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Gründerland Österreich: „Start-ups müssen Chefsache werden“

(c) Clemens Fabry
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Die heimische Gründerszene hat einiges auf die Beine gestellt. International gesehen ist Österreich dennoch ein unbeschriebenes Blatt. Das liegt an der fehlenden Vision der Politik.

Wien. Die Hälfte der neu geschaffenen Jobs in Österreich kommen laut Austria Wirtschaftsservice (AWS) von Start-ups, also von jungen, innovativen Unternehmen. Ein triftiger Grund für die Politik, der Szene, von den Gründern bis zu den Risikokapitalgebern, den roten Teppich auszurollen.

So richtig ist das Thema in den Köpfen der politisch Verantwortlichen aber noch nicht angekommen. Werden Initiativen gesetzt, sind diese oft zu zaghaft. Mit jedem Schritt nach vorn gibt es zwei zurück, wie etwa am Beispiel der GmbH-Reform deutlich wurde. Da wurde eine Senkung des Stammkapitals für Gründer erst beschlossen und dann durch die Hintertür wieder rückgängig gemacht. „Dabei brauchen Gründer jeden Ansporn, den sie kriegen können“, ist Businessangel Michael Altrichter überzeugt. In einem Land, in dem sich eine Mutter an den Kopf greife, wenn der Sohn Unternehmer werden will, sei es bitter notwendig, dass den Mutigen der Rücken gestärkt werde.

Eines der Themen, die den heimischen Gründern unter den Nägeln brennt, ist die Finanzierung. Förderungen gibt es genug, aber die helfen nur über die Anfangsphase hinweg. Dann aber beginnt für viele das große Zittern. „Was fehlt, sind die steuerlichen Anreize für Investoren“, sagt Andreas Tschas, der mit dem Pioneers Festival einen Fixstern für die heimische und internationale Gründerszene geschaffen hat. In Großbritannien würden Risikokapitalgeber bis zu 200 Prozent Steuergutschriften für in Start-ups investiertes Geld erhalten, sagt Altrichter.

 

Werben um die besten Köpfe

Um Kapital und Know-how für die österreichische Szene zu mobilisieren, sei internationale Präsenz enorm wichtig. Die werde durch erfolgreiche Start-ups generiert. Also von der Szene selbst. „Das muss aber auch Chefsache werden“, sagt Tschas. Denn längst gebe es in Europa Städte wie Berlin oder London, die sich einen Ruf als Start-up-Zentren gemacht haben. Staatsoberhäupter wie David Cameron und Angela Merkel würden im Ausland um die besten Köpfe werben. Bundeskanzler Faymann habe das bisher verabsäumt. „Wien könnte sich zum Beispiel als Sprungbrett zu und für Osteuropa profilieren“, sagt Tschas. Und darüber hinaus. Man müsse dort präsent sein, wo Innovation stattfinde. Die Pioneers planen etwa eine Veranstaltung in Südkorea.

Die Wiener Start-up-Szene ist momentan qua Branchenmix breit aufgestellt. Es sei aber in Zukunft wichtig, das Profil des Standortes zu schärfen, indem man Stärken hervorhebe. „In Österreich könnte das zum Beispiel die Medizintechnik sein oder Robotics.“ Zukünftig würden sich Start-ups um Ideen gruppieren. Der Ort, der die geeignete Infrastruktur für eine Idee schaffe, würde dann auch den Kampf um die hellsten Köpfe gewinnen. „Die neuen Silicon Valleys könnten Drone Valley heißen oder Bitcoin-Valley“, sagt Tschas. Warum sollte das nicht in Österreich stattfinden?

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DIE IDEE

Start-up-Förderung. Ein gründerfreundlicher Standort braucht vor allem eines: einen offenen Blick über die Grenzen hinaus. Start-ups ohne Fokus auf den globalen Markt sind nicht wettbewerbsfähig. Je mehr ein Standort also Knotenpunkt für die internationale Gründerszene wird, desto mehr profitieren die heimischen Gründer davon, ist Andreas Tschas, Initiatior des Start-up-Festivals Pioneers, überzeugt. Das müsse ein politisches Ziel werden. Und die Politik müsse durch steuerliche Erleichterungen Anreize für Risikokapitalgeber setzen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.07.2014)