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Friedensgebet gegen „Ungläubige“?

Historisches Treffen im Vatikan Auf Einladung von Papst Franziskus 2 v r haben der israelische u
(c) imago/epd
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Nach einem muslimischen Gebet im Vatikan wird die Textwahl kritisiert.

Zu einer „Pause für die Politik“, einem Gebet im Vatikan um Frieden im Heiligen Land hatte Papst Franziskus Israels Präsident Shimon Peres und Palästinenserpräsident Abbas gebeten. Christen, Juden und Muslime beteten am Sonntag am selben Ort, wenn auch (um nicht synkretistisch zu erscheinen) mit verschiedenen Gebetstexten. Nun gibt es Kritik an der Koranrezitation des Imams: Er hat nach dem Gebet, dessen Text im Vorhinein bekannt gegeben worden ist, auf Arabisch die letzten drei Verse aus der zweiten Koransure rezitiert, die mit der Bitte an den „Schutzherrn“ Allah enden: „Hilf uns gegen das Volk der Ungläubigen!“ („kafir“ bedeutet ursprünglich „undankbar“ und bezeichnete die Gegner Mohammeds, die Nichtmuslime).

„Das nenne ich ein Friedensgebet“, kommentierte noch am Sonntag sarkastisch der islamkritische, ägyptisch-deutsche Politologe Hamed Abdel-Samad auf Facebook. Bernd Hagenkord, Chefredakteur der deutschsprachigen Abteilung von „Radio Vatikan“, beschwichtigt: „Im jüdischen Gebet hieß es ,unser Jerusalem‘, da könnte man sich auch aufregen“, findet allerdings auch, die Rezitation des Imams sei „kein feiner Zug“.

„Man darf den Koran nicht zerstückeln, der Kontext dieser Stelle war die Vertreibung aus Mekka“, sagt der in Wien lehrende Islamwissenschaftler Ednan Aslan. Ausgerechnet diese Koranstelle an das Ende eines interreligiösen Friedensgebets zu stellen, findet er allerdings „doof“.

In den vom Imam rezitierten Versen wird auch die Gleichwertigkeit aller Propheten betont. Vielleicht habe der Imam es sogar gut gemeint, sagt Hamed Abdel-Samad. Mindestens aber zeige sich in diesem Vorfall wieder einmal, wie ungeeignet Koranzitate als Friedensbotschaften seien. (sim)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.06.2014)