spielende Folge an. Sam Tarly lotet die Lücken im Schwur der Bruderschaft aus und fragt einen unwilligen Jon Snow über Beziehungen aus, bis der die Nerven verliert: "I'm not a bleeding poet!" Dann darf Sam endlich seine Gilly küssen, bevor der Kampf beginnt.

Eine gute halbe Stunde dauert die Schlacht an der Wall, aber sie wird nicht langweilig, auch weil es drei Fronten zu verteidigen gibt. Als ehemaliger Watcher kennt Wildlings-König Mance Rayder die Schwachstellen von Burg und Wall genau. Eine "Elitegruppe", darunter Jon Snows Ex Ygritte, greifen Castle Black vom Süden aus an. Dort ist das Schloss weit schutzloser als im Norden, wo die Eiswand aufragt. Zweite Schwachstelle ist das Tor, das unter der Wall hindurchführt, und die Riesen mit Mammuts zu durchbrechen versuchen. Klettereinheiten wollen derweil die Wall erklimmen, denn oben sind verhältnismäßig wenige Watcher - ebenfalls ein leichtes Ziel.

"Love is the death of duty"

Seitdem Jon an der Wall angelangt ist, war Ser Alliser ein Ungustl. Nun schlägt seine große Stunde, als guter Feldwebel, der zu motivieren weiß. Einen entscheidenden Fehler (von kurzer Dauer) macht Ser Alliser aber: Eher überlässt er einem Feigling das Kommando als "Lord Snow". "Love is the death of duty", weiß Maester Aemon. Und Hass ist der Tod der Vernunft.

Ich habe mich über die Brutalität der letzten Folgen beschwert, dieses Mal ist sie gerechtfertigt. Wenn Jon einem der Thenn-Kannibalen einen Hammer in den Kopf drischt, spürt man fast so etwas wie Genugtuung. Beeindruckend waren auch die monströsen Fallbeile, die die Wall entlangschrammen und die Kletterer in den Tod reißen. Endlich wurde Wolf Ghost wieder frei- und losgelassen. Ich hoffe, wir sehen in der nächsten Staffel mehr von ihm. Der Schwur der Brothers of the Night's Watch, manchmal klingt er wie ein Gebet.

Tiefschwarz schaut die Situation am Ende aus, auch wenn die Watcher die Schlacht für sich entschieden. Ygritte kann ihr Vorhaben, Jon zu töten, nicht einlösen und stirbt in seinem Armen, ein letztes "You know nothing, Jon Snow" auf den Lippen. Ausgerechnet ein Kind tötet die rebellische Rothaarige, deren sozialkritische Ansichten man durchaus verstehen kann. Als Führungsfigur ist allein Jon übrig, abgesehen von Sam hat er auch alle seine Freunde verloren. "We'll never beat them", weiß der Bastard aus Winterfell, als er hinaustritt, um Mance Rayder entweder zu töten oder mit ihm zu verhandeln. Dass das Bild auf Weiß blendet, mögen Optimisten als Hoffnungsschimmer interpretieren.

ZITAT DER WOCHE:

  • Maester Aemon: "Nothing makes the past a sweeter place to visit than the prospect of imminent death."

BEMERKENSWERT:

  • Maester Aemon ist ein Targaryen und damit mit Daenerys verwandt. Ein Onkel? Von welcher Frau sprach er?
  • Die Riesen sehen ungesund aus: Sie haben eine Beule mitten auf der Stirn. Sind sie mit den Einhörnern verwandt?

NACHTRAG:

Unlängst habe ich offenbar einen Fake-Twitter-George R.R. Martin zitiert. Der echte ist nun auch auf Twitter, seht selbst:

 

>> "Game of Thrones"-Episodenblog

Redaktioneller Hinweis: Die aktuellen "Game of Thrones"-Folgen werden dem Autor vom Sender Sky zur Verfügung gestellt, der die Serie in Österreich einen Tag nach der Erstausstrahlung in den USA zeigt.