Konsumlust und hohe Preise sorgen für höheren Umsatz. Die drei größten Handelsriesen – Rewe, Spar, Hofer – haben ihre Anteile weiter gesteigert.
WIEN (cim). Die heimischen Lebensmittelhändler erfreuen sich ungebrochener Konsumlust und höherer Preise. Diesen Faktoren sei das Umsatzplus von 3,8 Prozent im Jahr 2007 zu verdanken, sagt Martin Prantl, Chef von AC Nielsen Österreich. Bereinigt um die Inflation ist das Wachstum mit 1,5 Prozent allerdings deutlich gedämpfter. In Summe wurden 2007 in den österreichischen Lebensmittelgeschäften 16 Mrd. Euro ausgegeben.
Die größten drei – Rewe, Spar, Hofer – haben ihre Anteile weiter gesteigert: Marktführer Rewe (Billa, Merkur, Penny, Sutterlüty) nimmt nach den Daten von Nielsen 30 Prozent des Umsatzes ein. Genehmigt die EU-Wettbewerbsbehörde die geplante Übernahme von Adeg durch Rewe, würde der Rewe-Anteil auf über 35 Prozent wachsen.
Zusammen hielten die Top drei 2007 einen Marktanteil von 77,4 Prozent. Der Konzentrationsgrad steigt: Im ersten Quartal 2008 lag der gemeinsame Marktanteil schon bei 78 Prozent. Der Lebensmittelhandel ist damit in Österreich so hoch konzentriert wie in kaum einem Land Europas. Nur in Skandinavien, der Schweiz und Belgien sind die Top drei ähnlich dominant.Den Wettbewerb sehen die Marktforscher dadurch nicht in Gefahr. „Zwei Boxer stehen sich mit anderen Bandagen gegenüber als mehrere Teams in einer Liga“, beschreibt Nielsen-Handelsexpertin Dorothea Hagenauer-Stattmann.
Aktuell gibt es in Österreich 6076 Lebensmittel-Geschäfte. Das sind zwar 128 weniger als vor einem Jahr, allerdings gibt es nur in Norwegen mehr Geschäfte pro Kopf.
Statistisch gesehen versorgt in Österreich eine Filiale 2450 Menschen, in Großbritannien sind es 12.345 Menschen. Fast jedes zweite Lebensmittelgeschäft ist im Besitz selbstständiger Kaufleute. Auch, wenn diese ihr Geschäft unter dem Namen einer großen Kette führen. Von diesen kleinen Händlern kommen, so die Ergebnisse von Nielsen, erstmals wieder positive Signale.
Die Strukturbereinigung, also die Schließung kleiner, nicht rentabler Greißler, ist noch in Gang und auf die Selbstständigen entfallen nur 15 Prozent des Umsatzes. Aber dieser Umsatz ist 2007 um vier Prozent erstmals wieder gestiegen. Dieser Trend sei vor allem dem Service und speziellen Angeboten zu verdanken, sagt Hagenauer.
Die Nummer drei, Hofer, ist 2007 mit einem Umsatzplus von 5,3 Prozent wie schon in den vergangenen Jahren stärker gewachsen als Rewe und Spar. Allerdings ist Hofer nicht mehr Wachstumssieger.
Mit einem Umsatzplus von 9,7 Prozent nimmt diese Position Lidl ein. Insgesamt haben die Diskonter einen Marktanteil von über 30 Prozent. In den nächsten Jahren werde sich dieser bei 35 Prozent einpendeln. Nicht zuletzt die hohe Inflation würde die Konsumenten zu den Diskontern treiben.
Starke Teuerung „überrascht“
Der Inflationsdruck soll 2009 aber nachlassen, sagte Josef Christl, Direktor der Nationalbank bei einer Veranstaltung der Landwirtschaftskammer. Die aktuelle Prognose der OeNB geht davon aus, dass die Inflationsrate von 3,5 Prozent im März bis Juni 2009 auf 2,2 Prozent zurückgehen sollte.
Christl sagt, er sei „überrascht“, dass sich Essen hierzulande deutlich stärker verteuert habe als in den EU-Nachbarländern. „Die Nahrungsmittel steigen momentan doppelt so rasch wie die allgemeine Inflation“, so Christl. Daran seien zwar einerseits die Weltmärkte schuld, es gebe aber auch hausgemachte Ursachen.
So sei der Brotpreis in Österreich mit 15 Prozent überdurchschnittlich gestiegen. Der Anteil der Erzeuger liege aber nur bei 2,6 Prozent. „Hier haben wir schon das Gefühl, dass die Marktspanne stark ausgeweitet wurde“, meint Christl. Die hohen Energiekosten seien dabei nur ein Teil der Erklärung.
AUF EINEN BLICK
16 Mrd. Euro wurden 2007 bei Billa, Spar & Co. ausgegeben. Das sind 3,8 Prozent (inflationsbereinigt 1,5 Prozent) mehr als im Jahr zuvor. Die Marktanteile der drei größten Ketten, Rewe, Spar und Hofer, wachsen weiter. 2007 haben die Top drei 77,4 Prozent des Marktes beherrscht.
Die Greißler melden erstmals wieder ein Wachstum von vier Prozent. Trotzdem wurden 128 Geschäfte geschlossen.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.05.2008)