Gusenbauer meinte, Abgeordnete würden nach 16 Uhr kaum noch arbeiten. ÖVP-Grillitsch ist empört.
Buenos Aires/WIEN (oli). Alfred Gusenbauer in Buenos Aires, Aufregung in Wien. Fritz Grillitsch, Nationalratsabgeordneter der ÖVP und Bauernbund-Obmann, ist außer sich: „Das ist eine Riesen-Sauerei – ein Bundeskanzler, der sich im Ausland über die heimischen Abgeordneten lustig macht.“
Alfred Gusenbauer dürfte wieder einmal in einen Fettnapf getappt sein. Im argentinischen Kongress hielt der österreichische Kanzler, der sich zurzeit auf Südamerika-Tournee befindet, eine launige Rede. Laut „Kleiner Zeitung“ sagte er dabei wortwörtlich: „Bei uns sind Senatoren nach 16 Uhr kaum noch bei der Arbeit zu treffen.“ Das Gelächter der argentinischen Abgeordneten quittierte Gusenbauer laut Zeitungsbericht mit sichtlichem Amüsement.
Eine Abwertung, eine „Unterhöhlung“ des österreichischen Parlamentarismus sei das, findet Grillitsch im Gespräch mit der „Presse“ und verweist darauf, „dass im U-Ausschuss die Abgeordneten bis spät in die Nacht hinein arbeiten“. Er selbst und viele andere Mandatare seien nahezu täglich am Abend unterwegs, bei Unternehmern, bei Bauern, auf Veranstaltungen.
Kanzler in „Rotwein-Laune“
„Und dann beschimpft uns ein Alfred Gusenbauer in Rotwein-Laune“, ärgert sich Grillitsch und erinnert an den „Gesudere“-Sager: „Das ist anscheinend sein Charakter.“ Wenn der Kanzler die Arbeit seiner eigenen SPÖ-Abgeordneten so sehe, dann sei dies das Problem Gusenbauers und seiner Genossen, aber er, Grillitsch, lasse sich die Arbeit der Parlamentarier nicht pauschal schlecht reden: „Ich fordere eine Entschuldigung!“
Gusenbauer in Brasilien Seite 5
("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.05.2008)