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Weniger Frauen in Toppositionen

Traders are pictured at their desks in front of the DAX board at the Frankfurt stock exchange
Traders are pictured at their desks in front of the DAX board at the Frankfurt stock exchange(c) REUTERS (STRINGER/GERMANY)
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Frauen in den Vorständen von DAX-Unternehmen gaben ihre Führungspositionen vorzeitig auf. Auch in Österreich und global geht der Frauenanteil zurück.

Berlin/Wien. Der deutsche Aufwärtstrend bei Frauen in Top-Führungspositionen von börsenotierten Unternehmen ist gebrochen. Heuer sitzen um 1,8 Prozent weniger Frauen in Vorständen als im Vorjahr. In den Jahren 2009 bis 2013 ist der Anteil weiblicher Vorstände stetig gestiegen. Betrug er 2009 noch 0,6 Prozent, war er 2013 auf 7,2 Prozent angewachsen. Jetzt ist er auf 5,4 Prozent zusammengeschrumpft, das sind gerade einmal zehn Frauen.

Laut der Unternehmensberatung Simon Kucher & Partners, die die Zahlen erhoben hat, liegt der Rückgang daran, dass die durchschnittliche Amtszeit der Frauen im Vorstand mit drei Jahren deutlich kürzer ist als die der Männer. Das führt Ko-Studienautor Simon Lesch aber nicht darauf zurück, dass Frauen in Führungspositionen von der männlichen Kollegenschaft das Leben schwergemacht wird. Sondern auf die mangelnde Qualifikation der Frauen. Personalberater würden von einem gesteigerten Druck von Unternehmen sprechen, doch mindestens eine weibliche Kandidatin vorzuschlagen. „Da war dann offensichtlich manchmal das Geschlecht wichtiger als die beste fachliche Eignung“, vermutet Lesch.

Kahlschlag bei Siemens

Besonders signifikant ist die Entwicklung bei Siemens. Wie auch sein Vorgänger Peter Löscher nutzte der neue Vorstandsvorsitzende, Joe Kaeser, die Monate nach seinem Amtsantritt, um einige Vorstandsposten neu zu besetzen. Und während Löscher nach seinem Antritt 2007 den Frauenanteil von null auf 22 Prozent erhöhte, ist der Siemens-Vorstand seit Beginn der Ära Kaeser wieder ein reiner Männerverein. So musste etwa Brigitte Ederer ihre Position im Vorstand aufgeben. Die Null-Frauenquote ist Siemens dann aber doch zu rückschrittlich. Ab August 2014 soll mit der Ex-Shell-Managerin Lisa Davis wieder eine Frau in den Vorstand aufrücken.

In Österreich ist die Lage noch trister. Heuer sind 96,9 Prozent der Vorstandsposten von börsenotierten Unternehmen Männer. Unter 195 Vorständen befinden sich also nur sechs Frauen, um 0,2 Prozent weniger als 2013.

ATX: Ein Drittel ohne Frauen

In den Aufsichtsräten sieht die Sache geringfügig besser aus: Hier stehen heuer 69 Frauen 508 Männern (2013: 69 Frauen zu 528 Männer) gegenüber, demnach sind zwölf Prozent der Aufsichtsratsmandate in Frauenhand. Die im Vorjahr neu geschaffenen Aufsichtsratsposten wurden aber mehrheitlich von Männern besetzt. Noch immer sind in mehr als einem Drittel der ATX-Unternehmen weder im Aufsichtsrat noch im Vorstand Frauen vertreten. Weibliche Vorstandsvorsitzende gibt es bei ATX-Unternehmen keine Einzige.

Von den weltweit rund 3000 CEO-Stellen der 2000 größten börsenotierten Unternehmen wurden 84 mit Frauen besetzt. Das sind gerade einmal drei Prozent. Auch global ging der Anteil der Frauen in Top-Führungspositionen heuer leicht zurück. (es)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.07.2014)