Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Bachmann-Preis: Liebesgeschichten ohne Heiratssachen

Die Jury (v.l.): Hubert Winkels, Meike Feßmann, Hildegard E. Keller, Burkhard Spinnen, Moderator Christian Ankowitsch, Daniela Strigl, Juri Steiner und Arno Dusini
Die Jury (v.l.): Hubert Winkels, Meike Feßmann, Hildegard E. Keller, Burkhard Spinnen, Moderator Christian Ankowitsch, Daniela Strigl, Juri Steiner und Arno DusiniAPA/GERT EGGENBERGER
  • Drucken

Katharina Gericke holte sich sehr viel Lob, Tex Rubinowitz sorgte für Heiterkeit. Die Preisverleihung findet am Sonntag statt.

Liebesgeschichte in Berlin, in Wien - Beziehungsgeschichten beherrschten den letzten Tag des Wettlesens um den Ingeborg-Bachmann-Preis im Klagenfurter ORF-Theater. Den Auftakt machte Katharina Gericke, die sehr viel Lob einheimste. Wohlwollende Beurteilungen gab es auch für Tex Rubinowitz. Viel Kritik musste hingegen Georg Petz einstecken.

In Gerickes "Down, down, down" geht es um eine Liebesgeschichte, die von zwei älteren "Beobachtern" eingefädelt wird. Die beiden verkuppeln die Kellnerin ihres Stammcafes mit ihrem Angebeteten, der eigentlich nach einer Opernsängerin schmachtete. Die Sache geht natürlich schief, der Mann verlässt die Kellnerin wieder, übrig bleiben lauter traurige Menschen.

"Blankvers-Herrlichkeit", über deren Anwesenheit beim Wettbewerb sie sich sehr gefreut habe, befand Daniela Strigl. Meike Feßmann sah einen unkonventionellen Text, Hildegard Keller lobte das Balladenartige in diesem "neuartigen und interessanten Text". Juri Steiner war ebenfalls sehr angetan, Arno Dusini lobte den Aufbau, hatte aber doch Einschränkungen. Juryvorsitzender Burkhard Spinnen, der Gericke vorgeschlagen hatte, lobte "seine" Autorin, ihre "romantische Ironie" mit viel Herz.

Tex Rubinowitz, der auf das obligate Autorenporträt verzichtet hatte, las die Erzählung "Wir waren niemals hier". Darin erinnert sich der Ich-Erzähler an eine lang vergangene Beziehung mit einem Mädchen aus Litauen, eine problematische Beziehung mit einem "durch und durch pragmatischen Menschen", wie sie in dem Text bezeichnet wird. Sie leckt an Batterien und lernt Koreanisch, er studiert Kunst.

Hubert Winkels sah einen Text über Abwesenheit mit slapstickartigen Elementen. Dusini ortete einen erfrischenden Effekt, weil das Thema ohne die literarische Bedeutungsschwere verhandelt werde. Für Feßmann besteht der Witz in dem Text in dem "Missverhältnis dieses Paars", abgesehen von den "cartoonistisch gesetzten" Pointen. Keller befand, es sei eine Pointenjagd, an manchen Stellen gebe es aber Nachlässigkeiten. Steiner konstatierte eine "Junggesellenmaschine". Strigl, die Rubinowitz eingeladen hatte, meinte, die Beiläufigkeit mache den Charme des Textes aus, der viel Verzweiflung und Melancholie enthalte. Spinnen stellte fest, der Text sei "so scheußlich gelesen, dass es fast schon wieder gut war".

Den Abschluss machte Georg Petz mit "Millefleurs", noch einer Liebesgeschichte. Diesmal ist es eine Studentenliebe, die in der Normandie spielt. Der Protagonist muss sich allerdings mit einem Jugendfreund seiner Cecile auseinandersetzen, beim Schwimmen kommt es zur gewaltsamen Entladung des Konflikts, doch beide erreichen das Ufer, der Ich-Erzähler bleibt in dieser Auseinandersetzung aber Sieger.

Feßmann äußerte Respekt vor der Größe der Aufgabe, die sich der Autor gestellt habe, er habe sie aber leider nicht bewältigt. Winkels machte der Text Beklemmungen. Steiner befand, das Ornamentale sei in der Erzählung sehr präsent, der Inhalt verschwinde darunter aber ein wenig. Keller, die Petz vorgeschlagen hatte, meinte hingegen, der Autor habe seine Aufgabe überzeugend gelöst. Spinnen konstatierte, dass es "untendrunter" eine Geschichte gebe, die ihn interessiere. Es sei ein toller Entwurf, aber letztlich "stehen die Metaphern doch einander auf den Füßen". Strigl zeigte sich nur mäßig angetan. Dusini bemängelte eine "offensive Poetisierung", ein ungeklärtes Verhältnis zum Sprachlichen.

Damit waren die Lesungen abgeschlossen, die Verleihung der Preise findet am Sonntag um 11 Uhr statt. Wie immer vergibt die Jury vier Preise, dazu kommt der Publikumspreis. Hauptpreis ist der mit 25.000 Euro dotierte Ingeborg-Bachmann-Preis, den im vergangenen Jahr Katja Petrowskaja gewonnen hat.

(APA)