Erdogan-Besuch: Gratiszeitung "Heute" nicht zugelassen

Tayyip Erdogan
Tayyip Erdogan(c) REUTERS (UMIT BEKTAS)

Einer "Heute"-Redakteurin wurde die Teilnahme an Erdogans Besuch am Donnerstag in Wien verwehrt. Der Journalisten Club (ÖJC) ruft nun dazu auf, die Berichterstattung zum Besuch zu boykottieren.

Anlässlich des Besuchs des türkischen Premiers Tayyip Erdogan versucht der einladende Verein UETD Austria, nur genehme Journalisten zuzulassen. Einer Redakteurin der Gratiszeitung "Heute" wurde die Akkreditierung abgelehnt, wie "Heute" am Mittwoch berichtete.

Schon anlässlich einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz am Freitagabend hatte der UETD versucht, die Berichterstattung der Journalisten über eine "Erklärung" einzuschränken, die hätte unterschrieben werden müssen. Als die anwesenden vier Redakteure dies kollektiv ablehnten, verzichtete UETD-Präsident Abdurrahman Karayazili auf die Maßnahme.

"Erklärung beim Eingang unterschreiben"

In der Einladung zur Pressekonferenz hatte es geheißen "Es dürfen in die Pressekonferenz Journalisten, die nur die Aussagen von Herrn Ing. A. Karayazili zitieren dürfen bzw. nur den gesprochenen Text wiedergeben. Für die Gewährleistung der Richtigkeit und Ernsthaftigkeit unserer Veröffentlichung zum Ablauf des Programms und Aufklärung der Phase bis zur Bekanntgabe unseres Veranstaltungsortes bitten wir alle Journalisten beim Eingang in den Raum diesen Vordruck zu unterschreiben!"

"Heute"-Team nicht bei Veranstaltung

"Heute"-Redakteurin Anna Thalhammer sprach gegenüber der Austria Presse Agentur (APA) davon, dass es schon mehrfach "Zensurversuche und Drohungen" seitens Karayazili gegeben habe. "Er hat auch gesagt, dass er mich vor Gericht zerren wird." Der UETD entscheide gezielt darüber, wer Informationen erhalte und wer nicht. Nun seien weder sie noch Kollegen von der Online-Redaktion für die morgige Veranstaltung akkreditiert worden.

Dass der Österreichische Journalisten Club (ÖJC) aufgrund ihrer Aussperrung dazu aufruft, die Berichterstattung zum Erdogan-Besuch zu boykottieren, bezeichnete Thalhammer als "wichtiges Zeichen". Dadurch zeige sich auch die Unterstützung der Kollegen aus anderen Medien.

Von UETD Austria gab es dazu bis Mittag auf schriftliche und mündliche Anfrage der APA keine Stellungnahme.