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3D-Gemälde: Pop-Art-Ikone Robert Rauschenberg ist tot

(c) AP (Ann Johansson)

Er wurde auf eine Stufe mit Andy Warhol und Roy Lichtenstein gestellt: Robert Rauschenberg ist am Dienstag 82-jährig verstorben. Er überwand die Grenze zwischen Skulptur und Malerei.

Eine ausgestopfte Ziege, ein Autoreifen und ein Tennisball sicherten Robert Rauschenberg einen Platz im Olymp der Pop Art gleich neben Roy Lichtenstein und Andy Warhol: "Monogram" (1959) ist das berühmteste seiner "Combine Paintings" - dreidimensionalen Installationen aus Alltagsobjekten und Farbe, mit denen er die traditionelle Grenze zwischen Malerei und Skulptur einriss. Rauschenberg ist laut "New York Times" (Onlineausgabe) in der Nacht auf heute, Dienstag, 82-jährig gestorben.

In den 50er und 60er Jahren machten Rauschenberg und andere sich daran, der Übermacht und der Ernsthaftigkeit des amerikanischen Abstrakten Expressionismus den Kampf anzusagen: Bezeichnend ist eines von Rauschenbergs frühen Werken, "Erased De Kooning" (1953), in dem er einfach eine Zeichnung seines New Yorker Kollegen Willem de Kooning ausradiert. In seine dreidimensionale Gemälden baute er Zeitungsbilder, Comicstrips und Gegenstände alltäglicher Banalitäten ein. "Keiner hat die überschäumende, ungezügelte Energie von Rauschenbergs Vorstellungskraft", schrieb der Kunsthistoriker Robert Hughes über ihn. "Er liebt die Geräusche, den Abfall und den Geruch der Straße." Rauschenberg experimentierte mit Drucken auf Aluminium, sich bewegende Plexiglasscheiben, Kleidern und anderen Oberflächen.

Texanische "Straßenkötermischung"

Geboren wurde er am 22. Oktober 1925 als texanischer Ölarbeiter-Sohn Milton Ernest Rauschenberg. Sein Großvater väterlicherseits stammte aus Berlin und heiratete später eine Cherokee-Indianerin. Seine Großmutter mütterlicherseits war Schwedin, verheiratet mit einem Holländer. Typisch amerikanische "Straßenkötermischung" nannte das Rauschenberg später mit einem Augenzwinkern.

Rauschenberg begann nach dem Militärdienst ein Studium am progressiven Black Mountain College in North Carolina bei Josef Albers. Dessen Mantra, dass sich eine Farbe immer in den Dienst der anderen stellen solle zum Trotz, konzentrierte er sich zunächst auf monochrome "White Paintings" und "Black Paintings". In North Carolina lernte er auch den Choreographen und Tänzer Merce Cunningham und Musiker John Cage kennen, mit denen er eigene Projekte schuf. Der Durchbruch kam mit dem Umzug nach New York, wo er in der legendären Galerie von Leo Castelli seine erste Einzelausstellung hatte.

Mit "Roci" um die Welt

Seine tief verwurzelte demokratische Grundhaltung manifestierte sich in der Gleichrangigkeit der Bildelemente. Diese Haltung kennzeichnete auch das Aufsehen erregende Projekt "Roci" ("Rauschenberg Overseas Culture Exchange"): Der Künstler bereiste von 1984 bis 1991 zehn Länder, um das jeweils Kulturspezifische bildnerisch zu verarbeiten - im Zusammenarbeit mit den Künstlern vor Ort. "Roci begann mit meinem Entschluss, etwas gegen die Weltkrise zu tun, anstatt mich der Midlife Crisis hinzugeben", sagte er flapsig. Als er mit einer Fülle von Werken wiederkam, sprachen Kritiker begeistert von einer Rauschenberg-Renaissance.

Verheiratet war Rauschenberg nur kurz - mit Susan Weil, die er gleich nach dem Krieg bei einem Studienaufenthalt in Paris kennengelernt hatte. Mit ihr hat er einen Sohn, Christopher, der heute als Fotograf arbeitet. Zu seinen langjährigen Lebensgefährten gehörten Cy Twombly und Jasper Johns, mit dem er jahrelang ein ausschweifendes Leben in Manhattan führte. Bis zuletzt lebte und arbeitete Rauschenberg in seinen Studios in New York und auf Captiva Island, Florida. 1998 widmete ihm das New Yorker Guggenheim Museum ein große Retrospektive mit rund 400 Werken. (Ag.)