Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

EU-Wahl zeigte "bemerkenswerten Boulevard-Effekt"

Kronen Zeitung(c) Presse (Bruckberger)
  • Drucken

"Krone", "Österreich" und "heute" haben die EU-kritischsten Leser, wie eine Wahlanalyse zeigt.

Die EU-Wahl bestätigte den großen Einfluss von Boulevardzeitungen in Österreich. Zu diesem kommt eine nun präsentierte Wahlanalyse der Meinungsforscher Fritz Plasser und Franz Sommer.

Profitiert davon haben von diesem "österreichischen Spezifikum" demnach vor allem EU-skeptische Parteien. "Krone", "Österreich" und "heute" haben nämlich die EU-kritischsten Leser - und bei ihnen kam die EU-skeptische FPÖ mit 30 Prozent auf Platz 1, die SPÖ mit 29 auf Platz 2 und erst dahinter die Wahlsiegerin ÖVP mit 23 Prozent. Mit Blick auf das zahlenmäßige Gewicht dieser Leser zeichne sich ein "durchaus bemerkenswerter Boulevard-Effekt auf den Wahlausgang ab", so Plasser und Sommer.

Besonders ausgeprägt war das spezifische Wahlverhalten unter den "Krone"-Lesern. 43 Prozent von ihnen wählten eine EU-kritische Partei: 37 Prozent die FPÖ, sechs Prozent die "sonstigen" Listen (EU-STOP, Europa Anders, REKOS, BZÖ), 32 Prozent die SPÖ, 17 Prozent die ÖVP, fünf Prozent Neos und zwei Prozent die Grünen.

"Presse"/"Standard"-Leser wählten ÖVP und Grüne

Das tatsächliche Wahlergebnis sah ganz anders aus: 27,0 Prozent ÖVP, 24,1 SPÖ, 19,7 FPÖ, 14,5 Grüne, 8,1 Neos und 6,6 Prozent für die vier Sonstigen. Dem kamen die Leser regionaler Tageszeitungen relativ nah - während die "Presse"- und "Standard"-Leser ÖVP und Grüne gemeinsam auf Platz 1 wählten (je 25 Prozent), den Neos zehn Prozent gaben und SPÖ mit 17 sowie FPÖ mit zwölf Prozent bei ihnen wesentlich schlechter abschnitten als im Gesamtergebnis.

In den Vorwahltagsbefragungen von Plasser/Sommer erwiesen sich die "Boulevard"-Leser als die weitaus EU-kritischsten: Jeder zweite "Krone"-Leser ist Euroskeptiker bzw. dezidierter EU-Gegner - während von den Wählern gesamt nur rund ein Drittel EU-kritische Einstellungen zeigte. Regional-Tageszeitungen haben 27 Prozent EU-Skeptiker unter ihren Lesern, "Presse" und "Standard" nur 16 Prozent.

Noch ausgeprägter ist dieses Muster unter den Nichtwählern: Mehr als 60 Prozent der Nichtwähler, die regelmäßig "Krone" lesen, stehen der EU skeptisch bis ablehnend gegenüber - und nur fünf Prozent von ihnen sind von der EU persönlich überzeugt. Es bestehen also "unverkennbar dichte Zusammenhänge zwischen redaktionspolitischer Linie der Boulevardmedien und einer überdurchschnittlichen Euroskepsis" unter den Lesern, konstatierten Plasser und Sommer.

Starke Zusammenhänge fanden sie auch zwischen Einstellung zur EU, Beurteilung der sozialen Verhältnisse und Wahlverhalten. Drei Viertel der EU-skeptischen Wähler haben den Eindruck, dass in Österreich Einkommen und Lebenschancen sehr bis eher ungerecht verteilt sind - von den EU-Befürwortern glaubt dies nur jeder Dritte. Nach Parteipräferenz finden sich die Unzufriedenen vor allem in der FPÖ: Drei Viertel der FPÖ-Wähler erachten die Einkommens- und Lebenschancen als ungerecht - unter den SPÖ-Wählern ist es jeder Zweite. Umgekehrt befanden zwei Drittel der ÖVP- und der Neos-Wähler die Verteilung für gerecht, auch die Mehrheit der Grün-Wähler (58 Prozent) ist dieser Meinung.

(APA)