Bastian Schweinsteiger glänzte gegen die USA und hat rechtzeitig vor dem K.-o.-Duell mit Algerien seinen Anspruch auf einen Stammplatz untermauert. Im dritten Duell mit den Nordafrikanern will Deutschland erstmals siegen.
Porto Alegre/Wien. Ganz Deutschland spricht über Bastian Schweinsteiger, nur der Betroffene selbst schweigt eisern. Noch kein öffentliches Wort hat der 29-Jährige bei dieser Weltmeisterschaft von sich gegeben, auch nach seiner starken Leistung im letzten Gruppenspiel gegen die USA blieb der Bayern-Star dieser Linie treu. Über die genauen Gründe lässt sich nur mutmaßen, doch hat der Mittelfeldstratege in der Vergangenheit nicht nur einmal die mangelnde Wertschätzung seitens der Medien kritisiert. In Brasilien folgte dann der nächste Keulenschlag, als er seinen Stammplatz an Sami Khedira verlor – obwohl dieser gerade erst nach einem Kreuzbandriss zurückgekommen war.
„Ich spreche oft mit ihm über taktische Dinge. Er hat Einfluss auf die Mannschaft, auf ihn werden wir nie verzichten können“, wurde Teamchef Joachim Löw nicht müde zu betonen. Gegen Ghana bekam Schweinsteiger dann die Möglichkeit, seine Qualitäten auch auf dem Platz auszuspielen. Gemeinsam mit Miroslav Klose, 36, gab er dem jungen Team in einer schwierigen Phase Ruhe und Ballsicherheit. Er spielte sich in die Startaufstellung gegen die USA.
Auch in dieser Partie war von vermeintlichen Fitnessproblemen rein gar nichts zu bemerken. Mit vollem Einsatz warf sich Schweinsteiger in die Zweikämpfe, forderte den Ball, lenkte und organisierte das Spiel. Mit 751 Pässen verbuchte das DFB-Team dann auch eine neue Bestmarke im Turnier.
Bayern-Block als Trumpf
Während Schweinsteiger also weiter schwieg, wurde der Chef umso deutlicher. „Der Basti hat ein sehr, sehr gutes Spiel gemacht, so lange die Kräfte da waren“, stellte Löw fest. „Wir waren im Mittelfeld wirklich sehr stark.“ Alles deutet also daraufhin, dass sich Schweinsteiger rechtzeitig für die entscheidende Phase seinen Platz in der Mannschaft zurückerobert hat – ganz ohne öffentlichen Aufschrei oder böse Worte, sondern einzig und allein mit Leistung. Die Abstimmung mit Philipp Lahm und Toni Kroos passt jedenfalls, kennt sich das Trio doch bestens von Bayern München. „Natürlich ist das ein Vorteil, weil wir alle in München spielen. Da passen die Mechanismen einfach zusammen“, befand Torhüter Manuel Neuer.
Im Achtelfinale wartet mit Algerien ein unliebsamer Gegner für die Deutschen, wie die Geschichte beweist. Erst zweimal spielten beide Mannschaften gegeneinander, beide Male gingen die Nordafrikaner als Sieger vom Platz; zuletzt bei der WM 1982 in Spanien (2:1). „In der K.-o.-Phase gibt es keine Wunsch- und keine einfachen Gegner“, betonte Löw, dessen Team dennoch vom Sieg überzeugt ist. Neuer sagt: „Wir haben Großes vor. Mit unserem Teamgeist und ein bisschen Glück können wir sehr weit kommen.“
Algerien will Favoriten ärgern
Algerien ist sich in seinem ersten WM-Achtelfinale der Außenseiterrolle bewusst und strebt dennoch nach der Sensation. „Unsere große Stärke ist der Teamgeist, jeder kämpft für den anderen. Damit werden wir Deutschland ärgern“, kündigt jedenfalls der bosnische Trainer Vahid Halilhodžić an. Auch der neue Volksheld Islam Slimani, er ist der Schütze des 1:1-Ausgleichs gegen Russland, will vor dem Favoriten nicht in Ehrfurcht erstarren. „Es wird sehr, sehr schwierig, aber am Ende ist es ein Fußballmatch. In 90 Minuten ist alles möglich.“
("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.06.2014)