Nach 1986 und 1990 stehen sich Deutschland und Argentinien zum dritten Mal in WM-Finale gegenüber, vor dem Anpfiff lautet der Spielstand 1:1.
Für einen wie Franz Beckenbauer ist das Finale eigentlich schon gelaufen, für ihn ist die Sache völlig klar – „Deutschland gewinnt mit 2:0“. Der „Kaiser“ hat da keine Zweifel, er kann sich auf die Erfahrung vom Finale 1990 in Rom stützen. Ein übrigens schwaches Endspiel, das auch nur ein Elfmetertor von Andreas Brehme gesehen hat. Diego Maradona hingegen glaubt freilich an seine Landsleute. Für das argentinische Fußballidol Maradona hat im WM-Finale ein Superstar wie Lionel Messi mehr Wert als etwa die deutsche Teamleistung. „Wer den Besten auf dem Spielfeld hat, und das sind wir, wird die Partie gewinnen!“ Zugleich bestritt Maradona, dass es eine Rivalität zwischen ihm und dem Barcelona-Superstar gebe. „Wenn Messi den Pokal in die Höhe stemmen und damit Maradona übertreffen will, rolle ich für ihn den roten Teppich aus.“
Deutschlands Teamchef, Joachim Löw, hat eine Taktik geschmiedet, wie man Messi neutralisieren kann, Argentinien ist allerdings von der Nummer 10 weniger abhängig als etwa Brasilien von Neymar.
Der Kolumbianer ist mit seinen sechs Treffern das Gesicht dieser WM. Außer Experten und Monaco-Fans kannte den Kolumbianer in Europa kaum jemand. Dank seiner sechs Treffer ist der 22-Jährige heiß begehrt. Für die Monegassen ein Jackpot – Marktwert: 50 Millionen Euro aufwärts. (c) APA/EPA/PAOLO AGUILAR (PAOLO AGUILAR)
Uruguays Stürmer schoss England im Alleingang ab und wurde gefeiert. Dann biss er dem Italiener Chiellini in die Schulter – die Fotos der Bissspuren gingen um die Welt. Er erntete dafür Spott im Internet, Sponsoren sprangen ab. Die Fifa musste reagieren, der Übeltäter wurde gleich für vier Monate gesperrt. Er polarisiert, wird in der Heimat geliebt – und seit Freitag als Neuzugang in Barcelona gefeiert. (c) APA/EPA/EMILIO LAVANDEIRA JR (EMILIO LAVANDEIRA JR)
Dieses Halbfinalspiel ist unvergesslich. Deutschland „zerlegte“ die Seleção nach Belieben. Müller, Klose, Kroos (2), Khedira und Schürrle (2) sorgten für ein Ergebnis, das den Weltfußball bewegte – und Brasilien in Trauer stieß. (c) REUTERS (DAVID GRAY)
Auch der nächste Weltmeister kommt unter Garantie nicht aus Afrika. Algerien (stark gegen Deutschland) und Nigeria kamen zwar ins Achtelfinale, ansonst gab es erneut nur die üblichen Negativ-Klischees mit Boykott, Prämienstreit, Korruptionsverdacht. (c) APA/EPA/JEON HEON-KYUN (JEON HEON-KYUN)
Er sollte Brasilien retten und bei der Heim-WM zum sechsten Titel führen. Der 22-Jährige hielt dem enormen Druck stand, schoss vier Tore – wurde aber bei seiner Mission jäh durch ein Brutal-Foul des Kolumbianers Zuniga gestoppt. Bruch des Lendenwirbels, eine Nation weint mit ihm. Er ist der tragische Held dieser WM. Er sagt: „Wenn er mich zwei Zentimeter weiter in der Mitte getroffen hätte, dann könnte ich heute im Rollstuhl sitzen.“ (c) APA/EPA/DENNIS SABANGAN (DENNIS SABANGAN)
Ständig Gezeter, Geschrei und Geheule. Und dann das 1:7-Desaster gegen Deutschland. Die Abwehr rund um David Luiz war eine Gemeinheit. Rekordchampion Brasilien fand bei der Heim-WM letztlich nie richtig ins Turnier und ist mit Platz vier der große WM-Verlierer. (c) REUTERS (LEONHARD FOEGER)
Der 36-Jährige avancierte in Brasilien zum besten WM-Torschützen der Geschichte. Klose hält vor dem Finale bei 16 Toren und ließ den Brasilianer Ronaldo (15) hinter sich. (c) REUTERS (EDDIE KEOGH)
Foul-Festival, Treter-WM und Abseits-Nachschulung: Die Unparteiischen zerstörten viele WM-Spiele durch das Dulden harter Fouls (es gab nach 62 Spielen nur 7 Rote Karten) und dem Aberkennen regulärer Tore. Das Foul an Neymar wurde übersehen, auch der Biss von Suárez. Ellbogenchecks passierten oft, auch Schwalben hatten Hochsaison. (c) REUTERS (BRIAN SNYDER)
Das schaffte noch kein anderes Team bei einer WM: Drei Ex-Weltmeister in der Gruppe, und alle gedemütigt. „Los Ticos“ gingen erst im Elfmeter-Krimi im Viertelfinale gegen Oranje in die Knie. (c) REUTERS (RUBEN SPRICH)
Als Titelverteidiger nur noch eine Enttäuschung, „Tiki Taka“ hat sich überlebt. Oldies wie Xavi oder Iniesta schienen zu müde, Torhüter Casillas war beim 1:5 gegen die Niederlande nur noch zu bemitleiden. Immerhin ein Sieg gegen Australien, aber als fünfter Titelverteidiger schon nach der Vorrunde ausgeschieden. (c) REUTERS (MARCOS BRINDICCI)
