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US-Firmen auf Steuerflucht

(c) EPA (Wolfgang Kumm)
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Unternehmen fusionieren mit ausländischen Firmen und verlegen ihren Sitz. Politiker wollen dem einen Riegel vorschieben.

New York. Der Bananenhändler Chiquita macht es, der Medizintechniker Medtronic auch, der Pharmariese Pfizer hat es versucht: US-Konzerne kaufen einen Rivalen in einem Land mit niedrigen Steuern und siedeln selbst dorthin um. Der US-Fiskus hat das Nachsehen.

Es wird eng an diesem Morgen im Konferenzraum einer New Yorker Großkanzlei. Einige der 60 Zuhörer müssen stehen, als die Infoveranstaltung „Grenzüberschreitende Firmenumkehrungen und Abwanderungen“ beginnt. Hinter dem sperrigen Titel verbirgt sich ein heißes Gesprächsthema unter US-Managern: die Flucht aus dem Hochsteuerland USA.

Unternehmen müssen bis zu 35Prozent ihrer Einkünfte allein nach Washington abführen, hinzu kommen lokale Steuern. Das sei einer der höchsten Steuersätze weltweit, erklärt Expertin Joan Arnold von der Kanzlei Pepper Hamilton den Zuhörern. Irland, derzeitiges Lieblingsziel der US-Konzerne, verlangt 12,5Prozent. Kein Wunder, dass so manche US-Firma ans Auswandern denkt– zumindest auf dem Papier. Denn die Werke und die Verwaltung können weiter in den USA bleiben. Möglich macht es ein Trick: Ein amerikanischer Konzern übernimmt einen kleineren Rivalen im Ausland, verschmilzt mit ihm und verlegt dann seinen Sitz in ebendieses Land.

„Es vergeht kaum eine Woche ohne die Nachricht, dass ein weiteres Unternehmen seine Adresse nach Übersee verlagern will, nur um sich vor seinem fairen Anteil an den US-Steuern zu drücken“, sagt der Kongressabgeordnete Sandy Levin. Eine Analyse des wissenschaftlichen Dienstes des US-Kongresses kommt zu dem Ergebnis, dass in den letzten zehn Jahren insgesamt 47 Unternehmen umgesiedelt sind. In den 20 Jahren zuvor seien es 29 gewesen.

 

Schweiz nicht mehr beliebt

Früher wanderten US-Firmen auf die Bermudas oder die Cayman Islands aus. Doch neue Gesetze machten die Länder ab 2004 unattraktiv. So zogen die Unternehmen weiter, zunächst unter anderem in die Schweiz. „Heute ziehen die Firmen auch hier wieder weg“, sagt Cian McCourt von der irischen Großkanzlei A&L Goodbody. Ein Grund sei die eingeführte Begrenzung der Vorstandsgehälter. Beliebtestes Ziel heute: Irland. Neben den relativ niedrigen Steuern zählt McCourt weitere Gründe auf: ein ähnliches Rechtssystem wie in den USA, hohe Hürden für eine feindliche Übernahme, die mögliche Beibehaltung der US-Rechnungslegung oder das Fortbestehen der Börsenotierung in New York. Aus ähnlichen Gründen stehen auch Großbritannien und die Niederlande hoch im Kurs.

Der Kongressabgeordnete Levin und andere Parlamentarier wollen dem Treiben einen Riegel vorschieben: Das ausländische Unternehmen soll gleich groß oder größer sein müssen als der US-Konterpart, damit der Fiskus den Wegzug akzeptiert. Heute reicht es, wenn die ausländische Seite 20Prozent am Gesamtunternehmen ausmacht. „Wenn das durchkommt, verändert es alles“, sagt Steuerexpertin Arnold. (APA/DPA/red.)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.07.2014)