USA: Der Kampf der Donna Quichotte

(c) EPA (Randy Snyder)
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Clinton will nach dem jüngsten Vorwahlsieg entgegen den Wünschen vieler weitermachen.

WASHINGTON. Es war ein beeindruckender Sieg, den Hillary Clinton in der Nacht auf Mittwoch bei den Vorwahlen im Bundesstaat West-Virginia errang: Mit einem Vorsprung von 41 Prozentpunkten siegte sie vor ihrem Konkurrenten Barack Obama (67:26 Prozent).

Doch im Kampf um die demokratische Präsidentschaftsnominierung ist dieser Sieg ungefähr so, wie wenn Don Quichotte gegen eine Windmühle gewinnt. Am absehbaren Ergebnis der Vorwahlen ändert West-Virginia nichts mehr: Obama wird der demokratische Präsidentschaftskandidat sein.

Der Sieg in West-Virginia ist mehr symbolisch: Es ging um gerade einmal 28 Delegierte, von denen Clinton 20 bekommt – etwas mehr als ein Prozent ihrer bisherigen Stimmen. Obama hat in dem Bundesstaat kaum Werbung betrieben und sich stattdessen auf die nächsten Vorwahlen in Kentucky und Oregon konzentriert.

Clinton kann den afro-amerikanischen Senator bei den verbliebenen fünf Vorwahlen nicht mehr einholen. Sie hat nun insgesamt 1713 Delegierte, Obama 1881. Nur wenn in den kommenden Abstimmungen bis Juni, bei denen es um 189 Delegierte geht, kein einziger Wähler für Obama stimmt, könnte Clinton ihn überholen. Immer mehr Super-Delegierte, die ungebunden für einen Kandidaten stimmen können und bis vor kurzem mehrheitlich Clinton unterstützten, schwenken zu Obama: Er führt erstmals mit 285 vor Clintons 271 (insgesamt gibt es 796 Super-Delegierte). Sogar George McGovern, der 1972 demokratischer Präsidentschaftskandidat war und als großer Unterstützer Clintons galt, sprach sich kürzlich öffentlich für den Senator aus Illinois aus: Clinton solle aufgeben, forderte McGovern.

„Ich kann noch gewinnen“

Doch die ehemalige First Lady denkt nicht daran. „Ich bin entschlossener als je zuvor, weiterzumachen“, erklärte sie unter dem Applaus ihrer Anhänger nach dem Sieg in West-Virginia. „Ich kann diese Nominierung gewinnen.“

Nur sie scheint davon noch überzeugt zu sein. „Der Wahlkampf mag weitergehen, aber die Schlacht ist vorbei“, urteilte Robert Shrum, ein demokratischer Politstratege, der schon die Präsidentschaftskandidaten John Kerry und Al Gore beraten hatte. „Die Frage ist nur noch, wie sie aus dem Rennen scheidet.“ Auch für viele US-Medien ist der Kampf entschieden: „Wir wissen, wer der Nominierte sein wird“, befand der zuseherstärkste TV-Sender NBC.

Clinton verweist auf ihre Möglichkeit, weiße Arbeiter zu überzeugen und in Swing-States (die einmal demokratisch, einmal republikanisch wählen) zu gewinnen. Das sei für den Ausgang der Wahl im November entscheidend.

Manche spekulieren, Clinton bleibe deswegen so lange im Rennen, um Obama regelrecht zu zwingen, sie zur Vizepräsidentschaftskandidatin zu machen.

WISSEN. Vorwahlen

Fünf Bundesstaaten halten noch Vorwahlen für die demokratische Präsidentschaftsnominierung ab: Kentucky und Oregon am 20.Mai, Puerto Rico am 1. Juni sowie Montana und South Dakota am 3. Juni.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.05.2008)

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