Nach Zyklon in Burma: "Berge von Leichen"

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Über 23.000 Tote und 42.000 Vermisste. Millionen von Menschen sind obdachlos und die Lebensmittelpreise steigen. Die Militärjunta erschwert Hilfe mit bürokratischen Hürden.

Dramatische Folgen des verheerenden Zyklons in Burma: Laut Regierung sind bisher 22.000 Todesopfer zu beklagen, inoffizielle Schätzungen gehen aber von bis zu 100.000 Toten aus. Unter den Opfern herrscht Hunger, Seuchen drohen sich auszubreiten, die Reisernte wurde vernichtet. Rund eine Million Menschen sind obdachlos, Zehntausende werden vermisst - darunter auch zwei Österreicherinnen.

Derzeit werden noch über 42.000 Menschen vermisst. Nach Angaben der Vereinten Nationen aus Genf sind 24 Millionen Menschen von der Katastrophe betroffen - das ist fast die Hälfte der Bevölkerung.

Zyklon "Nargis" war am Samstag mit einer drei Meter hohen Flutwelle über Burma gezogen. Weite Landesteile standen unter Wasser. Die Wirtschaftsmetropole Rangun hatte weder Strom noch Wasser.

Trotz anfänglicher Hindernisse kam die Hilfe der Vereinten Nationen in dem verwüsteten Land inzwischen ins Rollen. Das Welternährungsprogramm (WFP) verteilte am Dienstag die ersten Lebensmittellieferungen in der Millionenmetropole Rangun. Viele Küstenregionen seien wegen Überschwemmungen und zerstörter Straßen aber nach wie vor nicht zu erreichen, erklärte die Organisation. Das WFP hat nach eigenen Angaben jetzt über 800 Tonnen an Lebensmittel in Rangun. UNO-Mitarbeiter hatten zuvor auf ihre Einreiseerlaubnis warten müssen.

Millionen Menschen sind obdachlos

Durch die Katastrophe haben nach Angaben der Hilfsorganisation "Save the Children" Millionen Menschen ihr ganzes Hab und Gut verloren. "Es ist ganz klar, Millionen Menschen sind obdachlos. Wir wissen nur noch nicht, wie viele Millionen", berichtete der für Burma zuständige Vertreter der Organisation, Andrew Kirkwood.


Kirkwood berichtete von katastrophalen Zuständen vor allem im Irrawaddy-Delta, der am schwersten betroffenen Region. In einem der abgelegenen Orte habe sein Team tausende Tote gesehen - "Berge von Leichen", die auf der Straße verrotteten. Besorgniserregende Berichte kämen auch aus Pyinkaya, einem 150.000 Einwohner zählenden, schwer zugänglichen Ort im Südwesten des Deltas. Dort sei bis Mittwoch noch keine Hilfe eingetroffen, die Sterbenden seien sich selbst überlassen.

Lebensmittelpreise steigen

Die Militärjunta von Burma stellt die Lage anders dar: Die Lage im Land habe sich allmählich normalisiert, sagte General Tha Aye im staatlichen Fernsehen. Auf einem Markt in Kyimyindaing, einem Vorort von Rangun, war davon am Mittwoch allerdings wenig zu sehen. Die Lebensmittelpreise schossen nämlich in die Höhe: In Flaschen abgefülltes Wasser wurde für umgerechnet 32 Cent verkauft, mehr als doppelt so viel wie der Normalpreis. Auch der Preis für einen Sack Reis verdoppelte sich, für Speiseöl musste ebenfalls fast doppelt so viel wie bisher bezahlt werden.

Bürokratische Blockaden

Das Rote Kreuz und andere Organisationen haben Hilfslieferungen in die Wege geleitet. Eine Militärmaschine aus Thailand brachte neun Tonnen Hilfsgüter nach Burma. Die Regierung hat insbesondere um Baumaterial für Dächer, um Medikamente, Wasserreinigungstabletten und Moskitonetze gebeten.

Erschwert wird die Arbeit der Hilfsorganisationen vom schlechten Verkehrsnetz des verarmten Landes, aber auch von bürokratischen Blockaden der Militärjunta. Offen darüber sprechen wollen die Hilfsorganisationen nicht - zu groß ist die Angst, Lieferungen an die notleidende Bevölkerung könnten vollständig blockiert werden.

Das Weiße Haus kündigte eine zusätzliche Soforthilfe von drei Millionen Dollar (1,93 Mio. Euro) an. Das Geld soll zusätzlich zu den 250.000 Dollar, die die US-Botschaft in Burma bereitgestellt hatte, gegeben werden, sagte Sprecherin Dana Perino.

Die Europäische Kommission stellte Hilfsgüter im Wert von zwei Millionen Euro zur Verfügung. Burmas enger Verbündeter China sagte dem Land eine Million Dollar (646.000 Euro) in bar und Hilfslieferungen zu.

Dass die verheerenden Ausmaße des Wirbelsturms verhindert werden hätte können, das bekräftigte am Mittwoch die indische Meteorologiebehörde (IMD). Ihren Angaben zufolge hatte man die zuständigen Regierungsstellen in Burma zwei Tage vor dem Eintreffen von "Nargis" vor gewarnt. Der IMD-Abteilungsleiter für Zyklone, M. Mahapatra, sagte am Mittwoch in Neu Delhi: "Es gab hinreichend Zeit, Vorsichtsmaßnahmen zu treffen, um Leben zu retten." Seine Behörde habe die Entwicklung des Tiefdruckgebietes in der Bucht von Bengalen seit dem 26. April beobachtet und die Berichte regelmäßig an das Nachbarland weitergegeben.

(Ag./Red.)

Österreichisches Rotes Kreuz, PSK 2.345.000, BLZ 60.000, Kennwort Katastrophenhilfe

Helfen ohne Grenzen, Raiffeisen Landesbank, Konto Nr. 4.444-0

Caritas, PSK 7.700.004, BLZ 60.000, Kennwort: Myanmar/Burma oder online unter www.caritas.at/spenden

Arbeiter-Samariter-Bund
PSK 1.834.000 (BLZ: 60.000) Kennwort: Burma

Ärzte ohne Grenzen, 930.40.950 PSK (BLZ 60.000), Kennwort: Notfall-Fonds

Hilfswerk Austria: PSK 90.001.002, BLZ 60.000, „Burma“

Care: PSK 1.236.000, BLZ 60.000, „Myanmar“ Unicef Österreich: PSK 15.16.500, BLZ 60.000, „Kinder Burma“

World Vision: PSK 90.890.000, BLZ 60.000, „Katastrophenhilfe“

ADRA Österreich: PSK 1.300.400, BLZ 60.000, Kennwort: "Myanmar"

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