Beißattacke: Neun Spiele und vier Monate Sperre für Suárez

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Die Fifa verhängte über Luis Suárez eine drakonische Sperre wegen Tätlichkeit und unsportlichen Verhaltens. Sein WM-Aus ist besiegelt, zudem muss Liverpool bis Ende Oktober in allen Bewerbsspielen auf den Stürmer verzichten.

Rio de Janeiro/Wien. Spott und Häme hat Luis Suárez mit seinem Biss in die Schulter von Giorgio Chiellini zu Genüge geerntet. Doch die einzige Reaktion, die für Uruguays Stürmer von Relevanz ist, kam Donnerstagnachmittag von der Fifa: Sperre für neun Länderspiele sowie über vier Monate für alle fußballbezogenen Aktivitäten. Dazu eine Geldstrafe in Höhe von 100.000 Schweizer Franken (82.000 Euro), so lautete das Urteil der Disziplinarkommission, die Suárez der Tätlichkeit und des unsportlichen Verhaltens schuldig sprach. „Derartiges Verhalten darf auf dem Fußballfeld nicht toleriert werden, vor allem nicht bei einer WM, wenn Millionen Menschen zuschauen“, begründete der Fifa-Vorsitzende Claudio Sulser.

Die WM ist für den Stürmerstar somit noch vor Uruguays Achtelfinale gegen Kolumbien am Samstag vorbei. Der Verband kann zwar noch Protest einlegen, doch die Sperre trat mit sofortiger Wirkung in Kraft – und der 27-Jährige darf das Spiel auch nicht im Stadion verfolgen . . .

In der Premier League muss Liverpool bis Ende Oktober, also an neun Spieltagen sowie in drei Champions-League-Partien, auf Suárez verzichten. Der Stürmer, der in der Vergangenheit Sperren für zwei ähnliche Beißattacken sowie rassistische Äußerungen ausgefasst hat, wird somit in fünf Saisonen 36 Spiele verpassen – ohne eine Rote Karte erhalten zu haben.

Obwohl Suárez für seinen Beißreflex bekannt ist, haben er und sein Anwalt sich im Vorfeld auf eine „ganz normale Spielszene“ festgelegt. Es handle sich vielmehr um eine gezielte Hetzkampagne, lanciert von ausländischen Medien. „All das passiert nur, weil Suárez involviert und Italien ausgeschieden ist“, erklärte Anwalt Alejandro Balbi. Auch Uruguays Verband hat sich hinter seinen Torjäger gestellt und behauptet, dass die auf Fotos klar erkennbaren Zahnabdrücke auf Chiellinis Schulter nachträglich gar mit dem Photoshop-Programm bearbeitet worden seien. Ohnedies sei eine Beurteilung anhand von Bildern keinesfalls praktikabel und hätte weitreichende Konsequenzen.  „Wenn jeder Spieler erlittene Verletzungen herzeigt und die dazugehörige Szene untersucht wird, wird das in Zukunft sehr kompliziert“, befand Verbandspräsident Wilmar Valdez. Die Fifa sah das anders.

Stimmung in Liverpool kippt

Besonders hart trifft das Urteil Suárez' Arbeitgeber Liverpool, der nun ein Viertel der neuen Saison ohne seinen Star auskommen muss. Dabei hat sich der Klub vergangenen April nach dem Biss gegen Branislav Ivanović noch demonstrativ hinter den Uruguayer gestellt. Suárez absolvierte sogar eine Therapie und gab sich geläutert, Trainer Brendan Rodgers lobte die Wandlung des Sorgenkindes und setzte sich im letzten Sommer trotz lukrativer Angebote vehement für dessen Verbleib ein. Suárez dankte ihm das Vertrauen und krönte sich mit 31 Treffern in der abgelaufenen Saison zum Torschützenkönig.

Zu diesem harten Fifa-Urteil will sich Liverpool erst nach dem Studium der Begründung äußern. Doch immer mehr Fans und auch Legenden wie Robbie Fowler haben sich ihre Meinung längst gebildet und plädieren für einen Verkauf. „Er ist ein großartiger Spieler, aber er zieht den Namen des Klubs regelmäßig in den Dreck. Das darf man einfach nicht dulden.“ Suárez' Marktwert dürfte durch seinen WM-Auftritt allerdings nicht sonderlich gestiegen sein.

Luis Suarez, 27, wurde von der Fifa-Disziplinarkommission für seine Beißattacke für neun Länderspiele gesperrt. Er muss 100.000 Schweizer Franken (82.000 €) Strafe zahlen und wurde für vier Monate von allen Fußball-Aktivitäten (inklusive Premier League) gesperrt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.06.2014)

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