Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Georg Springer hat ein fragwürdiges Verständnis von Verantwortung

(c) APA/HANS KLAUS TECHT (HANS KLAUS TECHT)
  • Drucken
  • Kommentieren

Kulturminister Josef Ostermayer badet womöglich Versäumnisse seiner Vorgängerin aus. Dennoch schuldet er uns Antworten auf einige Fragen.

Im November 2013 entließ Matthias Hartmann die ehemalige kaufmännische Geschäftsführerin des Burgtheaters, Silvia Stantejsky. Wider Willen habe er diesen Schritt auf Weisung von Georg Springer, dem Geschäftsführer der Bundestheater Holding, setzen müssen, betonte Hartmann Anfang 2014, als die Sache bekannt wurde. Da stieg das Burg-Ensemble auf die Barrikaden. Es wollte nicht hinnehmen, dass man jene Frau, die sich über 30 Jahre für das Haus aufgeopfert hatte, stets gefällig und hilfsbereit gewesen war und auch von Springer und Hartmann als „Seele des Hauses“ bezeichnet wurde, ratzfatz vor die Tür des Theaters gesetzt wurde. Von diversen „Unregelmäßigkeiten in der Buchführung“, die Hartmann und Springer anfänglich als Grund für die abrupte Trennung nannten, hätten die beiden nämlich genauso gewusst, sagten die Schauspieler. Stantejsky, das Bauernopfer! So begann die Burgtheater-Causa im Jänner 2014.

Mittlerweile wissen wir, obwohl wir längst nicht alles wissen: Die buchhalterischen „Irregularitäten“ sind ein schlapper Hilfsausdruck dafür, was an dem Theater tatsächlich passiert ist. Diverse Gelddepots gab es da und dort im Haus, gefälschte und nicht zuordenbare Belege, Barauszahlungen ohne rechtliche Grundlage und Geldtransfers zwischen Privat- und Burg-Konten auch. Bis 2013 wurden mit dem Sanktus der Wirtschaftsprüfer Produktionen über Jahre hindurch abgeschrieben. Eine Methodik, wie sie in keinem größeren Sprechtheater im deutschen Sprachraum Usus ist. Zum Drüberstreuen stehen dem Theater auch noch Steuernachzahlungen in Millionenhöhe ins Haus, denn auch mit dem Obolus an die Finanz nahm man es all die Jahre nicht so ernst.

Und von all diesen Machloikes will niemand außer Stantejsky etwas gewusst haben? Matthias Hartmann wies und weist noch immer jede Verantwortung von sich. Er wurde am 11. März 2014 entlassen. Anders verhielt sich Georg Springer. Medial deutlich besser beraten als der Ex-Burg-Chef bekannte er schon Ende Februar: „Ja, ich bin dafür mitverantwortlich.“ So ein Eingeständnis kommt offenbar auch bei Kulturminister Ostermayer gut an, wenngleich es sich dabei um nichts anderes als ein Lippenbekenntnis gehandelt hat. Springer legte nach der Entlassung Hartmanns den Aufsichtsratsvorsitz im Burgtheater zurück. Doch dieser Akt war wahrlich kein Ausdruck von Verantwortung. Ein anderer Schritt wäre erforderlich gewesen: Springer hätte umgehend seinen Chefsessel in der Bundestheater-Holding räumen müssen. Dazu war er aber nicht bereit. Aus seiner Sicht verständlich. Denn es geht nicht nur um ein sattes Salär, sondern vor allem um Macht und Einfluss. Springer vertritt als Geschäftsführer der Holding den einzigen Gesellschafter der Burg, den Bund. Er hält in dieser Position alle Schaltknüppel in Händen. Er hat das letzte Wort und kann im Ernstfall sogar gegen den Willen des Aufsichtsrats entscheiden. So viel zu Springer und seinem Verständnis von Verantwortung.

Und wie verhält sich der Kulturminister? Während sich Ostermayer bei Hartmann als Mann der Tat erwiesen hat, zeigt er sich, wenn es um Springer geht, bisher erstaunlich zurückhaltend. Er beruft sich sowohl in seinem Tun als auch in seinem Unterlassen in der Causa auf das Rechtsgutachten, das er bereits im März in Auftrag gegeben hat. Gerade dieses Gutachten aber – von dem Ostermayer nie wollte, das es publik wird – geht auch mit Springer hart ins Gericht („Die Presse“ berichtete). Von besagter Expertise gibt es übrigens zwei Fassungen, die sich inhaltlich voneinander unterscheiden. Eine datiert mit April, die Endfassung mit 30. Mai 2014. Der Vergleich der Schriftstücke zeigt, dass Ostermayer in Sachen Springer womöglich die Versäumnisse seiner Vorgänger ausbaden muss. Denn in der April-Fassung steht, dass die Holding ein allfälliges Auflösungsrecht des Geschäftsführervertrages (Springers) bereits verwirkt hat, sofern nicht noch neue Tatbestände dazukommen. Starker Tobak. Wer hat bitte von vermeintlichen Vertrauensunwürdigkeiten Springers gewusst, ja sie womöglich geduldet? Antworten darauf kann sich die Öffentlichkeit erwarten. Auch auf die Frage, weshalb diese Passage in der Letztfassung fehlt. Stattdessen wartet Ostermayer auf den Endbericht des Rechnungshofes. Der Steuerzahler braucht immer den längsten Atem.

E-Mails an:judith.hecht@diepresse.com

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.06.2014)