Die Fans sorgten bei der WM in Brasilien für farbenfrohe, zumeist gewaltfreie Stimmung. Auch für manch Taschendieb waren sie die besten Gäste, ihre Freudenfeiern auf den Prachtstraßen von São Paulo oder an der Copacabana waren ein Muss. (c) REUTERS (ERIC GAILLARD)
Null Siege, kein Team in der K. o.-Runde. Asien ist der Verlierer-Kontinent der WM. Wer geglaubt hätte, Klima und Spielstil würden Japan oder Südkorea entgegenkommen, der irrte vollkommen. Und, es mangelte in beiden Teams gehörig an Routine, Spielwitz und Robustheit. (c) REUTERS (IVAN ALVARADO)
Kein Gestocher, kein Ballhalten – die Rückkehr des Offensivfußballs wurde zelebriert. 2,83 Tore pro Spiel fielen im Schnitt in der Gruppenphase. 2010 in Südafrika waren es nur 2,10 Treffer. Vier Elferschießen in der K. o.-Phase drückten aber den Schnitt. (c) APA/EPA/THOMAS EISENHUTH (THOMAS EISENHUTH)
Die Hoffnung, dass die „Three Lions“ wieder einmal bei einem Großereignis mitspielen würden, zerplatzten wie Seifenblasen. Stars wie Rooney oder Gerrard – sie sind zu schwach, zu langsam, der Weltmeister von 1966 war nicht WM-reif. Nur ein Remis (0:0) gegen Costa Rica, das schlechteste WM-Ergebnis ihrer Historie ist amtlich. (c) REUTERS (PAULO WHITAKER)
Tor oder kein Tor – diese Frage ist endgültig Geschichte bei einer Fußball-WM, sofern unbelehrbare Bürokraten in der Fifa nicht doch noch einen Rückzieher machen. Die Torlinien-Technik ist ein Gewinn, ebenso der Spray der Referees. Das lästige Herumzupfen an der Menschenmauer oder das sinnlose Ball-Vorlegen ist vorbei – es sind visuelle Hilfen für Schiedsrichter und Fans. (c) REUTERS (DAMIR SAGOLJ)
Ein Kolumbianer begeistert, zwei Ex-Weltmeister enttäuschen
Geleitet wird das Spiel vom italienischen Schiedsrichter Nicola Rizzoli. Es ist sein vierter WM-Einsatz, im Vorjahr hat er das Champions-League-Finale zwischen Bayern und Dortmund gepfiffen.
LIONEL MESSI
Meistertitel, Champions-League-Siege, viermaliger Weltfußballer – es ist der WM-Titel, der fehlt, damit der Ausnahmekönner endgültig in den Olymp der Fußballgrößen aufsteigt. Liebling der argentinischen Fans ist der 27-Jährige bis heute nicht, zu früh verließ er die Heimat Richtung Barcelona. Teamchef Alejandro Sabella aber setzt auf Messi, richtet die Mannschaft nach ihm aus und lässt ihm alle Freiheiten in der Offensive. Vier Tore sind bislang der Dank. Der Superstar hat freilich seine unsichtbaren Phasen, aber eben auch das Potenzial, mit einem genialen Moment für die Entscheidung zu sorgen.
THOMAS MÜLLER
Der Offensivallrounder zählt immer noch zu den meistunterschätzten Spielern. Müller agiert zwar technisch nicht auf allerhöchstem Niveau, macht aber oftmals instinktiv das Richtige. Bei der WM 2010 mit fünf Treffern Torschützenkönig, könnte der 24-Jährige mit seinem sechsten Turniertreffer seinen Titel aus Südafrika verteidigen – das gab es in der WM-Historie noch nie. Müller glänzt nicht nur als Vollstrecker, sondern auch als Vorbereiter. Er ist ein Garant für das Kreieren von Torchancen, weil er unermüdlich selbst in der 120. Minute noch zu einem Sprint ansetzt. Im Spiel der Deutschen ist Müller längst unersetzbar.
JAVIER MASCHERANO
Er ist zwar offiziell nicht Argentiniens Kapitän, aber der Anführer auf dem Platz. Muss er bei Barcelona seit Jahren in der Innenverteidigung aushelfen, überzeugt er im Nationalteam auf seiner angestammten Position im Mittelfeld. El Jefecito (der kleine Chef) spielt selten spektakulär, besticht jedoch mit gutem Stellungsspiel und dem Auge für den Pass. Nicht eine Minute hat der 30-Jährige bei seiner dritten WM bislang verpasst und hält mit 509 Pässen (90 Prozent erfolgreich) den Topwert aller WM-Spieler. Es sind nicht nur Messis Tore, sondern auch Mascheranos saubere Tacklings – wie zuletzt im Halbfinale gegen Niederlandes Arjen Robben, die Argentinien bis ins Finale gebracht haben.
MANUEL NEUER
Deutschlands Schlussmann gilt unumstritten als derzeit bester Torhüter der Welt. Diese Stellung untermauerte der 28-Jährige in Brasilien mit zahlreichen Paraden und tollen Reflexen – in Erinnerung bleibt auch sein außergewöhnliches Spiel als „Libero“ gegen Algerien im Achtelfinale. Die Verteidigung vor ihm dirigiert Neuer stets lautstark, seine Worte haben Gewicht, zumal er in den vergangenen Jahren bei seinem Klub Bayern München und im Nationalteam zu einem echten Führungsspieler gereift ist. Neuer, der sein drittes Turnier mit dem DFB-Team bestreitet, könnte auch im Finale zum großen Matchwinner der Deutschen avancieren – denn er gilt auch als Spezialist fürs Elfmeterschießen.