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Grüne Mobilität: Der Pendler als Postbote

Der Gründer mit der grünen Weste: Hannes Jagerhofer will es mit Checkrobin noch einmal wissen.(c) Die Presse (Clemens Fabry)
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Durch den wachsenden Onlinehandel und den Wunsch nach grüner Mobilität entstehen spannende Transportlösungen. Hannes Jagerhofer vernetzt mit seinem Start-up Checkrobin Privatpersonen für Botendienste.

Die zündende Idee kam ihm auf einer Tankstelle südlich von Wien. Hannes Jagerhofer, selbst Pendler, sah die vielen Kärntner Kennzeichen und nur eine Person in den Autos und fragte sich, wie viel ungenützter Laderaum wohl jeden Tag auf der Südstrecke von und nach Wien unterwegs ist. „Ich habe mir gedacht, das ist doch ein Wahnsinn, dass wir in einer wirtschaftlich angespannten Situation leben und dann fahren die Leute massenweise mit leeren Autos spazieren“, sagt Jagerhofer in der Ottakringer Firmenzentrale von Checkrobin, dem Start-up, das er vor ziemlich genau einem Jahr gegründet hat, mit der Idee, Privatpersonen zu Kurieren zu machen.

Jagerhofer ist kein Anfänger auf dem Start-up-Terrain. 2005 hat er die Reise-Metasuchmaschine Checkfelix gegründet und sechs Jahre später für einen mehrstelligen Millionenbetrag an den US-Anbieter-Kayak verkauft (der inzwischen von der US-Mutter von Booking.com, Priceline, geschluckt wurde). Bekannt wurde Jagerhofer aber als Eventmanager, der Beachvolleyball an den Wörthersee gebracht und in Österreich massentauglich gemacht hat.


Neustart mit 52. Jetzt wagt der 52-Jährige mit Checkrobin also noch einmal einen Neustart und musste zu Beginn mit einigen Unsicherheiten kämpfen. Immerhin setzt seine Geschäftsidee voraus, dass Privatpersonen nicht nur dazu bereit sind, für einen kleinen Benzinkostenzuschuss Postboten zu spielen, sondern, dass sie ihre Fracht auch verlässlich von A nach B bringen. „Wir haben am Anfang alle möglichen Sorgenszenarien durchgespielt“, erzählt Jagerhofer. „Man hat eine Fahrt zugesagt und es fängt an zu schneien. Oder man fährt weg, ist sowieso schon spät dran, gerät in einen Stau und denkt sich, ich melde mich einfach nicht.“ Dazu kam die Sorge, dass Diebstahl ein Problem sein könnte oder illegale Sendungen wie Drogen. Keines dieser Szenarien sei aber eingetreten – noch keine einzige Ladung sei nicht angekommen. „Die Leute haben eine extrem hohe Eigenverantwortung. Der Augenkontakt macht's“, ist Jagerhofer überzeugt. Weil die Fahrer die Leute persönlich kennen lernen, fühlen sie sich ihnen verpflichtet. „Man will die Menschen nicht enttäuschen, will, dass der Schlüsselbund, die Waschmaschine, auch tatsächlich ankommen.“

Weshalb aber sollen die Leute Checkrobin der Post vorziehen, wenn das Service etwa gleich viel kostet? „Same day delivery“ sei ein wesentlicher Faktor, um das Angebot attraktiv zu machen. Außerdem könne man Ware unverpackt aufgeben, das spare auch Geld und Mühe. Dazu komme der ökologische Touch (reduzierter CO2-Ausstoß) und der Community-Gedanke.

Die wesentliche Zielgruppe, die Jagerhofer als Fahrer gern rekrutieren möchte, sind aber nicht die nachhaltig-grün denkenden Bobos und Lohas. Sondern die vielen Pendler und Berufsfahrer, für die ein Zuschuss von 30 Euro pro Fahrt viel Geld ist. „Das sind 80 Prozent der Bevölkerung“, sagt Jagerhofer. „Man muss nur einmal schauen, welche Mühsal die Leute auf sich nehmen, um ein paar Euro beim Tanken zu sparen. Dafür stellen sie sich stundenlang an.“ Das sei seine Zielgruppe, und die habe er noch nicht ganz erreicht. Derzeit seien die Checkrobin-Fahrer im Schnitt drei- bis viermal im Jahr unterwegs, viele von ihnen seien Studenten.


Geduld als Tugend.
Checkrobin hat rund 11.000 registrierte User und bisher 54.000 Fahrten vermittelt. Das sind in etwa so viele, wie täglich auf der Strecke Wien–Kärnten unterwegs sind.

Wirklich durchgestartet ist das Unternehmen also noch nicht. Das könne man nach einem Jahr auch nicht verlangen, sagt Jagerhofer. Fünf Jahre brauche es seiner Erfahrung nach, bis ein Business richtig brumme. Das sei auch bei Checkfelix so gewesen. „Geduld haben“, sagt Jagerhofer, das sei die wesentliche Erkenntnis, die er aus seinen unternehmerischen Projekten mitgenommen habe. Er hegt keine Zweifel, dass sich das Warten auch diesmal lohnen wird. Denn Checkrobin nascht an einem exponentiell wachsenden Markt mit: dem Onlinehandel. „Same Day Delivery“ ist hier das Zauberwort.


Goldmine Onlinehandel. Einer McKinsey-Studie von April 2014 zufolge wird der Markt für die Zustellung von Waren noch am Tag der Bestellung bis 2020 in Westeuropa drei Mrd. Euro schwer sein. Etwa die Hälfte der Kunden, die online bestellen, ist bereit, für die prompte Lieferung zu zahlen, und zwar bis zu zehn Prozent des Einkaufswertes. Der wahre Business-Beschleuniger liegt für Checkrobin nicht im C-to-C-Geschäft, also wenn etwa die Oma ihrem Enkel den vergessenen Schlüsselbund nachschickt, sondern im B-to-C. Also wenn jemand etwas bei einem Onlinehändler oder auf eBay bestellt und am gleichen Tag noch haben will.

Mit einem Weinhändler aus der Südsteiermark werde bereits über eine Kooperation verhandelt, sagt Jagerhofer. So wird man sich Schritt für Schritt zu den großen Playern vortasten. „Ebay, Elektronikgroßhändler, Flohmarkt-Apps, das alles ist unser Markt“, sagt Jagerhofer. Mit der OMV arbeite man an einem Konzept mit Aufnahme- und Abgabestellen an Tankstellen. Denn wie in der professionellen Logistik sind auch bei privaten Fahrern die erste und die letzte Meile das Problem. Gerade wer sich sowieso jeden Tag ins Auto schwingt, will nicht gern noch extra Wege auf sich nehmen.

Grüne Gründer

Checkrobin vernetzt Pendler mit Leuten, die etwas verschicken wollen. www.checkrobin.com

Pedalpiraten bietet ab Juli einen Fahrradkurierdienst in Lustenau an, Ausdehnung auf das Rheintal ist geplant.www.pedalpiraten.at

Sparsprit offeriert eine Software für Unternehmen, die bei internen Transporten Ressourcen sparen wollen. www.sparsprit.at

Greenstart. Die drei Start-ups wurden von Greenstart, einer Start-up-Initiative des Klima- und Energiefonds, kürzlich ausgezeichnet.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.06.2014)