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Causa Burgtheater: Georg Springer nimmt seinen Hut

„Aus freien Stücken“ sei er ab Juli im Ruhestand, sagt Georg Springer.(c) APA/HERBERT NEUBAUER (HERBERT NEUBAUER)
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Am Montag erklärte Georg Springer, der Chef der Bundestheater-Holding, dass er mit Ende Juni zurücktritt. Kulturminister Ostermayer respektiert seinen Entschluss.

Georg Springer, der Chef der Bundestheater-Holding, zu der Burgtheater, Volksoper und Staatsoper gehören, erklärte am Montag in einer Aussendung seinen Rücktritt. Er habe sich zu dem Schritt entschlossen, „um eine Versachlichung der Diskussion um die Bundestheater-Holding zu ermöglichen“. Mit Ende der Spielzeit, also mit 30. Juni 2014, wird er seine Funktion zurücklegen. Sein Stellvertreter Othmar Stoss wird seine Funktion vorübergehend übernehmen. Kulturminister Josef Ostermayer reagierte auf Springers Erklärung prompt: „Ich respektiere den persönlichen Entschluss von Dr. Georg Springer, die Funktion des Geschäftsführers der Bundestheater-Holding vorzeitig zurückzulegen“, sagte er. Die Entscheidung sei ein großer Schritt von Springer.

Kein überraschender Schritt

Der kommt allerdings für Beobachter nicht allzu überraschend. Springers Entschluss fiel schon Mitte letzter Woche nach langen Gesprächen mit seinen engsten Beratern. Am Freitag informierte er Ostermayer von seiner Entscheidung, auf die schon viele Monate lang gewartet hatten.

Nachdem Silvia Stantejsky, die ehemalige kaufmännische Geschäftsführerin des Burgtheaters, wegen „Unregelmäßigkeiten in der Buchführung“ im November 2013 entlassen worden war, offenbarte sich in atemberaubender Geschwindigkeit, welch fragwürdige Praktiken in dem Theater offenbar schon jahrelang üblich gewesen waren. Barauszahlungen ohne vertragliche Grundlage, gefälschte Belege und Gelddepots für verschiedene Mitarbeiter gehörten zum Alltag. Dass man über Jahre hindurch verabsäumt hatte, Steuern in Millionenhöhe an den Fiskus zu zahlen, kam ebenfalls ans Tageslicht.

Das Problem bei dem ganzen Debakel: Weder der damalige Burgtheater-Direktor Matthias Hartmann noch die Aufsichtsräte, aber auch nicht Georg Springer, der seit der Ausgliederung 1999 Aufsichtsratsvorsitzender der Burg ist, wollte dafür Verantwortung übernehmen.

Als jedoch Ende Februar 2014 bekannt wurde, dass auch Hartmann Stantejsky schon vor seinem Amtsantritt 2009 ein Honorar in Verwahrung gegeben, gleichzeitig verabsäumt hatte, dieses zu versteuern, waren dessen Tage an der Burg gezählt. Ostermayer enthob Hartmann am 11. März 2014 seines Amtes. Er berief sich dabei auf ein Rechtsgutachten, das zu unverzüglichen Konsequenzen für Hartmann riet, dieselben für Springer jedoch verneinte. Als Zeichen, dass auch er bereit sei, Verantwortung zu übernehmen, legte Springer den Aufsichtsratsvorsitz in den Töchtern der Holding (Burg, Volksoper, Staatsoper) zurück. Geschäftsführer der Holding wollte er jedoch unbedingt bleiben. Sein Vertrag sollte nur mehr bis Ende 2014 laufen.

Ostermayer ging auf Distanz

Dass Springer sich nicht damals schon zum Rückzug entschied, überrascht im Nachhinein. Der Rechnungshof stellt in seinem Rohbericht der Bundestheater-Holding und ihrem Chef nämlich miserable Noten aus. Springer kannte den Bericht schon seit Jänner 2013. In einer Stellungnahme Anfang April versuchte er, die darin geäußerten Vorwürfe zu entkräften. Doch ganz scheint es ihm nicht gelungen zu sein. Der Kulturminister ging in den letzten Wochen zu Springer merkbar auf Distanz. In der ORF-„Pressestunde“ am 1. 6. 2014 erklärte er, dass „derzeit“ keine Gründe vorlägen, sich von Springer zu trennen. Vergangene Woche hieß es aus dem Pressebüro des Ministers, man warte den Endbericht des Rechnungshofes ab und würde „sich alle weiteren Schritte ausdrücklich vorbehalten“. Ostermayer muss nun nicht mehr warten. Springer hat jetzt selbst seinen Hut genommen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.06.2014)