Notenbank: Nowotny wird Gouverneur

(c) APA (Herbert P. Oczeret)
  • Drucken

Der Sozialdemokrat löst am 1. September Klaus Liebscher an der Spitze der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) ab.

Wien (dom). Die Bundesregierung beschloss am Mittwoch die neue Führung der Nationalbank – und sie hielt sich dabei exakt an die Empfehlungen des Generalrates und an die politische Farbenlehre. Ewald Nowotny, Wirtschaftsprofessor und früherer Chef der Bawag, tritt am 1. September die Nachfolge des scheidenden Notenbank-Gouverneurs Klaus Liebscher an.

Nowotny ist der erste Sozialdemokrat und der erste Keynesianer an der Spitze der Notenbank. Seine Bestellung galt bereits seit langem als paktiert, nicht zuletzt deshalb, weil die Sozialdemokraten der Volkspartei bei der Regierungsbildung den Finanzminister überlassen hatten.

Ittner statt Christl

Vizegouverneur bleibt wie erwartet Wolfgang Duchatczek (VP-nahe), auch das Vorstandsmandat von Peter Zöllner (SP-nahe) wurde verlängert. Vierter Mann im Notenbank-Direktorium wird Andreas Ittner (VP-nahe). Er löst Josef Christl, den früheren Sekretär von Finanzminister Karl-Heinz Grasser ab.

Voraussichtlich in ein bis zwei Wochen wird auch der neue Präsident des Generalrates (vergleichbar mit dem Aufsichtsrat einer AG) nominiert. Für dieses Amt steht Böhler-Uddeholm-Chef Claus Raidl (VP-nahe) bereits seit längerem fest. Raidl wird Herbert Schimetschek nachfolgen.

Parteipolitisch passt die neue Notenbank-Führung perfekt ins großkoalitionäre Schema. Zwei Vorstände sind rot, zwei schwarz, dem roten Gouverneur steht ein schwarzer Präsident gegenüber.

Der Generalrat wird die neue Ressort-Verteilung in der Notenbank-Führung fixieren. Das Personal-Ressort fiel bisher in die Zuständigkeit von Liebscher, könnte künftig aber zu Duchatczek wandern. Dass Nowotny, der Österreich künftig auch im EZB-Rat vertreten wird, das Ressort Volkswirtschaft (bisher Christl) übernehmen wird, steht so gut wie fest. Ittner, der seit 1983 in der OeNB arbeitet, leitet seit 1997 die Hauptabteilung Finanzmarktstabilität und Bankenprüfung. Es wäre daher nicht unwahrscheinlich, dass er das Vorstandsressort Bankenaufsicht übernimmt. Seit der Reform der Finanzmarktaufsicht per Jahresanfang ist die Verantwortung der Notenbank für die Aufsicht deutlich größer geworden.

Nowotny wäre zwar sicher gerne Finanzminister geworden, die Bestellung zum Gouverneur ist für den 64-Jährigen dennoch die Krönung seiner Karriere.

Nowotny ist Jahrgang 1944 und studierte Jus. Er war Professor für Wirtschaft an den Universitäten in Linz und Wien. Politisch begann Nowotny seinen Weg im Verband Sozialistischer Studenten. 21 Jahre lang – von 1978 bis 1999 – gehörte er dem Nationalrat an. Zuletzt hatte er dort den Vorsitz im Finanzausschuss inne. Von 1999 bis 2003 war er Vizepräsident der Europäischen Investitionsbank. Danach kehrte er an die Wirtschaftsuniversität zurück, wo er Vizerektor war.

Beste politische Kontakte

Anfang 2006 übernahm Nowotny die Führung der Bawag. Nur wenige Wochen später flogen die Karibikgeschäfte und die damit verbundenen Milliardenverluste auf. Seine guten politischen Kontakte kamen ihm bei der Sanierung der Bank, die nur dank Staatsgarantie überlebte, zugute. Als die Bawag an den US-Fonds Cerberus verkauft wurde, blieb Nowotny noch an Bord – und musste sich beim „Hinauswurf“ kubanischer Kunden heftige Kritik gefallen lassen. Ende 2007 verließ Nowotny die Bawag.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.05.2008)

Lesen Sie mehr zu diesen Themen:


Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.