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Gesundheit: Schulverbot für Nichtgeimpfte

Impfung bei einem Arzt
(c) BilderBox
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In einer Schule bei Leonding wurden einige Kinder vom Unterricht ausgeschlossen, weil sie nicht gegen Masern geimpft sind. Über eine „kleine Impfpflicht“ wird diskutiert.

Wien/Linz. Ein Schulverbot für alle Kinder, die nicht gegen Masern geimpft sind: Zu dieser Maßnahme hat sich die Volksschule Hart bei Leonding (OÖ) entschlossen. Nachdem ein Schüler an Masern erkrankt ist, dürfen acht nicht geimpfte Schüler die Schule zehn Tage lang nicht betreten, um die Kinder vor einer Ansteckung zu schützen.

Ein derartiges Schulverbot sei zwar selten, sagt der oberösterreichische Landesschulratspräsident, Fritz Enzenhofer, zur „Presse“. „Wenn aber die Gesundheit der Kinder gefährdet ist, kann die Schule für einige oder alle Schüler gesperrt werden.“ Die Schulleitung hat das Auftreten von Masern der zuständigen Bezirkssanitätsbehörde gemeldet, die dortige Amtsärztin hat empfohlen, ungeimpfte Kinder nicht in die Schule zu lassen.

Erst Anfang Juni hatte eine Schule im deutschen Trappenkamp wegen einer Masern-Erkrankung Kontrollen am Schuleingang durchgeführt: Schüler durften das Gebäude nur nach Vorweis des Impfpasses betreten. Wie die VS Hart das Schulverbot kontrolliert, wusste man beim Landesschulrat am Freitag nicht. Bei den Eltern der betroffenen Schüler stößt die Entscheidung nicht nur auf Verständnis. Gegenüber den „Oberösterreichischen Nachrichten“ kritisiert ein Großvater, dass seine Enkelin nicht in die Schule dürfe. Er findet: „Sie darf eine Krankheit wie die Masern, die wir seinerzeit alle durchgemacht haben, ohne Schaden zu nehmen, bekommen.“

Gertrude Jindrich, Leiterin des schulärztlichen Dienstes im Landesschulrat, warnt wiederum vor einer Verharmlosung: „Masern sind keine Bagatelle, sondern können schwerwiegende Nebenwirkungen haben.“ Neben Lungen- und Mittelohrentzündung kann es zu einer lebensbedrohlichen Hirnhautentzündung kommen.

Kann man in impfskeptischen Zeiten Eltern denn generell indirekt zwingen, dem Impfplan zu folgen? Mit diesen Fragen und den ethischen Aspekten des Impfens beschäftigt sich aktuell auch die staatliche Bioethikkommission. Denn nur wenn sich viele Menschen impfen lassen (die WHO empfiehlt bei Masern eine Impfrate von 95 Prozent, in Österreich liegt sie bei etwa 80 Prozent), entsteht eine „Herdenimmunität“, die auch Menschen schützt, die aus gesundheitlichen Gründen nicht geimpft werden können.

Bei einer Auftaktpodiumsdebatte dieses Jahr erklärte Ursula Köller, Vorsitzende der Gruppe Impfen in der Kommission, dass sie sich etwa bei Masern eine „kleine Impfpflicht“ vorstellen könne: Eine Impfung könnte Voraussetzung dafür sein, dass Kinder in Kindergärten oder Krippen betreut werden. Vor allem Letzteres wird diskutiert, da Babys in den ersten Lebensmonaten nicht gegen Masern geimpft werden können und auf Schutz durch die Herdenimmunität bei größeren Kindern angewiesen sind. (APA/mpm/uw)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.06.2014)