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Strache: "Kinder nicht in Krippen auslagern"

Strache:
Heinz-Christian StracheDie Presse (Fabry)
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Bis zum dritten Lebensjahr sollte ein Kind bei einem Familienmitglied aufwachsen, findet der FPÖ-Obmann. Andernfalls steige die Gefahr für psychische Krankheiten.

Die Presse: Warum mögen junge Frauen die FPÖ nicht? Die EU-Wahl hat wieder gezeigt: Bei jungen Männern ist die FPÖ stark, bei jungen Frauen schwach.

Heinz-Christian Strache: Das ist nicht richtig. Es stimmt, dass wir bei jungen Männern, also Männern generell, viel stärker sind als bei Frauen. Aber inzwischen sind wir auch bei den jungen Frauen die stärkste Partei.


Die Meinungsforscher sagen da aber etwas ganz anderes.

Und unsere Umfragen sagen wieder etwas anderes. Ich bin gegenüber allen Umfragen skeptisch.


Das hält Sie nicht davon ab, daraus zu zitieren, und zwar immer dann, wenn die FPÖ gut liegt.

Ich bin auch gegenüber Umfragen skeptisch, wo wir gut liegen.


Immerhin sind wir uns einig, dass die FPÖ bei Männern besser ankommt als bei Frauen. Wie erklären Sie sich den Unterschied?

Das ist schwierig. Eine Erklärung wäre, dass junge Burschen früher in soziale Konflikte geraten. Wer eher geschützt aufwächst, lernt erst später die Realitäten kennen, was oft das politische Denken verändert.


Jugendliche beginnen sich für die FPÖ zu interessieren, wenn sie quasi aus dem Nest fallen?

Wenn man behütet aufwächst, hat man gewisse Lebenserfahrungen, etwa Opfer von Kriminalität zu sein, noch nicht gemacht.


Glauben Sie, dass es für Wählerinnen auch eine Rolle spielt, dass nur sieben von 40 FPÖ-Nationalräten Frauen sind?

Nein, Frauen wählen nicht Frauen, sondern Menschen, die Politik machen. Wir haben keine Quote, wir wählen demokratisch. Dass es am Ende mehr Männer sind, liegt auch daran, dass die vielleicht egozentrierter sind.


Inwiefern?

Ein Mann, der einen Job und Kinder hat, engagiert sich oft noch zusätzlich in der Politik, während viele Frau nicht bereit sind, ihre Kinder zu vernachlässigen.


Aber die Frau hat oft keine Wahl - im Unterschied zum Mann, der sich darauf verlässt, dass die Frau die Familie schon managt.

Das muss man intern regeln. Aber viele Frauen wollen das einfach so. Das soll man frei entscheiden.


Eine freie Entscheidungen setzt Entscheidungsmöglichkeiten voraus. Wären Sie - wie in Deutschland - für einen Rechtsanspruch auf Kinderbetreuung ab dem ersten Lebensjahr?

Wenn er freiwillig ist, dann ja. Aber grundsätzlich bin ich dagegen, dass Kinder quasi ab der Geburt in Krippen ausgelagert werden. Wenn Kinder nicht die ersten drei Lebensjahre zu Hause sind, bringt das entwicklungspsychologische Defizite mit sich. Es ist kein Zufall, dass psychische Krankheiten, Egoismus und Gewalttätigkeit in unserer Gesellschaft immer stärker zunehmen.


Psychische Krankheiten nehmen zu, weil Kinder bis zum dritten Lebensjahr nicht bei einem Familienmitglied aufwachsen?

Ja. Das sagen auch wissenschaftliche Studien. Natürlich gibt es Menschen, die keine andere Wahl haben. Alleinerzieherinnen zum Beispiel. Daher ist eine gute Kinderbetreuung schon wichtig. All das sind Fragen, die viel wichtiger sind als das Binnen-I oder das Herumdoktern am Text der Bundeshymne.


Was ist so schlimm an den Töchtern in der Hymne?

Es regt viele Frauen auf, weil sie zu Recht fragen: Wollt' ihr uns papierln? Wir haben echte Probleme und ihr macht Pseudogeschichten.


Aber die Benachteiligung der Frauen wird nicht abgestellt, wenn man die Töchter wieder aus der Bundeshymne streicht.

