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Sarajewo: Fischer und Philharmoniker gedenken 1914

ERSTER WELTKRIEG: BP FISCHER IN BOSNIEN / BP FISCHER, MARGIT FISCHER
APA/HBF/CARINA KARLOVITS
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Zum Jahrestag des folgenschweren Attentats wurde im historischen Rathausgebäude der bosnischen Hauptstadt ein Konzert gespielt.

Historische Versöhnungsgeste in Sarajewo: Zum 100. Jahrestag des kriegsauslösenden Mordes am österreichischen-ungarischen Thronfolger Franz Ferdinand haben die Wiener Philharmoniker am heutigen Samstagabend im historischen Rathaus der bosnischen Hauptstadt ein Gedenkkonzert vor mehreren Staatsoberhäuptern gespielt, darunter Bundespräsident Heinz Fischer.

Im "Alten Rathaus" (Vijecnica), dem Prachtbau der k.u.k. Herrschaft in Bosnien-Herzegowina, erklang dabei auch die alte Kaiserhymne. Unter der Leitung von Franz Welser-Möst spielten die Wiener Philharmoniker auch die Symphonie Nr. 7 (Unvollendete) von Franz Schubert, das Schicksalslied von Johannes Brahms, Drei Orchesterstücke von Alban Berg sowie "La Valse" von Maurice Ravel. Den Beginn markierte die bosnische Hymne, den Abschluss Beethovens Europahymne. Das Konzert vor 330 geladenen Gästen wurde ins Freie übertragen, und über die European Broadcasting Union in rund 30 Staaten, darunter Österreich.

"Plädoyer für Versöhnung"

Philharmoniker-Vorstand Clemens Hellsberg sagte zu Beginn des Konzerts: "Es ist mehr als ein Konzert, das uns in diesem Gebäude zusammenführt, es ist ein leidenschaftliches Plädoyer für die Versöhnung." Mit Blick auf das Habsburger Reich sagte er, dass große Reiche "hinweg gefegt werden", während "wahre Kunst vom Wechsel der Zeiten unberührt" bleibe. Die Kunst könne dabei helfen, die Abgründe der menschlichen Existenz zu überwinden. Voraussetzung sei, auf die Stimme der Kunst zu hören, doch müsse man dabei "leise sein", weil es sich um eine "schwache Stimme" handle. Hellsberg unterstrich auch, dass die Wiener Philharmoniker mit ihrem Konzert an diesem Tag und an diesem Ort insbesondere der Idee eines gemeinsamen Europa "unsere Reverenz erweisen" wollen.

Zusätzlich zum ursprünglich angekündigten Programm spielten die Wiener Philharmoniker auch - wie Welser-Möst sagte - "etwas an echter Wiener Musik", und zwar den Walzer "Friedenspalmen" von Josef Strauss. Besonders beeindruckt hat das Publikum die Interpretation des Stücks "La Valse" von Ravel, eine zum Nachdenken anregende Mischung aus beschwingten Walzerklängen und an Gefechtslärm erinnernden Bass-Tönen. Eindrucksvoll war auch der Kontrast zwischen den lieblichen Klängen von Schuberts "Unvollendeter" und dem folgenden atonalen Stück von Alban Berg, das ebenfalls Assoziationen zum Bombenhagel des Ersten Weltkriegs weckte.

Fischer: "Zeichen für die Zukunft"

Fischer sagte, es sei ihm "wichtig, persönlich an der Gedenkfeier in Sarajewo teilzunehmen". Es sei nämlich "ein hoffnungsvolles Zeichen für die Zukunft", dass des Attentats gemeinsam gedacht werde. Der Einladung nach Sarajevo folgten auch die Präsidenten Kroatiens, Mazedoniens und Montenegros (Ivo Josipovic, Gjorge Ivanov und Filip Vujanovic). Spitzenpolitiker aus Serbien blieben dem Gedenkkonzert jedoch fern, aus Protest gegen eine nach dem Bosnien-Krieg angebrachte serbenfeindliche Inschrift auf dem Rathausgebäude.

Fischer betonte, für ihn stehe bei den Feierlichkeiten das Gemeinsame und das Bekenntnis zum Frieden im Vordergrund. Bereits beim offiziellen österreichischen Gedenkakt zum 100. Jahrestag des Ersten Weltkriegs in der Vorwoche hatte er gesagt, dass aus österreichischer Sicht "die Wunden aus dieser Zeit verheilt" seien und bezeichnete die Beziehungen zu den ehemaligen kriegsführenden Staaten als "ausgezeichnet und vorurteilsfrei". Österreich wolle sich an diesem Gedenktag als "enger Freund und Partner" von Bosnien-Herzegowina präsentieren, unterstrich der Präsident.

 

(APA)