Insolvenz-WM: Wer landet die meisten Treffer mit den wenigsten Ausfällen?

In welchen Ländern gibt es die meisten Unternehmens-Insolvenzen?

Pünktlich zur Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien hat Euler Hermes mit Prisma Kreditversicherung zur Insolvenz-Weltmeisterschaft aufgerufen. Wer möglichst wenig Insolvenz-Tore kassiert, gewinnt. Spanien wird sich 2014 mit einem Rückgang von 23 Prozent den Titel holen.

Die Qualifikationsrunden 2013 waren hart. 42 Länder haben sich um den Weltmeistertitel beworben. Vier Ligen bildeten sich heraus:

1. Torschützenkönige

Länder, die im Vorjahr einen drastischen Rückgang ihrer Insolvenzen verzeichneten, wie USA, Großbritannien und Deutschland.

2. Taktiker
Harte Anpassungsmaßnahmen machen sich von Spanien bis zu den Niederlanden bezahlt.

3. Team Emerging Markets
Hier heißt die größte Challenge: Umbau des privaten Sektors. Brasilien, China und Russland sind hier vorne mit dabei.

4. Mitläufer
Ohne einschneidende Reformmaßnahmen hat es in Frankreich, Italien, Belgien, Ost- und Zentraleuropa keine Erholung gegeben.

Ludwig Mertes, Vorstand bei PRISMA Kreditversicherung und selbst großer Fußballfan, kommentiert die Lage so: "Spanien hat die Chance, 2015 seinen Titel zu verteidigen. Das ist mein Tipp für die nächste WM. Spanien wird nächstes Jahr seine Insolvenzzahlen nochmals um sechs Prozent senken."

Die wesentlichen Veränderungen auf einen Blick
Für all jene, deren Fußballbegeisterung sich in Grenzen hält, finden sich hier Fakten, ohne Bezug zum runden Leder. Weltweit sind die Insolvenzen 2013 um fünf Prozent gesunken. 353.000 Konkurse wurden registriert.

Für 2014 rechnet Prisma mit einem weiteren Rückgang um acht Prozent, der in geringerem Ausmaß auch 2015 anhalten dürfte (minus drei Prozent).

Nach wie vor verschwinden weltweit mehr Betriebe von der Bildfläche als vor der Krise (2003-2007).

Die wichtigsten Länderentwicklungen im Überblick

Spanien: ein Pyrrhussieg

Das reale BIP wird 2014 in Spanien um 0,6 Prozent und 2015 um 1,2 Prozent wachsen. Die Insolvenzen sinken heuer um fast ein Viertel. Für 2015 erwartet man einen weiteren Rückgang von sechs Prozent. Auch wenn diese Entwicklung erfreulich ist und Spanien den Weltmeistertitel in unserem Ranking gewinnt, ist die Zahl der Insolvenzen immer noch sehr hoch. Sie liegt deutlich über dem Vorkrisenwert.

Österreich: Besser aufgestellt

Die Insolvenzen in Österreich haben wieder Vorkrisenniveau erreicht. Für 2014 und 2015 rechnet man mit einem jeweils leichten Anstieg von drei Prozent. Die Resilienz der heimischen Wirtschaft hat seit den schwierigen 1990iger Jahren stetig zugenommen. Natürlich spürt man auch bei uns zuweilen den rauen Wind der Weltwirtschaft, aber generell wird rascher und professioneller auf Veränderungen reagiert und auch die Banken sind in ihren Entscheidungen umsichtiger geworden.

Großbritannien: Fair Play
Das BIP 2013 überraschte mit dem stärksten Wachstum seit 2007 (+1,7 Prozent gegenüber +0,3 Prozent 2012). Dafür war vor allem die starke Inlandsnachfrage ausschlaggebend. Die Insolvenzen sind 2013 signifikant und sogar gering unter Vorkrisenniveau zurückgegangen (-15 Prozent im zweiten Jahr in Folge).

Deutschland: Angriff ist die beste Verteidigung
Die Geschäftsaktivitäten kommen 2014 ebenso in Schwung, wie das BIP-Wachstum (+1,7 Prozent). Es soll auch in Zukunft für einen Abwärtstrend bei den Insolvenzen sorgen (minus sechs Prozent). 2013 gab es die meisten Insolvenzen im Baugewerbe und im Handel. 2014 tragen das moderate, aber stetige Wachstum in der Bauwirtschaft und die gestiegenen Verbraucherausgaben zu einem Abwärtstrend der Insolvenzen in diesen Sektoren bei.

USA: Eine Reihe von Freistößen
Steigende Investitionen und ein Handelsbilanzüberschuß ermöglichten 2013 trotz des bescheidenen privaten Konsums ein BIP-Wachstum von 1,9 Prozent. Die Resilienz der Wirtschaftsaktivitäten führte zu einer neuerlichen Verringerung der Insolvenzen, die 2013 mit -17 Prozent stärker als erwartet zurückgingen. 2014 wird ein weiterer Rückgang um -10 Prozent erwartet, für 2015 rechnet man mit -6 Prozent. Das Insolvenzvolumen nähert sich damit seinem historischen Tiefstand.

China: Stecken geblieben im Mittelfeld
Nach fünf Jahren rückläufiger Insolvenzen ist 2014 mit einer deutlichen Trendumkehr zu rechnen. Der Rückgang von 2013 um vier Prozent dreht auf plus zwei Prozent für 2014 und 2015. Die anhaltende Abschwächung des BIP-Wachstums stellt den zündenden Funken dafür dar. Das BIP-Wachstum hat sich 2013 bei 7,7 Prozent stabilisiert, für 2014 erwartet man einen Rückgang.

Italien: Kein Renzi-Effekt für die Squadra Azzura

Das BIP-Wachstum wird 2014 0,4 Prozent und 2015 0,9 Prozent betragen und liegt immer noch knapp zehn Prozent unter seinem Vorkrisen-Höchststand. Aufwärtsrisiken bleiben weiterhin bestehen. Die Insolvenzen nehmen bereits seit sechs Jahren zu (plus zwölf Prozent 2013). 2014 wird der Anstieg jedoch nur mehr drei Prozent betragen.

Brasilien: Auch bei der Heim-WM keine Tore
Durch diverse Mega-Events (Confederations Cup 2013, Fußball WM 2014 und die Olympischen Spiele 2016) stieg die Zahl der Unternehmensneugründungen an. Trotzdem kam es bisher zu keinem Wachstumsaufschwung. Das BIP-Wachstum liegt 2014 bei zwei Prozent; 2015 werden 2,5 Prozent prognostiziert. Engpässe, mangelnde Wettbewerbsfähigkeit, eine restriktive Geldpolitik und der volatile Wechselkurs treiben die Anzahl der Insolvenzen (plus neun Prozent 2014) in die Höhe.

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