Die Änderung des Textes haben Rot, Schwarz, Grün gegen 90 Prozent der Bevölkerung beschlossen. Das war Zwangsbeglückung.


Wie kommen Sie auf 90 Prozent?

Da gab es Abstimmungen in Foren und Umfragen. Die kann man natürlich auch kritisch betrachten.


Reden wir über eine andere Zahl, die wir auch nicht genau kennen: Wissen Sie eigentlich, wie viele vollverschleierte Frauen es in Österreich gibt? Die FPÖ wollte ja diese Woche ein „Burkaverbot" durchsetzen.

Wenn wir jetzt auf den Stephansplatz gehen, werden wir zehn sehen. Wenn wir schon von Gleichberechtigung reden, sollten wir auch die religiös begründete Unterdrückung der Frau nicht zulassen.


Wann beginnt bei Ihnen Unterdrückung? Würden Sie auch den Tschador verbieten, bei dem das Gesicht frei bleibt?

Es gibt in Österreich ein Vermummungsverbot, um es überspitzt zu formulieren.


Kein generelles. Und wenn das Gesicht frei bleibt, ist das keine Vermummung.

Doch, das ist eine Ganzkörpervermummung, und die schränkt Frauen ein. Wir müssen Selbstbestimmung schützen. Und eine selbstbestimmte Frau kann unterschiedliche Modeartikel tragen, um ihren Körper abzudecken. Dazu braucht sie keinen Ganzkörperschleier.


Sie sprechen von Selbstbestimmung. Manche Frauen werden sich wohl auch freiwillig verhüllen. Was ist mit denen?

Wenn ein Kind von klein auf in ein Schema gepresst wurde, glauben Sie, dass es Ihnen dann mit 16 Jahren antworten wird: Nein, ich trage das nicht freiwillig?


Das heißt, diese Frauen haben gar keinen freien Willen.

Ich glaube tatsächlich, dass Frauen in manchen Bereichen der freie Wille nicht gelassen wird. Wir müssen Gesetze erlassen, damit solche Entwicklungen nicht Platz greifen.


Der Tschador ist optisch nicht weit weg vom Schleier der katholischen Nonne. Wollen Sie den auch verbieten?

Bei einem gläubigen Imam und bei einem gläubigen Priester wird nichts vorgeschrieben. Und bei einer gläubigen islamischen Nonne auch nicht. Aber die gibt es nicht.


Die FPÖ verbreitet ihre Argumente derzeit auf Facebook mit dem Bild einer jungen, blonden Frau. Daneben steht der Slogan: „Zu schön für einen Schleier." Die rechtsextremen Identitären werben exakt genauso. Wer hat da von wem abgekupfert?

Wenn, dann die von uns. Der Manfred Haimbuchner in Oberösterreich hat dieses Sujet als Erster verwendet und auf seine Facebook-Seite gestellt. Von dort hat es dann seine Verbreitung gefunden.


Sie wollen 2015 Wiener Bürgermeister werden. Voriges Jahr wollten Sie noch Kanzler werden. Es würde uns nicht wundern, wenn Sie 2016 auch zur Bundespräsidentenwahl antreten.

Zuerst will ich Bürgermeister werden, der erste freiheitliche seit Cajetan Felder (1868 bis 1878, Anm.).


Sie wären lieber Bürgermeister von Wien als Bundeskanzler?

Das ist richtig.


Und wie ist das nun 2016 mit der Bundespräsidentenwahl?

Da kandidiere ich sicher nicht.


Wissen Sie schon, ob die FPÖ einen anderen Kandidaten aufstellen wird?

Das wäre durchaus sinnvoll. Unser Nationalratspräsident Norbert Hofer wäre ein geeigneter Kandidat.

Zur Person

Heinz-Christian Strache ist seit 2005 Bundesparteiobmann der FPÖ und seit 2006 Klubchef im Nationalrat. Nächstes Jahr – ob im Herbst oder doch schon im Frühjahr – wird er die Wiener FPÖ erneut als Spitzenkandidat in die Gemeinderatswahl führen. Parteichef in Wien ist der 45-Jährige schon seit 2004. Strache ist geschieden und Vater von zwei Kindern.