Hypo: Illustre Interessenten für Balkan-Tochter

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Zu den Bewerbern für die Hypo-Tochter gehören ein "Restebanken-Fetischist" aus Russland und ein Investor, dessen Institut in den Strudel der Bulgarien-Bankenkrise geraten war. Doch keiner will die erhofften 500 Mio. Euro zahlen.

Wien. Während Politiker und Banker noch immer über die Auswirkungen des Hypo-Sondergesetzes streiten, bereitet die Hypo Alpe Adria in aller Stille den Verkauf ihrer Südosteuropa-Tochter vor. Offiziell sagt die Bank dazu nur: „Es gibt eine Reihe von Interessenten.“ Details werden nicht verraten. Spannend ist, ob Finanzminister Michael Spindelegger (ÖVP) dem Verkauf zustimmen wird. Denn der Buchwert der Osteuropa-Tochter liegt bei 500 Millionen Euro.

Laut „Presse“-Informationen ist aber kein einziger Bewerber bereit, so viel zu zahlen. Damit drohen der Hypo erneut größere Wertberichtigungen. Zwar laufen noch Detailverhandlungen, doch ein Preis von mehr als 250 Millionen Euro gilt als unrealistisch. Zudem fordern Interessenten, dass der Bund eine Garantie abgibt. Stellt sich heraus, dass sich die Hypo-Geschäfte am Balkan schlechter entwickeln als erwartet, soll der Kaufpreis nachträglich revidiert werden können.

Tauziehen um Kaufpreis

Finanzminister Spindelegger dürfte aber nicht viel anderes übrig bleiben, als sich mit einem niedrigen Kaufpreis zufriedenzugeben. Bleibt die Hypo-Tochter beim Bund, sind die Staatsschulden noch höher, als ursprünglich geplant. Die Hypo kam zuletzt auf eine Bilanzsumme von 26,2 Milliarden Euro. Davon sollen über 17 Milliarden Euro in die staatliche Abbaugesellschaft ausgegliedert werden. Die restlichen Milliarden entfallen auf das Osteuropa-Geschäft mit Einheiten in Slowenien, Kroatien, Bosnien und Herzegowina, Serbien und Montenegro.

Um diese für den Verkauf herauszuputzen, wurden in den vergangenen Monaten noch faule Kredite in die Abbaugesellschaft transferiert. Es war nicht einfach, Bewerber für das Ostgeschäft zu finden. Denn viele internationale Großbanken winkten ab. Auch österreichische Institute wie Raiffeisen, Bank Austria und Erste Group sind nicht interessiert.

Laut Finanzminister Spindelegger gab es zunächst sieben Bewerber. Mittlerweile sollen es aber nur noch drei sein. Die Finanzagentur Reuters hat herausgefunden, um wen es sich dabei handelt:
•Eine bulgarische Investorengruppe, der auch der Oligarch Zwetan Wassilew angehören soll. Wassilew gehört in Bulgarien eine Bank, die jüngst in den Strudel der dortigen Bankenkrise geraten ist.

Wassilew verfügte lange Zeit über gute Kontakte zur Politik. Bulgarischen Medien zufolge soll er sich aber inzwischen in Wien aufhalten, weil es für ihn in seiner Heimat zu gefährlich geworden ist. Laut „Presse“-Informationen werden dem bulgarischen Konsortium aber geringe Chancen eingeräumt, bei der Balkan-Tochter der Hypo Alpe Adria zum Zug zu kommen.
•Auch die Expobank des russischen Investors Igor Kim soll am Hypo-Ableger interessiert sein. Das Vermögen von Kim, der in Kasachstan geboren wurde, wird auf eine halbe Milliarde US-Dollar geschätzt. Er hat bereits in der Vergangenheit zahlreiche kleinere Institute in Osteuropa aufgekauft.

Das „Handelsblatt“ nennt Kim einen „Restebanken-Fetischisten“. Vor Kurzem erwarb er die Tschechien-Tochter der deutschen Landesbank Baden-Württemberg. Die Deutschen hatten das Tschechien-Geschäft im Jahr 2008 von der österreichischen Bawag übernommen. Ziel der Deutschen war es, nach Mittel- und Südosteuropa zu expandieren. Doch daraus wurde nichts. Die Tschechien-Tochter soll vorübergehend in die Verlustzone gerutscht sein, daher wurde sie an den russischen Investor abgegeben.

Verkauf vermutlich im September

•Beim dritten Bewerber dürfte es sich um den US-Finanzinvestor Advent International handeln. Advent ist einer der größten amerikanischen Private-Equity-Fonds. Die Amerikaner sollen gemeinsam mit der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) ein Konsortium bilden. Die EBRD wurde 1991 gegründet. Ihre Aufgabe ist es, den Ländern in Mittel- und Osteuropa beim Übergang in die Marktwirtschaft zu helfen. Die genannten Bewerber wollten sich zur Hypo nicht äußern.

Stimmt Spindelegger zu, könnte der Verkauf frühestens im August über die Bühne gehen. Realistisch ist aber September oder noch später. Denn die Interessenten wollen die Halbjahresbilanz der Hypo sehen. Diese wird Mitte bis Ende August vorliegen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.07.2014)