Mit Argentiniens Präsidentin Cristina Fernández de Kirchner besucht Kanzler Alfred Gusenbauer dieser Tage eine richtige „Power-Latina“.
Auf ihr Äußeres legt sie schon viel Wert: Als Cristina Fernández de Kirchner als Senatorin von Buenos Aires 2007 ums Präsidentenamt focht, ließ sie sich per Helikopter herumfliegen. Der Pilot musste den Rotor stets abstellen, bevor sie ausstieg: Sie hasst nämlich wenig mehr als eine zerzauste Frisur.
Sicher stellt die 55-Jährige spanisch-deutscher Herkunft, die ihren Mann Néstor Kirchner in den 70ern an der Uni La Plata traf, den klassischen Typ der gepflegten Power-Latina dar. Und als solche zeigt die Dame (sie lebte mit ihrem Mann lange in der fast menschenleeren Südprovinz Santa Cruz, als er dort 1991 bis 2003 Gouverneur war) mehr als nur Zahnpasta-Lächeln: Fernández, die 2007 ihrem Néstor auch als Staatsoberhaupt folgte, kann nämlich auch rhetorisch kraftvoll zubeißen: Ihre Art, mit wilden Blicken und geballter Faust funkensprühende Reden zu halten, ist so berühmt wie bei ihren Gegnern gefürchtet, ja verhasst.
Im Wahlkampf polarisierte sie – schon weil viele eine „Dynastie Kirchner“ ablehnten. Ihr Sieg war aber eindeutig, und vor allem Arbeitern und Bauern zu verdanken. Mit letzteren hat sie es sich freilich zuletzt verscherzt, als sie die Zölle für Agrarexporte erhöhte, und die Anhebung der Tarife im öffentlichen Verkehr machte auch keine Argentinier glücklich.
Aber Fernández de Kirchner selbst hat ja nun den Präsidenten-Helikopter. wg
ZUR PERSON
Name: Cristina Fernández de Kirchner
Geboren am: 19. Februar 1953 in Ringuelet, La Plata, Provinz Buenos Aires
Familie: Verheiratet mit Néstor Kirchner, zwei Kinder (Máximo und Florencia).
Karriere: Anwältin, Provinzabgeordnete, Senatorin, seit Ende 2007 Präsidentin der Republik Argentinien. [Presidencia de la Nación Argentina]
("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.05.2008)