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Bachmann-Preis: Der erste Tag

AUSTRIA LITERATURE
Der Österreicher Roman Marchel trat als erster Autor vor die Jury. Sein Text erntete viel Lob.(c) APA/EPA/GERT EGGENBERGER (GERT EGGENBERGER)
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Amtsstubenposse, Wutliteratur und Wohlstandsprosa - der erste Tag im Wettlesen um den Bachmann-Preis.

Mit dem Grazer Roman Marchel hat am Donnerstag der erste Tag des Wettlesens um den Bachmann-Preis im Klagenfurter ORF-Theater begonnen. In "Die fröhlichen Pferde von Chauvet" geht es um das Altern, um die Pflege und den Verlust von Angehörigen. Die Jurydiskussion verlief ausgesprochen lebhaft, er erntete fast einstimmiges Lob für seine Erzählung. Arno Dusini, der Marchel vorgeschlagen hatte, sah einen "ganz wunderbaren Text".

Kerstin Preiwuß las anschließend eine Erzählung, in der die Protagonistin Angst vor Hunden hat, sich an ihren Vater erinnert, der in der Nazizeit offenbar Funktionär gewesen war. Sie musste teils heftige Kritik einstecken. Als "aufdringlich" bezeichnete Daniela Strigl Aspekte des Textes. Meike Feßmann, die Preiwuß vorgeschlagen hat, konnte die Kritik naturgemäß nicht teilen.

Den Vormittag beschloss Tobias Sommer mit dem Text "Steuerstrafakte", in dem ein Autor zum Finanzamt zitiert wird, aber nicht weiß, warum. Es ist eine leichte, lockere, auch selbstironische Erzählung, die das Klima in einer solchen Behörde präzis beschreibt. Die Jury konnte Sommer nicht überzeugen: Für Feßmann war es eine "Amtsstubenposse", fast eine Art Kasperltheater. Strigl konnte nicht lachen, Burkhard Spinnen verstand manches nicht.

Gertraud Klemms Romanauszug "Ujjayi" spaltete die Juroren. Die junge Mutter Franziska kommt mit ihrem Schreibaby und ihrem "patscherten" Ehemann nicht zurecht. Da trifft sie eine alte Liebe wieder. Arno Dusini meinte, das Schreiben der Autorin laufe "gegen die Wand", Burkhard Spinnen fühlte sich "unangenehm berührt". Meike Feßmann gefiel die Geschichte, und Hildegard Keller konstatierte ein "glasklares Stück Wutliteratur".

In Olga Flors "Unter Platanen" trifft die Hauptfigur bei einer Tagung in Lissabon eine Liebe aus Studentenzeiten wieder und erinnert sich an die wilde Leidenschaft. Der Text wurde kontrovers debattiert: Es sei "eine alte Geschichte" (Hubert Winkels), die Hauptfigur eine "Existenz auf des Messers Schneide" (Daniela Strigl). Dusini konstatierte gar eine "Wohlstandsprosa".

(APA)