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Das ist nichts als eiskalte Enteignung

Auch heuer explodiert die Lohnsteuer. Die arbeitenden Menschen im Land erleiden also wieder (wie schon in den vergangenen vier Jahren) beträchtliche Reallohneinbußen.

Ein unbedarfter Besucher vom Mars würde die diesjährige Steuereinhebungsstatistik ungefähr so interpretieren: Die Österreicher kassieren Gehaltserhöhungen, als gäbe es kein Morgen. Aber sie geben den reichlich sprudelnden Geldsegen nicht aus. Die Lohnsteuereinnahmen sind heuer bis Ende Mai nämlich erneut um 6,3 Prozent (und damit wesentlich stärker als selbst vom Finanzminister veranschlagt) gewachsen. Die Einnahmen aus der Mehrwertsteuer haben aber nur um 1,3 Prozent (also wesentlich weniger als veranschlagt) zugenommen.

Als österreichische Nichtmarsianer wissen wir es natürlich besser: eiskalte Progression! Die Lohnsteuer steigt wie schon in den vergangenen Jahren mehr als doppelt so schnell wie die Bruttolöhne. Die arbeitenden Menschen im Land erleiden also auch heuer (wie schon in den vergangenen vier Jahren) beträchtliche Reallohneinbußen. Weshalb auch der reale Konsum schrumpft (darauf deuten jedenfalls unter der Inflationsrate liegende Mehrwertsteuermehreinnahmen hin).

Lieber Herr Spindelegger, lieber Herr Faymann: Es reicht! Wir wollen das öde Geschwätz von der „Entlastung der Arbeit“ nicht mehr hören, solange in der Praxis das genaue Gegenteil geschieht. Also: Die Steuerstufen gehören indexiert. Und zwar sofort.

Diese kalte Progression ist nichts als eiskalte Enteignung durch einen gefräßigen Staat.

josef.urschitz@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.07.2014)