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Der Stephansplatz soll neu werden

Stephansplatz
Stephansplatz(c) Clemens Fabry

Ab 2016 wird der Stephansplatz renoviert – auch in und um den Dom ändert sich damit einiges: Dombauhütte, Shop und Fiakerstandplätze könnten verlegt werden.

Wien.Mittelpunkt, Wahrzeichen – und der Stephansdom ist natürlich auch eines der Schmuckstücke der Stadt. Der Platz an seiner Nordseite weniger. Kolonnen müder Fiakerpferde stehen da dieser Tage in der Sonne, mitunter steigt man durch ihre Hinterlassenschaften. Das Pflaster holpert, für Gehbehinderte oder Rollstuhlfahrer ist es kaum zu queren. Ab 2016 soll sich das ändern, dann wird der Stephansplatz bekanntlich umgebaut. Und damit wird sich auch im und um den Dom einiges ändern. Was genau, steht noch nicht fest, denn derzeit läuft die Planung. Dabei wird unter anderem wieder über die Dombauhütte, die seit Jahrzehnten entlang der Nordflanke des Doms steht, dort ein Tor verstellt und auch optisch wenig hermacht, nachgedacht. Seit die geplante Verlagerung unter die Erde samt unterirdischem Shop und Besucherzentrum vor wenigen Jahren gescheitert ist, liegt eine Verlagerung auf Eis.

Nun überlegt man, Teile an den Stadtrand umzusiedeln, damit Schwerarbeiten dort stattfinden können und die Hütte auf dem Stephansplatz kleiner wird. Dombaumeister Wolfgang Zehetner fürchtet allerdings, dass die Arbeit an der permanenten Renovierung des Doms dann schwieriger würde, es zu „Reibungsverlusten“ käme: „Internationale Beispiele haben gezeigt, dass eine Verlagerung aus dem Zentrum schwierig ist“, sagt er. Aber „wir akzeptieren, dass wir keine Steinblöcke auf dem Stephansplatz lagern können“. Noch ist aber ohnehin nichts entschieden.

 

„Geht um eine Aufwertung des Platzes“

Im Zuge der Umgestaltung wird auch eine Alternative für den Shop überlegt, schließlich sei es eine „Schande, wie der derzeit untergebracht ist“, sagt Zehetner. Klar sei, erinnert er an die Tempelreinigung, die Vertreibung der Händler aus dem Tempel, „dass der Shop nicht im Kirchenraum sein kann“. Die aktuelle Lösung im Portalvorbau sei nur ein Kompromiss. Ideal wäre eine Umsiedlung in ein umliegendes Gebäude, denn ein zusätzliches Bauwerk würde „niemand bewilligen“. Diese Lösung gefiele auch den Geschäftsleuten, schließlich bringe das – bei mehr als fünf Mio. Dombesuchern jährlich – noch mehr Frequenz. Vielleicht gerade an der tristeren Nordseite des Doms. „Es geht um eine Aufwertung des Stephansplatzes, besonders dort, wo jetzt die Fiakerkolonne steht“, sagt Zehetner. Die Zahl der Fiaker soll sich seinen Vorstellungen nach „deutlich reduzieren“, der Bereich eher zu einer Fußgängerzone werden. Ein Shop in einem der Gebäude nördlich des Doms würde dann, gemeinsam mit dem Dommuseum im Zwettlerhof neben dem Erzbischöflichen Palais, eine Verbindung von der Kirche über den Platz schaffen. Das Museum ist allerdings derzeit geschlossen, es wird bis Ende 2015 umgebaut. Günther Geyer, Obmann des Vereins „Unser Stephansdom“ sprach kürzlich von einem „modernen und ansprechenden“ Platz, der an der Nordseite entstehen soll, samt einem „deutlichen Hinweis“ zum Museum, etwa durch moderne Kunst. Über die Umgestaltung des Platzes laufen derzeit Gespräche, auch mit den Wiener Linien, und die seien „nicht gerade einfach“, sagt Zehetner. Ohnehin müsse man warten, bis der definitive Plan der Stadt zur Renovierung vorliege. Das soll Ende 2015 sein. Derzeit läuft in der Stadt die Detailplanung.

Die anstehende Renovierung ist Teil des Gesamtkonzepts für die City-Fußgängerzone: Graben und Kärntner Straße wurden ja bereits erneuert. Auf dem Stephansplatz soll jedenfalls der einheitliche Bodenbelag kommen. Zuletzt renoviert wurde der Stephansplatz vor mehr als 30 Jahren im Zuge des U-Bahn-Baus, der Belag ist heute abgenutzt und teils von Teerflecken als Ausbesserung durchzogen. Kosten soll die Sanierung Schätzungen zufolge zehn bis zwölf Mio. Euro, 90 Prozent davon soll die Stadt, zehn Prozent der Bezirk zahlen.

Die Planung werde noch knapp anderthalb Jahre dauern, der Umbau soll 2016 beginnen. Schon 2015 aber werden dort Bauarbeiter aufgraben: Unter anderem die Gas- und Wasserwerke werden ihre Vorarbeiten im Untergrund starten, wie man im Büro von Planungsstadträtin Maria Vassilakou erklärt. Und auch im Verkehrskonzept hat sich bereits etwas getan: Seit 1.Mai dürfen die Hop-on-Hop-off-Touristenbusse nicht mehr direkt auf dem Stephansplatz stehen bleiben.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.07.2014)