Jon Snow und Mance Rayder

"Game of Thrones": Finale von Staffel vier

"The Children": Die emotionale und aufwühlende zehnte Folge ist ein befriedigender Abschluss für eine schwierige Staffel.

SPOILERWARNUNG: Ich verrate Details zur Handlung. Wenn Sie nichts über den Inhalt erfahren wollen, lesen Sie nicht weiter. Bitte hinterlassen Sie in den Kommentaren keine Spoiler, die die Handlung über diese Folge hinaus verraten.

Ausgerechnet am Vatertag (in den USA) wurde das Finale der vierten  "Game of Thrones"-Staffel ausgestrahlt, das ist schon zynisch. Höhepunkt von "The Children" ist nämlich ein Vatermord.

"We're here to hide behind the Wall"

Die Folge schließt dort an, wo "The Watchers on the Wall" aufgehört hat: Jon Snow (winzig sieht er aus von oben) geht zum "King-Beyond-the-Wall" Mance Rayder, um mit ihm zu verhandelt oder ihn zu töten. Könige, so kennt man es als Zuschauer der Serie, sind vor allem am Machterhalt interessiert. Und vielleicht an Huren. Aus der vergangenen Staffel habe ich Mance Rayder nicht gerade als Sympathieträger in Erinnerung. Sein Motiv erstaunt deshalb: Sicherheit für die Wildlings. "We're here to hide behind the Wall", erklärt er. "My people have bled enough". Jon weiß besser als jeder andere: "Winter is coming".

Bevor Jon eine Entscheidung treffen kann oder muss, werden die Wildlings in die Zange genommen - so sieht das jedenfalls von oben aus, wenn die wohlgeordnete Armee von Stannis Baratheon einreitet. Deus ex Machina? Wohl kaum. Kämpfer in Reih und Glied, das erinnert an die Kampfordnung der Römer in Asterix-Comics. Stannis steht für die alte Ordnung und scheint - wie Mance richtig bemerkt - keineswegs gewappnet. Weder für den Winter, noch für den Schrecken, den die Nächte im Norden tatsächlich mit sich bringen. Zumindest ist die rote Priesterin Melisandre endlich an einem Ort, an dem sich sich zu Recht vor der Dunkelheit fürchtet.

Wenn Jons Miene etwas verrät, dann das: Er und der "One True King" Stannis werden eher keine Freunde. Vielleicht stimmte es ja, was Tormund Giantsbane zu Jon sagt: "You spent too much time with us. You'll never be a kneeler again." Das zeigt sich auch darin, wie er Ygritte verabschiedet: Er gibt dem Mädchen "kissed by fire" im Norden ein Feuerbegräbnis.

"You'll never walk again. But you will fly"

Die meisten Fantasy-Elemente hat die Storyline von Bran Stark, der endlich an seinem Bestimmungsort ankommt: An einem rotblättrigen Weirwood-Tree, wie er auch in Winterfell steht. Eine Wights-Attacke kostet den geschwächten Jojen Reed (ich mochte ihn!) das Leben, dessen Schwester Meera Reed, Hodor und Bran flüchten sich unter den Baum, wo Bran auf den dreiäugigen Raben trifft, von dem er schon in Staffel eins geträumt hat: Ein alter Mann. Er zerstört Brans größten Traum - und erschafft einen neuen: "You'll never walk again", sagt er. "But you will fly".

"Kill me"

Mein Lieblingsduo ist nicht mehr: Arya Stark und The Hound treffen irgendwo im nirgendwo Brienne und Podrick, doch Arya will sich Brienne nicht anschließen (wer wollte das schon, so ungeschickt wie sie das macht?) und The Hound unterliegt dem weiblichen Mike Tyson von Westeros. Aber warum lässt Arya den Hound verbluten und tötet ihn nicht, wie er sich das wünscht? Weil doch irgendwo ein Maester hinter einem Stein darauf wartet, ihn zu retten? Valar morghulis: Die Stark-Tochter bricht jedenfalls nach Braavos auf.

In Meereen gibt es eine neue Lektion im Herrschen für Daenerys: Nur weil die Sklaverei abgeschafft ist, ist sie  noch lange nicht besiegt. Herzzerreißend ist die Szene mit der Drachenmutter, in der sie ihre Drachen (Viserion und Rhaegal, Missetäter Drogon ist irgendwo) im Keller ankettet. Offenbar haben sie Geschmack an Menschenkindern gefunden.

Tyrion Lannister, Vatermörder
Tyrion Lannister, Vatermörder(c) HBO

"I am your son"

Zum Vatermord also. Dem von Jaime und Varys zur Flucht verholfenen Tyrion fällt nichts besseres ein, als in die Gemächer seines Vaters einzubrechen, wo er Shae im Bett vorfindet. Was für eine verkorkste Familie! Tyrion macht die Sache nicht besser. Er erdrosselt Shae und erschießt seinen auf der Toilette sitzenden Vater mit Joffreys Lieblingsspielzeug, der Armbrust. Das kommt plötzlich.

Hätte Tywin Tyrion wirklich nicht sterben lassen, wie er behauptet? "All my life you wanted me to die", weiß der schlaue Kleinwüchsige. "But you refused to die. And I respect that", kontert sein Vater.

Was Tyrion nicht weiß: Tywin ist ohnehin besiegt, will das aber nicht wahrhaben. Sein Vermächtnis ist eine Lüge, wie Cersei es formuliert, als sie ihrem Vater den Inzest gesteht. Tywin wünscht sich einen Erben, sieht ihn aber nicht, selbst wenn der vor ihm seht. Der Mord macht Tyrion mehr zu seines Vaters Sohn, als ihm lieb ist.

Tywin Lannisters Tod dürfte die Machtverhältnisse in Westeros jedenfalls nachdrücklich verändern.

ZITAT DER WOCHE:

  • The Hound zu Arya: "Killed by a woman. I bet you like that."

FRAGEN und BEMERKUNGEN:

  • Klar hat Mance Rayder Kletterer geschickt, um die Tore zum Süden vom Süden her zu öffnen. Ich habe mich schon gefragt, wieso er seine Leute in Sichtweite der Wachen die Wall hochklettern lässt.
  • Ist Cersei der neue Tywin? Neuerdings beschäftigt sie einen Frankenstein, der aus dem tödlich vergifteten (Oberyn hieß nicht umsonst Viper) Mountain einen Monstermountain machen soll.
  • In den Romanen treffen The Hound und Brienne übrigens nicht aufeinander. Da rafft eine infizierte Wunde den Ritter (höchstwahrscheinlich) dahin.

BODY COUNT (nur Staffel vier, ergänzt)

  • König Joffrey
  • Oberyn Martell
  • The Hound (mutmaßlich)
  • Tywin Lannister
  • Ygritte
  • Shae
  • Jojen Reed
  • Ser Dontos (Sansas clowniger Retter)
  • Lysa Arryn
  • Pyp von der Night's Watch
  • Grenn von der Night's Watch
  • Locke, ein Gefolgsmann von Roose Bolton
  • Mag the Mighty, König der Riesen

Wen habe ich vergessen?

LUSTIG:

Kit Haringtons (Jon Snow) Haare haben einen eigenen Vertrag, wie er hier verriet:

 

>> "Game of Thrones"-Episodenblog

 

Redaktioneller Hinweis: Die aktuellen "Game of Thrones"-Folgen werden dem Autor vom Sender Sky zur Verfügung gestellt, der die Serie in Österreich einen Tag nach der Erstausstrahlung in den USA zeigt.