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Gold dürfte noch 20 Jahre in den Osten fließen

Steigende Einkommen begünstigen die anhaltende Goldnachfrage in den Schwellenländern.

Peking/Wien. Der globale Abfluss von Gold aus dem Westen in Richtung Osten wird noch bis zu zwei Jahrzehnte anhalten. Dieser Ansicht ist die China Gold Association. Der Verband verweist zur Begründung auf die steigenden Einkommen, die die Nachfrage nach dem Edelmetall antreiben, sowie auf die im Vergleich zum Westen geringeren Anlageoptionen. China ist bereits jetzt der weltweit größte Konsument des Edelmetalls.

Der Goldverbrauch in China ist im Vorjahr auf das Rekordvolumen von 1176,4 Tonnen gestiegen. Heuer dürfte der Konsum „mehr oder weniger“ auf demselben Niveau liegen, sagt Zhang Bingnan, Vize-Vorsitzender und Generalsekretär der China Gold Association. Bis 2017 dürfte die Nachfrage aber auf mindestens 1350 Tonnen anziehen. Auf China entfielen laut Daten des World Gold Council im Vorjahr etwa 28 Prozent des globalen Konsums.

Die Käufe in China haben sich im Vorjahr beschleunigt, nachdem der Goldpreis 2013 um 28 Prozent eingebrochen ist. Damit löste das Reich der Mitte Indien als größten Käufer des Edelmetalls ab, während die Nachfrage in Europa zurückging. Der Bedarf in China wird in den nächsten vier Jahren um rund 25 Prozent zulegen, da ein größerer Anteil der Bevölkerung vermögender wird.

„In den nächsten zehn bis 20 Jahren wird sich dieser Trend wahrscheinlich nicht ändern, weil es im Westen mehr Gold und im Osten weniger davon gibt“, erklärt Zhang. „Während die Einkommen im Osten zulegen, wird die Nachfrage nach Gold einem ähnlichen Trend folgen und künftig weiter steigen, sofern keine außergewöhnlichen Umstände eintreten.“

 

Goldman sieht fallenden Preis

Am Kassamarkt kostet eine Feinunze Gold rund 1325 Dollar. Seit Jahresbeginn ist der Goldpreis um rund zehn Prozent gestiegen und hat erstmals seit 2011 wieder in zwei aufeinanderfolgenden Quartalen zugelegt.

Der Preisrückgang im vergangenen Jahr war der stärkste Einbruch seit 1981– während die Bestände in börsengehandelten Produkten sanken und Aktien eine Rallye hinlegten. „Es gibt im Osten weniger Investitionsmöglichkeiten als im Westen, und die Vorstellung von Gold als einer Versicherung ist in der östlichen Gesellschaft fest verwurzelt“, sagt Zhang.

Asien stand im Vorjahr hinter 63 Prozent des gesamten Konsums von Goldschmuck, -barren und -münzen. Im Jahr 2010 hatte sich der Anteil nur auf 57 Prozent belaufen.

Die Banken Credit Suisse und Goldman Sachs gehören zu den Banken, die heuer mit einem weiteren Verlustjahr bei dem Edelmetall rechnen. Die Bestände mit in Gold unterlegten börsengehandelten Fonds sind auf den niedrigsten Stand seit 2009 gesunken. Die physische Nachfrage aus China oder Indien werde nicht ausreichen, um weitere Abverkäufe der Goldinvestoren auszugleichen, sobald der geldpolitische Kurs der US-Notenbank zur Straffung der Geldpolitik klarer wird, schrieb Tom Kendall von Credit Suisse. Die Nachfrage aus den wichtigsten Schwellenmärkten sei zwar extrem wichtig, doch die Richtung der US-Geldpolitik und der realen Zinsen blieben bis auf Weiteres von überragender Bedeutung, was die Festlegung des Goldpreises angehe. Nach Auffassung von Goldman gibt es vor dem Hintergrund höherer realer Zinsen „erhebliche Abwärtsrisiken“ bei dem Edelmetall. Die Bank geht davon aus, dass der Goldpreis auf Sicht von zwölf Monaten auf 1050 Dollar je Unze fallen wird. „In gewissen Teilen der Welt ist die Nachfrage ziemlich gering“, sagte Scott Morrison von Metalor Technologies. (Bloomberg)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.07.2014)