Inflation: Getreide um 54,2 Prozent teurer

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Im Vergleich zum Vorjahr sind die Preise insgesamt um 9,1 Prozent gestiegen. Preistreiber sind Dünger, Getreide und Benzin. Die Landwirte wehren sich gegen den Vorwurf, an den Preissteigerungen schuld zu sein.

Die Preise steigen weiter: Der Index der Großhandelspreise ist im April 2008 im Vergleich zum April des Vorjahres um 9,1 Prozent gestiegen. Besonders stark fiel der Preisanstieg bei Düngemittel, Getreide und Benzin aus, teilte die Statistik Austria am Mittwoch in einer Aussendung mit.

Im Vergleich zum April 2007 haben sich die Großhandelspreise für "Düngemittel und agrochemische Erzeugnisse" (+54,5 Prozent), "Getreide, Saaten und Futtermittel" (+54,2 Prozent), "Sonstige Mineralölerzeugnisse" (+34,9 Prozent), "Motorenbenzin (inkl. Diesel)" (+24,8 Prozent), "Altmaterial und Reststoffe" (+16,8 Prozent), "Feste Brennstoffe" (+16,7 Prozent), "Obst, Gemüse und Kartoffeln" (+15,0 Prozent), "Nichtalkoholische Getränke" (+14,1 Prozent), "Milch, Milcherzeugnisse, Eier und Speiseöle" (+12,6 Prozent) sowie "Eisen und Stahl" (+10,8 Prozent) wesentlich erhöht.

Steigerung überraschend

Der Inflationsschub in der zweiten Jahreshälfte 2007 und im ersten Quartal 2008 sei zwar ein internationales Phänomen, in Österreich sind die Nahrungsmittelpreise aber stärker gestiegen als in den Nachbarländern, sagte der Direktor der Österreichischen Nationalbank (OeNB), Josef Christl, gestern Dienstag bei einer Veranstaltung der Landwirtschaftskammer. Diese wehrt sich gegen den Vorwurf, Preistreiber zu sein.

Auch im Vergleich zum EU-Durchschnitt hat sich Essen hierzulande stärker verteuert als etwa in Deutschland und Italien, Die Steigerung sei "überraschend", so OeNB-Chef Christl weiter, zumal Österreichs Teuerungsrate bisher stets unter dem Durchschnitt des Euroraumes und höchstens gleichauf mit Deutschland gelegen sei. "Die Nahrungsmittel steigen also momentan doppelt so rasch wie die allgemeine Inflationsrate", so Christl.

Spanne stark ausgeweitet

Als Gründe nannte der OeNB-Direktor einerseits die Entwicklung auf den Weltmärkten, es gebe aber auch hausgemachte Ursachen. So sei der Brotpreis in Österreich mit 15 Prozent überdurchschnittlich gestiegen, der Erzeugeranteil, also jener für Weizen, liege aber nur bei 2,6 Prozent der Kosten: "Und hier haben wir schon das Gefühl, dass die Marktspanne sehr sehr stark ausgeweitet wurde", so Christl. Neben Energie- und Nahrungsmittelpreisen sieht Christl auch die starken Gebührenerhöhungen als Preistreiber. So hätte die öffentliche Hand bei einem Gebührenstopp im Jahr 2007 die Jahresinflation um 0,3 Prozentpunkte senken können.

2009 sollte der Inflationsdruck aber nachlassen, meinte Christl. Die aktuelle OeNB-Prognose geht momentan davon aus, dass die jetzige Inflationsrate von 3,5 Prozent im März bis Juni 2009 auf 2,2 Prozent zurückkommen sollte. Die Jahresinflation 2008 sieht er bei 3 Prozent, wenngleich im Juni - bedingt durch höhere Gastronomie- und Hotelpreise während der EURO 2008 - wieder kurzfristig nach oben gehen werde. Die Kerninflation (ohne Energie und unverarbeitete Nahrungsmittel) bleibe unter 2,5 Prozent.

Bauern wehren sich

Bei den Rohstoffpreisen erwarten die Märkte nur mehr einen geringen weiteren Anstieg des Rohölpreises sowie eine Stabilisierung der Nahrungsmittelpreise, allerdings eine weitere Zunahme des Weizenpreises. Auch ein Gebührenstopp und maßvolle Lohnerhöhungen könnten dazu beitragen, die Inflation zu senken, meint der Nationalbankdirektor.

Die heimischen Bauern wehren sich einmal mehr dagegen, dass ihnen die Schuld an den steigenden Lebensmittelpreisen in die Schuhe geschoben wird. "Wir lassen uns nicht einseitig den Schwarzen Peter umhängen", sagte der Präsident der Landwirtschaftskammer Österreich, Gerhard Wlodkowski, am Dienstagabend bei einer Veranstaltung mit OeNB-Direktor Josef Christl.

Die hohe Inflation treffe die Landwirte ebenso wie die übrige Bevölkerung. Nur der geringste Anteil an den höheren Rohstoffpreisen bleibe den Bauern erhalten, und die EU-Gelder würden nicht für Agrarprodukte bezahlt, sondern für Leistungen, die der Markt nicht abgelte. (Red.)

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