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Ärztedichte: Österreich fast an der Spitze

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Gibt es einen Ärztemangel oder doch nur ein Verteilungsproblem? Ein neuer OECD-Vergleich heizt die Debatte an. Bei den Krankenpflegern liegt Österreich im Mittelfeld.

Wien. Die Ärztekammer wird nicht müde, wegen der bevorstehenden Welle an Pensionierungen vor einem Ärztemangel im ländlichen Raum in den kommenden Jahren zu warnen: Demnach gehen 50 Prozent der rund 1800 Landärzte in den nächsten zehn Jahren in Pension.

Rein statistisch betrachtet sieht die Situation der Versorgung mit Ärzten allerdings im internationalen Vergleich gesehen vorerst noch bestens aus. Österreich liegt bei der Zahl der Ärzte – bezogen auf die Einwohnerzahl unter 34 Industrienationen – auf dem zweiten Platz, wie aus der jüngsten Gesundheitsstatistik der OECD für 2014 von Ende Juni hervorgeht.

Der Sozialexperte der Wirtschaftskammer, Martin Gleitsmann, betont, dass die Daten zum Gesundheitswesen differenziert gesehen werden müssten. Angesichts der aktuellen Warnungen vor einem Ärztemangel hob er hervor, es dürfte sich dabei vor allem um ein „Verteilungsproblem“ handeln.

In Österreich kommen demnach 4,9 Ärzte auf 1000 Einwohner. Mit diesem Wert wird das Land von der OECD-Statistikern mit der zweithöchsten Ärztedichte – überraschend hinter Griechenland – auf Platz zwei unter 34 Staaten gereiht.

Damit liegt Österreich jedoch deutlich über dem Durchschnitt der anderen Industrienationen mit 3,2 Ärzten auf 1000 Bewohner. In Österreich hat sich somit statistisch betrachtet die ärztliche Versorgung seit der Jahrtausendwende verbessert. Denn im Jahr 2000 sind auf 1000 Einwohner lediglich 3,9 Mediziner gekommen.

 

Nachholbedarf bei der Pflege

Nachholbedarf hat Österreich hingegen beim Pflegepersonal, auch wenn in den vergangenen Jahren diesbezüglich bereits verstärkte Anstrengungen unternommen wurden. Ab dem heurigen Herbst sind weitere Initiativen vorgesehen. Mit 7,8 Krankenpflegerinnen – in der Regel sind es ja Frauen – auf 1000 Einwohner, liegt Österreich auf Rang 21 von 34 Ländern und unter dem OECD-Durchschnitt von 8,8 Krankenpflegern je 1000 Einwohner. Gegenüber dem Jahr 2000 hat sich allerdings die Zahl erhöht: Damals kamen in Österreich 7,2 Krankenpfleger auf 1000 Bürger.

Insgesamt wendet Österreich laut dieser Statistik 11,1 Prozent seiner Wirtschaftsleistung für das Gesundheitswesen auf. Das ist im internationalen Vergleich Platz fünf unter den 34 Nationen. Im Durchschnitt machen die Gesundheitsausgaben in den OECD-Staaten insgesamt 9,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus. Die höchsten Ausgaben verzeichnen dabei die USA mit 16,9 Prozent und die Niederlande mit 11,8 Prozent. Mit einem öffentlichen Anteil von knapp 76 Prozent an den Gesundheitsausgaben rangiert Österreich genau im Mittelfeld aller untersuchten Staaten.

 

Viele Spitalsbetten

Weit im Spitzenfeld rangiert Österreich nach der Statistik bei der Spitalsversorgung, speziell bei der Ausstattung mit Akutbetten in Spitälern. Trotz einer Reduktion seit dem Jahr 2000 kommen auf 1000 Einwohner in Österreich 7,7 Krankenhausbetten, 2000 sind es sogar 8,0 gewesen. Aber auch der jetzige Wert liegt noch weit über dem OECD-Durchschnitt mit 4,8 Spitalsbetten.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.07.2014)