Die Hightech-Schmiede verbessert ihre Finanzkraft mit Großaufträgen – neuer Anlauf an die Börse
Wien. Der im Winter 2007 geplante Börsegang ist der weltweiten Finanzkrise zum Opfer gefallen. Aufgeschoben ist aber nicht aufgehoben. „Für uns war das letztlich kein Unglück“, sagt Christian Pegritz, Vorstand von Frequentis. Der Weltmarktführer für Kommunikations- und Informationssystemen in der zivilen und militärischen Flugsicherung, bei Polizei, Feuerwehr und Rettung sowie im Bahn- und Schiffsverkehr konnte nämlich im Vorjahr den Umsatz um 14,8 Prozent auf 132,93 Mio. Euro und den Nettogewinn um 77,3 Prozent auf 5,84 Mio. Euro steigern. „Damit haben wir unsere Position für den Börsegang deutlich verbessert und die Erwartungen der Analysten erfüllt“, so Pegritz. Ein neuer Anlauf sei von der Verbesserung des Börseklimas abhängig. „Wir sind gut vorbereitet.“
Service als Erlösquelle
Für die Ergebnissteigerung gibt es mehrere Gründe: Zum einen bringen langfristige Wartungs- und Service-Pakete zusätzliche Erlöse. Am Freitag wurde ein solcher Wartungsvertrag für das Schweizer Militär in Höhe von gut sieben Mio. Euro unterzeichnet.
Zum anderen hat Frequentis zu den bestehenden 250 Kunden eine Reihe neuer Kunden und damit Großaufträge an Land gezogen. Der wichtigste erfolgte in Brasilien, „weil er uns den lang ersehnten Einstieg in diesen riesigen Markt bringt“. Frequentis hat den Kontrolltower am Flughafen São Paolo mit einem Kommunikationssystem ausgestattet. Eröffnet wird das fünf Mio. Euro schwere Projekt übrigens am Montag von Finanz-Staatssekretär Christoph Matznetter, der Bundeskanzler Alfred Gusenbauer auf seiner Lateinamerika-Reise begleitet. Pegritz erwartet sich für die Frequentis, die schon mit der mexikanischen Flugsicherung im Geschäft ist, Folgeaufträge im Volumen von zumindest 40 Mio. Euro.
Überdies ist die US-Tochter in die schwarzen Zahlen gekommen. Die Niederlassung, in deren Aufbau zehn Mio. Euro gesteckt worden sind, war Voraussetzung für zwei Mega-Aufträge: die Ausstattung der Zentrale der US-Flugsicherung in Herndon sowie die Aufrüstung von Zentren der US-Raumfahrtbehörde Nasa. Die US-Tochter erweise sich angesichts des starken Euro als strategisch guter Griff, meint Pegritz. „Wir können Teile der Produktion in den Dollarraum verlagern, sollte der Euro so hoch bleiben.“
Scotland Yard und Feuerwehr
Für 2008 ist Pegritz trotz drohender Konjunkturabschwächung optimistisch. Die Auftragsbücher seien gut gefüllt – der Auftragseingang ist im Vorjahr um 7,5 Prozent auf 145,52 Mio. Euro gestiegen. Außerdem erweise sich die Verbreiterung der Produktpalette als goldrichtig. Sprach- und Datenvermittlungssysteme werden nicht nur für die Luftfahrt, sondern auch die Schifffahrt und für Bahngesellschaften sowie Organisationen der öffentlichen Sicherheit (Polizei, Rettung, Feuerwehr) maßgeschneidert. Frequentis ist auch Erstlieferant für den Europäischen Luftfahrt- und Raumfahrtkonzern EADS und den französischen Hightech-Konzern Thales. Zusammen mit EADS werden gerade die Leitzentralen der britischen Feuerwehr ausgerüstet. Scotland Yard funkt bereits mit Frequentis-Technologie.
AUF EINEN BLICK
Christian Pegritz, Vorstand von Frequentis, sieht das österreichische Hightech-Unternehmen für einen zweiten Anlauf an die Börse gut gerüstet. Großaufträge wie die Ausstattung des Kontrolltower am Flughafen São Paolo (Brasilien) trugen zu der massiven Ergebnisverbesserung im Jahr 2007 bei. [Frequentis]
("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.05.2008)