Wie US-Konzerne durch Übernahmen Steuern sparen

US-Konzerne wie Pfizer haben viel Kapital im Ausland gelagert. Es rechnet sich für sie, Firmen in Europa zu kaufen - um dem Fiskus ein Schnippchen schlagen.

Frankfurt. Mit Großübernahmen dem Fiskus ein Schnippchen schlagen: Amerikanische Konzerne der Gesundheits- und Pharmabranche wollen ihre Abgaben an den Fiskus über Milliardenzukäufe in Europa senken.

Ob Pharmariesen wie Pfizer und AbbVie oder der Medizintechnik-Konzern Medtronic: Die Zahl der Unternehmen, die im Zuge von Übernahmen ihren Firmensitz in europäische Länder mit günstigeren Steuersätzen verlagern wollen, hat deutlich zugenommen.

Die Pläne von Pfizer sind zwar erst einmal vom Tisch. Der politische Gegenwind in den USA für solche Vorhaben - im Fachjargon "Inversion" genannt - wird aber schärfer. Politiker und die Obama-Regierung drängen auf Reformen. Den Unternehmen soll es künftig schwerer gemacht werden, die US-Steuerbehörden zu umgehen.

Transaktionen zur Steuerinversion

Neu sind solche Transaktionen nicht: In den vergangenen 30 Jahren haben etwa 50 US-Unternehmen über Fusionen und andere Arrangements ihren Steuersitz in Niedrigsteuerländer verlagert. Die Hälfte geschah seit 2008. Experten gehen davon aus, dass diese Deals auf der Tagesordnung bleiben werden. "Ich glaube, man wird solche Transaktionen zur Steuerinversion weiter erwägen", sagt etwa Gregg Lemkau, zuständig für Fusionen und Akquisitionen bei der US-Investmentbank Goldman Sachs. Vor allem für die Gesundheitsbranche sowie die Industriezweige Telekom, Medien und Technologie sei das relevant.

Einer der Gründe: US-Konzerne haben etliche Milliarden an Gewinnen und Auslandsguthaben angehäuft. Dies ist unter anderem eine Folge der Finanz- und Wirtschaftskrise der Jahre 2008 und 2009. Unternehmen hatten sich danach mit großen Investitionen zurückgehalten, Gewinne wurden lieber einbehalten. Sollten die Konzerne sie nun in die USA zurückführen, würde der US-Fiskus kräftig zuschlagen.

Den bisher größten Vorstoß in diesem Jahr plante Pfizer. Die New Yorker wollten den britisch-schwedischen Pharmarivalen AstraZeneca für 118 Mrd. Dollar (86,4 Mrd. Euro) schlucken. Der Viagra-Hersteller hatte vor, künftig die Unternehmen unter dem Dach einer britischen Holdinggesellschaft zusammenzuführen. Konzernchef Ian Read hätte so erhebliche Steuervorteile nutzen können, auch wenn er das operative Geschäft weiter von New York führen wollte. Doch AstraZeneca lehnte auch ein aufgestocktes Angebot von Pfizer ab. Der US-Konzern kündigte im Mai schließlich an, er wolle kein neues Angebot vorlegen.

Nicht geplatzt sind dagegen die Pläne des US-Medizintechnik-Konzerns Medtronic: Der Herzschrittmacher-Produzent will für 42,9 Mrd. Dollar den in Dublin ansässigen Wettbewerber Covidien übernehmen. Den Firmensitz will Medtronic-Chef Omar Ishrak nach Irland verlagern. Ähnliches plant der US-Pharmariese AbbVie. Er will den britischen Rivalen Shire für 46 Mrd. Dollar übernehmen. Der Firmensitz von AbbVie soll künftig in Großbritannien liegen. Shire will sich allerdings bis jetzt nicht von AbbVie schlucken lasssen.

Steuersitz im Ausland bringt daher erhebliche Vorteile

Ein Blick auf die Steuersätze macht klar, warum Steueraspekte ein wichtiger Aspekt bei Übernahmen geworden sind. Denn in Irland liegt der Satz für Unternehmenssteuern nur bei 12,5 Prozent - einer der niedrigsten Sätze weltweit. Großbritannien verlangt inzwischen 21 Prozent, nachdem 2010 noch ein Steuersatz von 28 Prozent galt. Da können die USA nicht mithalten: Uncle Sam verlangt aktuell rund 35 Prozent, dazu kommen noch lokale Steuern. Ein Steuersitz im Ausland bringt daher erhebliche Vorteile. Insbesondere können dort geparkte Gelder dann zu erheblich besseren Konditionen genutzt werden als mit einem Steuersitz in der Heimat.

Kritische Stimmen gegen solche Pläne zur Steuerinversion nehmen aber inzwischen in den USA zu. Bereits im Mai hatten 14 demokratische Politiker aus dem US-Senat gefordert, solche Transaktionen einzuschränken. Einer ihrer Vorschläge: ein zweijähriges Moratorium und ein höher ausländischer Anteilsbesitz bei Verlagerungen von Firmensitzen. Ähnliche Vorschläge enthält auch der Haushaltsplan 2015 von US-Präsident Barack Obama. Er sieht unter anderem vor, dass bei Firmensitzverlagerungen ins Ausland die neuen Gesellschaften mindestens zu 50 Prozent im ausländischen Besitz sein müssen. Bis jetzt sind nur 20 Prozent gefordert. Analysten gehen allerdings davon aus, dass es der US-Präsident schwer haben wird, sich gegen Widerstände der Republikaner durchzusetzen. Gerade in Steuerfragen liegen die beiden politischen Lager weit auseinander.

(apa/Reuters)

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