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Höhlenforscher muss nicht für Rettungsaktion zahlen

Rund 700 Helfer waren an der Rettung von Johann Westhauser aus der Riesending-Schachhöhle beteiligt.
Rund 700 Helfer waren an der Rettung von Johann Westhauser aus der Riesending-Schachhöhle beteiligt.(c) APA/EPA/BAVARIAN MOUNTAIN RESCUE
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Das bayerische Innenministerium sieht keinen Vorsatz oder grobe Fahrlässigkeit bei dem Unglück in der Riesending-Schachthöhle.

Der deutsche Höhlenforscher Johann Westhauser muss nach seiner spektakulären Rettung aus der Riesending-Schachthöhle die Hubschraubereinsätze der Polizei nicht bezahlen. Für diese Flüge werde keine Rechnung gestellt, bestätigte der Sprecher des bayerischen Innenministeriums, Stefan Frey, am Montag einen Bericht der "Bild"-Zeitung.

Bürger würden nur zu Kasse gebeten, wenn sie den Einsatz vorsätzlich oder grob fahrlässig selbst verursacht hätten. "Hier liegt kein Vorsatz oder keine grobe Fahrlässigkeit vor." Eine Summe nannte Frey nicht. Insgesamt sollen die Kosten für die beispiellose Rettungsaktion in die Millionen gehen. Neben der bayerischen Polizei waren zahlreiche andere Hilfskräfte beteiligt.

In einem Videointerview im Krankenhaus hatte Westhauser Anfang Juli bereits angekündigt, er werde nach seiner vollständigen Genesung wieder Höhlen erforschen: "Ja, das habe ich auf jeden Fall vor", antwortete er auf die entsprechende Frage. "Es interessiert mich fachlich und die Neugier ist einfach da." Zunächst gelte es aber, gesund zu werden.

Rettung mit 700 Helfern

Westhauser war im Juni bei einer Exkursion durch einen Steinschlag in rund 1000 Metern Tiefe am Kopf verletzt worden und wurde in einer beispiellosen Bergungsaktion unter Beteiligung von Höhlenrettern aus fünf Ländern zurück an die Oberfläche gebracht. Die Rettung aus der extrem schwer zugänglichen Riesending-Schachthöhle in der Nähe von Berchtesgaden dauerte insgesamt elf Tage.

Der 52-jährige Forscher aus Baden-Württemberg erlitt bei seinem Unfall ein Schädel-Hirn-Trauma und konnte die Höhle nicht mehr selbstständig verlassen. Er war mit Begleitern unterwegs, von denen einer hinaufstieg und Hilfe rief. Daraufhin rollte eine Bergungsaktion an, die die Verantwortlichen von der bayrischen Bergwacht anschließend als Meilenstein in der alpinen Rettungsgeschichte bezeichneten.

An Westhausers Rettung waren mehr als 700 Helfer beteiligt, darunter 202 spezialisierte ehrenamtliche Höhlenretter aus Deutschland, Österreich, Italien, der Schweiz und Kroatien. Sie betreuten den Verunglückten medizinisch, sicherten die Transportstrecke ab und brachten ihn auf einer Trage in einer sechstägigen Aktion ins Freie. Die Riesending-Schachthöhle ist Deutschlands längste und tiefste Höhle. Sie besteht unter anderem aus sehr engen Gängen, wasserführenden Canyons und über Hunderte Meter abfallenden Schächten.

(APA/dpa/AFP)