Luxusautos wie der Bentley Flying Spur sind nicht nur fein zu fahren, sondern auch eine elegante Art der sozial gerechten Umverteilung.
Sozialneid ist völlig fehl am Platz, wenn es um bestimmte Luxusgüter geht. Es kann gar nichts Besseres passieren, als wenn reiche Menschen Jachten, Nobelautos oder haarsträubend teure Uhren kaufen (anstatt die ganze Marie in Fonds zu parken). Man kann sich zwar fragen, wie man zu so viel Geld kommt. Unbestritten ist aber, dass es auf diese Weise viel Gutes tut. Keines dieser Dinge lässt sich billig in China von ausgebeuteten Lohnsklaven herstellen. Es braucht Spezialisten dazu, gelernte, oft besessene Handwerker, Meister ihres Fachs. Teure Sachen, mögen sie auch zunehmend von Russen und Chinesen gekauft werden, halten in unseren Breiten eine Menge Leute im Job. Eine große deutsche Werft mit über 1000 Mitarbeitern ist zwei Jahre mit einer einzigen Luxusjacht beschäftigt (diese dann freilich über 70 Meter lang, der Meter zu je einer Mio. Dollar, grob gerechnet, dazu 25.000 Euro für jeden Quadratmeter Innenfläche – bei insgesamt 1200 qm).
14 Kuhhäute. Ein anderes Beispiel? Der Bentley Flying Spur. Man kann einen BMW und Mercedes in Fabriken zwischen Deutschland, den USA und China herstellen (was auch geschieht), nicht aber dieses Schlachtross von Luxusauto. Allein für die Fertigung seiner vier Sitze werden im Bentley-Werk im englischen Crewe
26 Arbeitsstunden veranschlagt (in der Zeit läuft in einer großen Autofabrik ein Dutzend fertiger Autos vom Band).
25 Stunden braucht es, um den Innenraum, in dem nicht weniger als 14 komplette Kuhhäute zu feinstem Leder verarbeitet sind, mit kontrastierenden Nähten auszustatten. Zehn Quadratmeter Holzfurnier wandern in jeden Flying Spur; die Tischler brauchen
15 Stunden, um den Innenraum zu schreinern und zu vertäfeln, Sonderwünsche wie Intarsien mit dem eigenen Familienwappen nicht eingerechnet. Man mag sich selbst ausrechnen, wie lange Ingenieure am neuen V8-Motor getüftelt haben, der zeitweise nur vier Zylinder einsetzt, um weniger zu verbrauchen – was die reichen Pinkel an Bord aber keineswegs merken dürfen.
Der Autor reiste auf Einladung von Bentley zu einer Präsentation des Wagens in London.