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Pariser Street-Art-Nomaden in Meidling

(c) Sonja Fercher
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In der französischen Street-Art-Szene ist das Künstlerpaar Jana & Js bereits fix verankert. Jetzt gibt es in Meidling ein großes Wandbild von ihnen.

Völlig erschöpft lassen sich Jana und Js in die Stühle beim Wirten in der Meidlinger Gierstergasse fallen. „Ich bin ein bisschen seekrank“, meint Js. Kein Wunder, immerhin haben die beiden den ganzen Tag auf einem Kran um die Ecke verbracht, von dem aus sie ihr Wandbild bearbeitet haben. Stunde um Stunde nahm das Bild konkretere Formen an: Folien dienten den beiden als Schablonen, mit deren Hilfe sie zunächst die Konturen in Schwarz übertragen haben, die sie dann Schritt für Schritt mit Farbe füllten.

Das Bild der beiden eng umschlungenen Frauen ist eines der größeren Bilder des österreichisch-französischen Street-Art-Paares – und es ist eines von wenigen, die sie bisher in Wien gemacht haben. Während Jana & Js hierzulande noch eher abseits der breiten Öffentlichkeit ihrer Kunst nachgehen, sind die beiden in der Pariser Street-Art-Szene fix verankert. Im Künstlerviertel Butte aux Cailles etwa kommt man an den mit dem Namen „janaundjs“ gezeichneten „pochoirs“ geradezu nicht vorbei.

Die beiden sind ein Paar voller Wechselwirkungen: „Wir arbeiten immer zu zweit und inspirieren uns gegenseitig“, meint Js. Die ausgebildete Grafikerin, die als Au-pair nach Madrid gekommen war, brachte die Fotografie in die Arbeit ein. Im Jahr 2005 zogen sie gemeinsam nach Paris, seit 2007 treten die beiden gemeinsam unter dem Namen Jana & Js auf.

Viele ihrer Bilder enthalten Selbstporträts, meist sind sie mit Kamera in der Hand abgebildet. Den Hintergrund bilden sehr symmetrische Ausschnitte von Wohnhäusern oder verfallene Industrielandschaften. Der Mensch und die Stadt, die Stadt in der Stadt sowie das Wechselspiel zwischen Utopie und Realität: Das sind wesentliche Themen ihrer Arbeit. Dass sie auch sich selbst darin inszenieren, ist gewollt: „Es geht auch darum, zum Thema zu machen, was wir selbst erleben“, erklärt Js. In ständiger Wechselwirkung sind denn auch Leben und Arbeit, die sich oftmals nur schwer trennen lassen.

Die beiden könnte man zudem als moderne Nomaden charakterisieren. Die 29-jährige Jana Balluch ist Salzburgerin, wo sie an der FH Multimedia Art studiert hat. Der 32-jährige Jean-Sébastien Philippe ist gebürtiger Pariser, in Chartres aufgewachsen und hat in Poitiers und Tours studiert. Gemeinsame Sprache ist im Übrigen Spanisch.

Mittlerweile sind es weniger die kleinen Städte, die sie anzuziehen scheinen. Blackpool oder Bratislava, London oder Lille, Madrid oder Moskau, Straßburg oder Sibiu sind nur einige der Orte, in denen man ihre Street Art in Form von Wandmalereien oder Plakaten an Hauswänden bewundern kann. Erst vor zwei Monaten waren sie in New York, anschließend nahmen sie an Street-Art-Festivals in der Nähe von Paris sowie in Belgien teil, um weiter nach Wien Meidling zu eilen. „Seit wir ein kleines Kind haben, ist das alles viel schwieriger geworden“, gesteht Js ein. Immer unterwegs, nie zu Hause essen, schlafen und sich ausruhen können: Das ist nicht nur für den kleinen Léo-Paul anstrengend – und es wird noch komplizierter werden, denn das zweite Kind ist unterwegs. „Da“, meint Js, „braucht es schon einen starken Willen und große Leidenschaft.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.06.2014)