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IBM: "Haben Gleichstellung in der DNA"

Teilzeit-Managerin Karin Papadopoulos und IBM-Österreich-Chefin Tatjana Oppitz. [ Fabry ]
Teilzeit-Managerin Karin Papadopoulos und IBM-Österreich-Chefin Tatjana Oppitz.Die Presse (Clemens Fabry)
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Eine Frau Generaldirektor, Mütter mit Teilzeitverträgen als Managerinnen, Frauen-Netzwerke und Förderung von Mädchen: IBM gilt als Vorreiterbetrieb der Gleichstellung.

Wien. Irgendwann, im ersten Jahr als IBM-Österreich-Chefin, so erzählt Tatjana Oppitz, habe sie entnervt gesagt, sie lasse sich jetzt zum Mann umoperieren. So oft kam die Frage, wie es denn sei, als Frau die Niederlassung eines Konzerns zu leiten. Oft wurde sie eingeladen, in die Auslage gestellt, quasi als Exotin gefeiert. Eine Frau Generaldirektor war auch 2011 noch eine Rarität. Heute gilt sie als Vorzeige-Managerin, IBM als Best-Practice-Konzern, wenn es um Gerechtigkeit zwischen den Geschlechtern geht.

Was macht IBM anders als jeder andere Konzern, der sich dieses Thema auf die Fahnen schreibt? „Der große Unterschied ist: Bei IBM wird Frauenförderung seit der Gründung vor 103 Jahren gelebt, IBM-Chef Thomas Watson hat damals Frauen nicht nur als Schreibkräfte eingestellt. Seit 1953 steht der Gleichbehandlungsgrundsatz im Corporate Policy Letter. Wir haben das in unserer DNA."

Bei der Frage, was Frauen brauchen, gehe es heute zunächst oft um die Vereinbarkeit von Beruf und Privatem. IBM versucht etwa, Frauen auch während ihrer Karenz (wenn sie das wollen) einzubinden, damit sie den Anschluss nicht verlieren, Mütter als Managerinnen werden gezielt gefördert. Karin Papadopoulos ist eine dieser Teilzeit-Managerinnen. Sie arbeitet 30 Stunden, zwei Tage zu Hause, drei in der Zentrale. „Die Firma schafft die Basis mit Homeworking, mit flexiblen Arbeitszeiten." Oder mit dem Prinzip, dass Führungspersonen ihre Arbeit so organisieren und delegieren können, dass sie Abteilungen in 30 Wochenstunden gut leiten. „Es geht um Arbeit nach dem Vertrauensprinzip. Wir müssen umdenken und die Leistung, nicht die Anwesenheit bezahlen", sagt Oppitz. Die Technologie sei dabei „die beste Freundin der Frau", schließlich ermöglichen technische Tools, ortsunabhängig zu arbeiten. Im Konzern gibt es eigene Netzwerke für Teilzeitführungskräfte, IBM unterstützt Gruppen wie das AWLF (Austrian Women Leadership Forum) oder WIT (Women in Technology).

In Summe hat IBM Österreich heute einen 30-Prozent-Anteil an Frauen und an weiblichen Führungskräften. „Das ist gut, aber nicht gut genug", sagt Oppitz - und hat das Thema zur Chefsache erklärt. „Ich selbst muss Vorbild sein und das vorleben", sagt sie. Und so wird bei IBM etwa bei Einstellungen oder Beförderungen stets evaluiert, wie der Anteil an Frauen ist und beobachtet, wie sich das Verhältnis in den Abteilungen entwickelt. „Nur, was man beobachtet, kann man steuern." Oppitz will so verhindern, dass Jobs von Männern nach dem Prinzip „Schmidt fördert Schmidtchen" vergeben werden. Aber bei einem Anteil von 30 Prozent Frauen in Führungspositionen beginne Studien zufolge dieses Prinzip ohnehin zu kippen. Dann zeige sich, dass Frauen genauso Frauen fördern. Eine fixe Quote gibt es bei IBM nicht, beim Thema gesetzliche Quoten spricht Oppitz von „zwei Seelen": „Für IBM und unser Prinzip ,best person for the job‘ wäre das kontraproduktiv." Allerdings, „betrachtet man die Erfahrungen in Ländern mit Quoten, frage ich mich, ob man die nicht vielleicht doch braucht, um die kritischen 30 Prozent zu erreichen?"

"Müssen mit Klischees brechen"

Ein ausgewogenes Verhältnis werde in der Männerdomäne IT erst herrschen, wenn mehr Frauen entsprechende Berufe wählten. Um das Interesse dafür bei jungen Mädchen zu fördern, veranstaltet IBM etwa im Sommer mit dem ZIT, der Technologieagentur der Stadt Wien, ein Feriencamp für Mädchen.
Und schließlich gehe es bei Gleichstellung um Gesellschaftspolitik: darum, mit Klischees und Stereotypen zu brechen. Etwa, dass ein guter Manager horrende Überstunden leiste oder mit dem Bild berufstätiger Rabenmütter. „Wir können es uns weder als Konzern noch als Gesellschaft leisten, auf 50 Prozent des Potenzials zu verzichten", sagt sie. Wohl der Grund, dass sie sich öffentlich immer wieder dafür starkmacht. Auch, wenn sie doch hin und wieder einfordern muss, als Managerin nicht bloß zu Frauenthemen befragt zu werden.

Auf einen Blick

Gleichstellung ist bei IBM Österreich Chefinnensache – Tatjana Oppitz hat es sich zur Aufgabe gemacht, Frauen im Konzern gezielt zu fördern: „Wir können es uns weder als Konzern noch als Gesellschaft leisten, auf 50 Prozent des Potenzials zu verzichten. Wir müssen umdenken, wenn es um die Organisation von Arbeitszeit oder von Führungsfunktionen geht. Was zählt, ist Flexibilität. Wir müssen dazu übergehen, die Leistung zu bezahlen, nicht die Anwesenheit im Unternehmen.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.07.2014)