Schnellauswahl

Netanjahu treibt Keil zwischen Hamas und Abbas

(c) EPA (Maurizio Brambatti)
  • Drucken

Entführungsfall entzweit Palästinenser-Regierung.

Jerusalem. Eine Woche nach dem Verschwinden der drei jungen Israelis im besetzten Westjordanland wächst die Sorge um das Schicksal der Geiseln. Jeder weitere Tag macht es weniger wahrscheinlich, dass die Teenager noch am Leben sind. Trotzdem werde Israel die Suche fortsetzen, „bis die Jungen gefunden werden“, so der Experte Mordechai Kedar von der Bar-Ilan-Universität im Telefonat mit der „Presse“. „Niemand will einen zweiten Gilad Schalit.“ Schalit war über fünf Jahre lang in der Hand der islamistischen Hamas in Gaza.

Die Militäroperation namens „Kommt zurück, Brüder“ gilt längst nicht mehr nur der Fahndung nach den drei Teenagern, sondern einer Schwächung der Hamas. Die rund 300 seit Donnerstag verhafteten Palästinenser, darunter politische Führer, gehören mehrheitlich der Hamas an. Nur wenn die Extremisten „regelmäßig zurechtgestutzt werden, wird es nicht zum zweiten Irak kommen“, meint Kedar. Die Entführungsaffäre belastet zunehmend die Zusammenarbeit zwischen Hamas und der Fatah von Palästinenser-Präsident Abbas. Israels Premier Netanjahu fördert die Spaltung gezielt mit Strafmaßnahmen gegen die Islamisten.

Erst Anfang des Monats hatten sich die beiden palästinensischen Fraktionen auf eine temporäre Regierung der Nationalen Einheit geeinigt. Noch stehen beide Parteien zu dem Schlichtungsabkommen, trotzdem positionierte sich Abbas nun erneut deutlich gegen die Entführung, für die Israel die Hamas verantwortlich macht.

„Wir wollen die Schuldigen finden, denn sie legen es auf unsere Zerstörung an“, meinte Abbas. Hamas-Sprecher Sami Abu-Suhri verglich ihn daraufhin mit dem Sprecher der israelischen Armee.

Vertrauen in die Einheitsregierung der Palästinenser zeigt die EU. In einer gemeinsamen Erklärung mit der Arabischen Liga hat sie die Allianz als „wichtiges Element“ bezeichnet, um die Zweistaatenlösung zu erreichen. (kna)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.06.2014)