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Baumax startet den Abverkauf

BAUMAX
BAUMAX(c) APA/HERBERT PFARRHOFER (HERBERT PFARRHOFER)
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Die schwer angeschlagene Heimwerkerkette hat mit der französischen Adeo-Gruppe einen Käufer für die defizitäre Tochter in Rumänien gefunden. Zusätzlichen Umsatz soll der neue Webshop bringen.

Wien. Die Bedingungen der 35 Banken, Leasing- und Immobilienfirmen sowie Kreditversicherer für ihr Stillhalteabkommen bis 2016, mit dem sie die schwer angeschlagene Baumarktkette Baumax am Leben halten, sind seit Ende April klar: Rückzug aus den besonders defizitären Märkten in Rumänien, der Türkei, Bulgarien und Kroatien, Optimierung der Kernmärkte Österreich, Tschechien, Ungarn, Slowenien, Slowakei, Eigenbeitrag der Eigentümerfamilie Essl auch durch den Verkauf der Kunstsammlung sowie Hereinnahme eines Investors. Ein wichtiger Schritt ist nun erfolgt: Baumax verkaufte die rumänische Tochter mit 15 Filialen an die französische Adeo-Gruppe.

„Wir sind froh darüber, dass wir für Baumax Rumänien eine sehr gute Lösung gefunden haben, die für alle Beteiligten eine positive Zukunft ermöglicht, insbesondere für die Lieferanten, die sich nach wie vor auf dem rumänischen Markt bewähren können“, ließ Unternehmenschef Michael Hürter per Aussendung mitteilen. Vorbehaltlich der Genehmigung durch das Kartellamt in Rumänien wird die gesamte Tochtergesellschaft mit den Filialen, der IT und der gesamten Einrichtung in Form eines „Share-Deals“ an Adeo übertragen, hieß es weiter. Über den Kaufpreis macht Baumax-Sprecherin Monika Voglgruber auf „Presse“-Anfrage keine Angaben. Nur, dass man „sehr gut“ verkauft habe.

Adeo ist der weltweit drittgrößte und Europas größter Heimwerkerkonzern mit 27 Gesellschaften in zwölf Ländern. 2013 erwirtschaftete das Unternehmen mit 73.500 Mitarbeitern einen Umsatz von 16,3 Mrd. Euro, was einem siebenprozentigen Wachstum entspricht. In Rumänien ist Adeo schon mit der Marke Leroy Merlin vertreten.

Die im Eigentum der Familie Essl stehende Heimwerkerkette Baumax mit 9000 Beschäftigten (davon 4000 in Österreich) ist vor allem durch den Zusammenbruch des Osteuropa-Geschäfts in die Bredouille gekommen. Aber auch in Österreich setzte der harte Wettbewerb auf dem dicht besetzten Markt Baumax schwer zu.

Auf Druck der Banken wurde schon Ende 2012 ein Restrukturierungsplan aufgesetzt. Dieser musste jedoch gleich zweimal nachjustiert werden, weil die Ziele nicht erreicht werden konnten. Im Vorjahr fiel der Umsatz der Baumax-Gruppe um 5,3 Prozent auf 1,13 Mrd. Euro. Der Verlust erhöhte sich von 136 auf 189 Mio. Euro. In der Baumax AG verringerte sich der Umsatz von 515 auf 501,6 Mio. Euro; der Verlust fiel von 222,6 auf 152,7 Mio. Euro. Allerdings haben sich die Abschreibungen mehr als halbiert. Die Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten sind jedoch von 312 auf 390 Mio. Euro gewachsen.

 

Negatives Eigenkapital

Der hohe Bilanzverlust von 338,6 Mio. Euro hat jedoch das Eigenkapital komplett aufgezehrt. Das Unternehmen weist Ende 2013 ein negatives Eigenkapital von 123,6 Mio. Euro aus. Das Überleben von Baumax hängt daher derzeit an einem seidenen Faden – der positiven Fortführungsprognose des Wirtschaftsprüfers Ernst & Young.

Ob das Eigenkapital schon heuer in den grünen Bereich gedreht werden könne, wollte Voglgruber nicht sagen. „Wir gehen aber von einer deutlichen Umsatz- und Ertragsverbesserung aus.“ Hierzulande sei das erste Halbjahr sehr gut gelaufen. Bis Jahresende soll auch die Restrukturierung der restlichen Sorgenkinder Türkei, Kroatien und Bulgarien abgeschlossen sein. Die Bandbreite reiche dabei von der Schließung einzelner Filialen bis zum Komplettausstieg wie in Rumänien.

Parallel dazu soll das Geschäft in den verbleibenden Märkten gestärkt werden. Ein wichtiger Schritt dazu: Spät, aber doch startet nach einer Testphase nächste Woche offiziell der Onlineshop von Baumax. Vorerst müsse die Ware noch abgeholt werden, „ab Herbst stellen wir auch zu“, kündigt Voglgruber an. Der Webshop soll bis Jahresende auch in Tschechien, Ungarn, der Slowakei und in Slowenien zugänglich sein.

Dass das Internet die Umsätze in den Geschäften – so wie in vielen Branchen – kannibalisiert, glaubt man bei Baumax nicht. Der Webshop soll vielmehr zusätzlichen Umsatz bringen. Deshalb sind Filialschließungen in den verbleibenden Kernmärkten auch nicht geplant.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.07.2014)