Schnellauswahl

König Felipe IV.: Ein Monarch als Integrationsfigur

Die Katalonen verbinden mit der Königskrone nicht viel Gutes.
Die Katalonen verbinden mit der Königskrone nicht viel Gutes.(c) APA/EPA/JAVIER LIZON
  • Drucken

Aktivisten für eine Einheit des Landes hoffen auf neue Impulse. Die katalanischen Separatisten musste zuletzt viele Zurückweisungen erdulden.

In Katalonien setzt die Regionalregierung ihren Unabhängigkeitskurs fort. Allerdings sind nicht alle Katalanen davon überzeugt, dass das Land künftig eigene Wege gehen soll. Die Gegner einer Eigenständigkeit von Spanien hoffen auf den neuen König Felipe VI.. "Vielleicht kann Katalonien für ihn so bedeutend werden, wie für seinen Vater der '23-F'", hofft man etwa bei der "Societat Civil Catalana".

Mit dem Schlagwort "23-F" meint die Vorsitzende der in Barcelona ansässigen anti-separatistischen Plattform, Susana Beltran, den 23. Februar 1981. Damals putschte eine Gruppe von Angehörigen der paramilitärischen Guardia Civil (Zivilgarde) und nahm Mitglieder der Regierung und Abgeordnete des Parlaments als Geiseln.

Mehrere Offiziere der Armee schlossen sich damals - wenige Jahre nach Ende der rechtsnationalen Diktatur von General Francisco Franco (1939 - 1975) - den Aufständischen an. König Juan Carlos trug als Oberbefehlshaber der Armee jedoch mit einer pointierten TV-Ansprache maßgeblich dazu bei, dass der Putschversuch niedergeschlagen wurde und die Militärs in ihre Kasernen zurückkehrten. Damit erwarb sich Juan Carlos den Ruf als Verteidiger der Demokratie, der ihm über viele Jahre ein hohes Ansehen in Spanien bescherte.

König als Vermittler

Der neue König, der am Donnerstag seinen Amtseid ablegen wird, wiederum könnte sich als Vermittler zwischen abspaltungswilligen Katalanen und der Zentralregierung in Madrid profilieren, hoffte Beltran im gegenüber der Austria Presseagentur. "Felipe VI. ist ein Symbol, er spricht sehr gut Katalanisch, er ist dem Volk sehr nah." Der 46-Jährige trage ja auch den Adelstitel eines "Fürsten von Girona", erinnerte die fast gleichaltrige Juristin. Girona (spanisch Gerona) ist eine historisch bedeutende Stadt in Katalonien.

Der künftige König habe in Katalonien "Kredit", zeigte sich die Unabhängigkeitsgegnerin überzeugt. "Er ist auch ein guter Diplomat. Er müsste nun öfters hierher kommen und auch zeigen, dass er persönlich gewillt wäre, den Katalanen mehr Autonomie zuzugestehen." Von den Befugnissen her hat der spanische Monarch diese Macht freilich nicht. Das irritiert die Vorsitzende der im März dieses Jahres gegründeten "Societat Civil Catalana" aber wenig: "Er kann symbolhafte Zeichen setzen. Zum Beispiel könnte er die katalanische Sprache auch außerhalb Spaniens vertreten."

Pfiffe in der Oper

Allerdings hatte Felipe als Kronprinz im vergangenen Jahr mit seiner Frau Letizia in der Oper von Barcelona zu spüren bekommen, dass nicht alle Katalanen so denken wie Susana Beltran. Dutzende Zuschauer pfiffen das Paar damals aus. Bis heute wirft die katalanische Unabhängigkeitsbewegung dem Königshaus der französischen Bourbonen vor, den Katalanen vor 300 Jahren im Zuge der spanischen Erbfolgekriege, bei denen die österreichische Habsburger-Linie unterlag, ihre Autonomierechte genommen zu haben.

Viel tiefer sitzt diesbezüglich aber der Groll der katalanischen Separatisten über jüngere Entwicklungen. Im Jahr 2006 war ein neues Autonomie-Statut für Katalonien vom Parlament der nordostspanischen Region mit überwältigender Mehrheit verabschiedet worden. Es wurde auch vom spanischen Parlament in Madrid gebilligt und von den Katalanen in einem Referendum mit 74 Prozent der abgegebenen Stimmen angenommen.

Dennoch wurde das Statut vom spanischen Verfassungsgericht vier Jahre später nach einer Klage der konservativen Volkspartei (PP) in einzelnen Passagen für verfassungswidrig erklärt. Die Einstufung Kataloniens als "Nation" ließen die Richter zwar gelten, sie stuften die Formulierung aber zu einer rhetorischen Formel "ohne rechtliche Bindung" herab.

Separatismus gestärkt

Dies stieß in Katalonien auf höchstes Unverständnis, und die Zahl der Befürworter einer Loslösung von Spanien stieg deutlich an. Selbst zuvor aus reinem Geschäftsinteresse Spanien-treue Wirtschaftsunternehmer änderten ihre Meinung. Der katalanische Ministerpräsident Albert Mas will nun am 9. November ein Referendum oder zumindest eine Volksbefragung abhalten lassen, ob er Verhandlungen über eine potenzielle Unabhängigkeit in Angriff nehmen soll.

Derzeit haben laut Umfrage rund 80 Prozent der in Katalonien wohnenden Bürger den prinzipielle Wunsch, über ihren künftigen Status abstimmen zu dürfen. Von diesem wiederum würden bei einem Referendum rund 55 Prozent für die Unabhängigkeit stimmen, meinen die separatistischen Kräfte. Die Gegner eines eigenständigen Staates bezweifeln diese Zahlen freilich.

Die Befragung könnte vom spanischen Verfassungsgericht freilich verhindert werden. Dann, so die allgemeine Meinung, würde die Zahl jener, die mit Madrid nichts mehr zu tun haben wollen, aber nur weiter steigen.

(APA)