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Gefahr durch Aluminium im Deospray

(c) APA (BARBARA GINDL/ROLAND SCHLAGER)

Das Gesundheitsministerium hat die Gefahren durch "körpernahes" Aluminium, etwa in Deos und Lebensmitteln, analysiert - und vorsorglich einen Verzicht empfohlen. Allerdings sind derzeit noch viele Fragen offen.

Wien. Sie sind seit Längerem umstritten: Kosmetika, die Aluminium enthalten. Nun rät auch das Gesundheitsministerium offiziell zur Vorsicht wegen möglicher Gefahren für die Gesundheit.

1. In welchen Produkten ist Aluminium überhaupt enthalten?

Etwa in Deos: In Form von Aluminiumsalzen zieht das Metall die Haut zusammen und verstopft die Schweißporen. In manchen Sonnenschutzmitteln soll es einem Hersteller zufolge verhindern, dass UV-Filterpartikel zusammenkleben. In der EU sind Aluminium sowie eine Reihe von Aluminiumverbindungen als Lebensmittelzusatzstoffe zugelassen, etwa als Festigungsmittel, Trenn- oder Backtriebmittel. Für einige davon gelten in der EU seit 1.Februar neue, niedrigere Höchstmengen. Auch in Säuglings- und Folgenahrung wurde wiederholt Aluminium entdeckt.

2. Wie gefährlich ist Aluminium in Kosmetika und Lebensmitteln?

Deos, die Aluminiumchlorid oder Aluminiumchlorohydrat enthalten, stehen im Verdacht, Brustkrebs zu verursachen. Auch einige rezeptfreie magensäurehemmende Medikamente enthalten Aluminiumverbindungen. Sie können zu Knochenerkrankungen führen und stehen im Verdacht, Allergien auszulösen. Die Aufnahme großer Mengen von Aluminium könnte nervenschädigend sein, ein Zusammenhang mit Alzheimer-Demenz ist aber umstritten. Denn eindeutig nachweisbar sind diese Gesundheitsrisken nicht, Studien über Langzeiteffekte fehlen.

Die Aufnahme von Aluminium über Lebensmittel sei dabei das geringere Risiko, sagt Alexander Zilberszac, Experte für Lebensmittelrecht im Gesundheitsministerium. Denn die Anwendungsgebiete und -mengen seien EU-rechtlich „ziemlich radikal reduziert worden“.

Für Kosmetika gibt es aber bisher keine vorgeschriebenen Grenzwerte, besonders Deos stellen ein Risiko dar, weil sie „weit verbreitet sind, häufig und relativ großflächig angewendet werden“. Besonders gereizte – frisch rasierte – Haut kann erhebliche Mengen an Aluminium aufnehmen, sodass der von der EU festgesetzte Grenzwert von einem Milligramm Aluminium pro Kilogramm Körpergewicht pro Woche überschritten werden kann.

3. Warum wird Aluminium überhaupt so vielseitig verwendet?

Salopp gesagt: Weil es ein leicht verfügbares, relativ billiges und leichtes Metall ist, aus dem sich nicht nur praktische Verpackungen herstellen lassen. Es wird auch als Farbstoff für Lebensmittel verwendet, in Kosmetika kommt es etwa als Stabilisator zum Einsatz. Rund 130 verschiedene aluminiumhaltige Stoffe finden sich in diversen Kosmetika.

4. Wieso wird Minister Stöger gerade jetzt aktiv?

Wegen der Verunsicherung der Konsumenten über mögliche schädliche Folgen hat sich Stöger dazu entschlossen, die bestehende Forschungslage über aluminiumhaltige Produkte in einer Studie auszuwerten. Fazit: „Es gibt keinerlei eindeutige Beweise, man kann es aber auch nicht klar widerlegen“, so Zilberszac.

5. Was soll man tun? Wie kann man Aluminium vermeiden?

Das Ministerium rät, auf die „körpernahe Anwendung“ von Aluminium vorsorglich so weit wie möglich zu verzichten. Viele Hersteller bieten mittlerweile aluminiumfreie Deodorants; und aluminiumhältige sollten zumindest nicht auf frisch rasierte Haut aufgetragen werden. Stark säurehaltige Lebensmittel (z.B. Tomatensauce, Apfelmus) sollte man nicht in unbeschichteten Gefäßen aus Aluminium oder Alufolie kochen oder aufbewahren. Trinkflaschen aus Alu sollten keine Kratzer in der Beschichtung haben.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.06.2014)