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Was Autoren über Amazon denken

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Amazon.de(c) EPA (Waltraud Grubitzsch)
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„Die Zeit“ hat 19 Autoren nach ihrer Meinung zum Onlineriesen, der den Buchmarkt beherrscht, befragt.

„Brauchen wir Amazon?“, fragt die Wochenzeitung „Die Zeit“ in ihrer aktuellen Ausgabe und lässt dazu 19 Autoren aus aller Welt zu Wort kommen. Die kurze Antwort, zusammengefasst: „Ja, leider.“

Der Onlinehändler war zuletzt in den Schlagzeilen, weil er die Auslieferung von Büchern bestimmter Verlage verzögerte, um E-Book-Rabatte zu erzwingen. Erpressung, schreibt „Die Zeit“. Nicht nur verdränge Amazon mit seiner Preispolitik kleinere Buchhandlungen, sondern diktiere mit seiner Self-Publishing-Plattform und dem E-Book-Reader Kindle der Welt auch, wie Bücher gelesen, geschrieben und publiziert werden sollen.

Was die Autoren davon halten? Amazon sei ein „widerliches, erpresserisches Unternehmen“, sagt die deutsche Schriftstellerin Sibylle Lewitscharoff, es zähle zu den „Übeln, die man nicht mehr loswird“, meint Philosoph Rüdiger Safranski. Die meisten der befragten Autoren kaufen selbst kaum beim Onlineriesen ein – und wenn (um etwa antiquarische oder fremdsprachige Bücher zu bekommen), dann mit schlechtem Gewissen. Daniel Kehlmann betrachtet es wie ein übles Laster: „Sich Amazon abzugewöhnen ist ein bisschen wie vom Rauchen loszukommen.“

Als Autoren könnten es sich die meisten dennoch nicht leisten, auf den Vertrieb ihrer Bücher über Amazon zu verzichten. Der Aufdecker Günter Wallraff hat seinen Verlag tatsächlich angewiesen, seine Bücher nicht über Amazon zu vertreiben. Bestellen kann man sein neuestes Buch dort allerdings trotzdem, weil Amazon es über Zwischenhändler bezieht.

Einige der Autoren lobten aber auch Amazons Service: „Amazon macht aus Kundensicht vieles richtig, was andere Onlinebuchhändler, der stationäre Buchhandel und Verlage nicht können“, so die Schriftstellerin Kathrin Passig. (kanu)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.07.2014)