"Umweltschutz im Autoverkehr rechnet sich"

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Dienstautos werden in Österreich immer stärker. Ökologie hat Nachrang, so Josef Leopold, Chef von LeasePlan-Österreich, im "Presse"-Interview.

Die Presse: Sie managen rund 21.000 Firmenautos in Österreich. Angesichts des hohen Ölpreises und der steigenden CO2-Emissionen hat man den Eindruck, die ganze Welt hätte ein Fuhrparkmanagement nötig. Was wäre Ihr erster Ratschlag?

Josef Leopold: Der zunehmende Verkehr ist ein Hauptgrund für all diese Probleme. 24 Prozent der CO2-Emissionen sind auf den Verkehr zurückzuführen. Und da müssen nicht nur Autohersteller Verantwortung übernehmen, sondern auch Unternehmen. Mittlerweile kommen Firmen nicht mehr umhin, sich dieses Themas anzunehmen, weil es nämlich finanzielle Auswirkungen hat.

Heißt das, Ökologie rechnet sich für Unternehmen?

Leopold: Bisher waren bei der Anschaffung von Firmenautos zwei Faktoren wichtig: Die Kosten und die Emotion. Jetzt kommt die Ökologie dazu. Und die geht Hand in Hand mit der Ökonomie. Umweltschutz rechnet sich im Autoverkehr.

Weil man etwa auf alternative Brennstoffe wie Gas oder Biosprit umsteigen kann . . .

Leopold: Aus meiner Sicht gibt es keine Alternative zu den herkömmlichen Treibstoffen. Schließlich geht es um kurzfristige Lösungen in Richtung Kyoto-Ziel. Gas ist ebenfalls ein fossiler Brennstoff. Und wenn wir massiv auf Bio-Ethanol umsteigen, werden wir nichts mehr zu essen haben.

Es geht also kurzfristig nicht um Alternativen zum Erdöl, sondern um die effizientere Nutzung.

Leopold: Absolut. Wenn sie ein Auto mit 105 PS anstatt eines mit 140 PS nehmen, dann sparen sie über die Laufzeit etwa drei Tonnen CO2und etwa 2500 Euro Kosten ein.

Aber gerade bei Dienstautos sind die PS ein sehr wichtiges Statussymbol.

Leopold: Das stimmt, aber es wird für einen Mitarbeiter immer schwieriger zu sagen, dass ihm die Umwelt egal ist.

Gehen bei den Firmenautos die PS-Zahlen zurück?

Leopold: Im Moment noch nicht. Es gibt aber einen ersten Trend. Es gibt die ersten Firmen, die bei Firmenwagen eine CO2-Obergrenze eingeführt haben . . .

Wo liegt die in etwa?

Leopold: Sie liegt meistens bei 200 Gramm.

Das ist aber nicht gerade niedrig . . .

Leopold: Aber damit schließt man zumindest SUVs und die meisten Autos mit Allrad oder Automatik aus. Das sind die CO2-Treiber.

Aber letztendlich ist das Prestige offenbar nach wie vor ein wichtiger Punkt bei der Anschaffung eines Firmenautos . . .

Leopold: Da geht's nicht nur um das Image des Fahrers, sondern auch um jenes des Unternehmens. Die Firmen repräsentieren sich auch über Dienstautos. Sonst würden ja alle Micro-Cars fahren.

Aber man kann ja das Image auch in Richtung Umweltschutz lenken. Immer mehr Hollywood-Stars fahren einen Toyota Prius, weil er einen Hybridantrieb hat.

Leopold: Es gibt auch in Österreich zwei, drei Firmen die ihren Fuhrpark komplett in Richtung Umweltschutz umrüsten. Die Entwicklung läuft also. Und Firmen, die dieses Thema verschlafen, könnten in Zukunft ein Imageproblem bekommen.

Wie viele PS hat ein Dienstwagen im Schnitt?

Leopold: Ich bin jetzt zwölf Jahre in der Branche. Als ich angefangen habe, lag der Schnitt zwischen 70 und 90 PS, jetzt liegt er zwischen 100 und 140 PS.

Da haben sich also die Emotionen klar gegen Ökonomie und Ökologie durchgesetzt . . .

Leopold: Man braucht heute mehr PS, da die Autos in den letzten zehn Jahren ja auch um 200 bis 400 Kilogramm schwerer geworden sind.

Schließlich sind die Autos ja auch sicherer geworden ...

Leopold: Das wird zumindest so kolportiert. Und natürlich ist Sicherheit ein Faktor. Aber es geht vor allem um die Ausstattung, um die Bequemlichkeit.

Stimmt es, dass in Unternehmen größere Autos gefahren werden, als privat?

Leopold: Das stimmt. Und die Schere geht sogar weiter auf. Fairer Weise muss man dazu sagen, dass die zusätzliche Leistung notwendig ist, um Klimaanlagen zu betreiben. Auch Partikelfilter oder Kat kosten Leistung.

Wie viel PS hat denn eigentlich ihr Auto?

Leopold: Na ja, knapp über 200.

Ist mit dem Gewicht und der Leistung auch der Verbrauch gestiegen?

Leopold: Der Verbrauch ist de facto gleich geblieben. Die Effizienzsteigerungen im Motor sind aber von Leistung und Gewicht aufgefressen worden. Man könnte weit weniger verbrauchen.

Es gibt ja auch die Möglichkeit, umweltbewusst Auto zu fahren . . .

Leopold: Über das Fahrverhalten kann man 20 Prozent Treibstoff sparen. Wir bieten unseren Kunden Sprit-Spar-Schulungen an.

Aber Sie werden wohl kaum raten, U-Bahn-Netzkarten statt Dienstwagen zu verteilen.

Leopold: Es wird schwierig sein, einen Servicetechniker mit der U-Bahn fahren zu lassen. Aber wir schauen uns an, wie die Autos von den Mitarbeitern genutzt werden. Es kommt gar nicht selten vor, dass mit dem Dienstwagen 70.000 Kilometer im Jahr zurückgelegt werden. Das hieße, der Mitarbeiter sitzt 1000 Stunden im Auto. Im Schnitt kommt man in Österreich auf 1700 Arbeitsstunden pro Jahr. Da kann also etwas nicht stimmen.

Und Sie sagen dem Unternehmen dann, was nicht stimmt.

Leopold: Wir machen auf diese Unstimmigkeiten aufmerksam. Darüber machen sich ja Firmen in der Regel gar keine Gedanken.

Stimmt es, dass Rating-Agenturen auch den Fuhrpark eines Unternehmens unter die Lupe nehmen?

Leopold: Es geht um Social Responsibility. Da geht es um die Nachhaltigkeit eines Unternehmens.

Und das fließt dann tatsächlich ins Kredit-Rating ein?

Leopold: Ja. Top-20-Unternehmen im Dow Jones publizieren längst den CO2-Ausstoß ihres Konzerns. Natürlich ist das Thema in den USA vordringlich, weil es da auch um Prozess-Risiken geht.

ZU PERSON UND FIRMA

Josef Leopold ist Chef von LeasePlan-Österreich. Die heimische Tochter des holländischen Fuhrparkmanagers wurde 1983 gegründet und verwaltet hierzulande 21.000 Autos. LeasePlan ist damit nach der Porsche Bank der zweitgrößte Fuhrparkmanager in Österreich. Global ist LeasePlan mit rund 1,3 Mio. Autos in seiner Flotte der Marktführer. [LeasePlan]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.05.2008)

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