„Interracial“ enttäuschte im Wiener Schauspielhaus: Konfuses Regietheater aus Südafrika.
Im Finale des verschachtelten, umständlichen, langweiligen Dramas „Interracial“ mischte sich der Regisseur des Stückes im Stück (Motebejane) bei der Wiener Premiere am Mittwoch noch einmal in den Verlauf des Abends ein. Er stürmte wie schon ein paar Mal zuvor auf die Bühne: „Fuck this shit!“ „Fuck these motherfuckers!“ Es tue ihm leid, aber er müsse das Spiel absagen, drohte er rhetorisch, als es sich nach gut drei Stunden an der unteren Skala bescheidener Bauern-Bühnen einpendelte, drohte also viel zu spät. Tirade über Tirade folgte. Südafrikas Weiße sollten heim nach England und den Niederlanden gehen. Er kriege keine weißen Schauspieler, „weil die wahrscheinlich glauben, dass Schwarze kein gutes Theater machen können“.
Leider liefert das Stück kein besonders gutes Argument gegen dieses dumme Vorurteil. Es gibt hervorragende Produktionen aus Afrika. Man muss sich deshalb schon fragen, warum Stefanie Carp, die Schauspiel-Chefin der Wiener Festwochen, ausgerechnet diese Inszenierung von Mpumelelo Paul Grootboom eingekauft hat. Denn was laut Programm „einen Überblick über postkoloniale Rassenbeziehungen in Südafrika“ bieten sollte, ist bloß eine wehleidige Imitation schlechten europäischen Regietheaters, mit wabernder Musik (Kholofelo Kola) von Mozart, Pachelbl oder Dvorak und mit bemühten Charakterdarstellern des South African State Theatre, Pretoria, die anfangs missmutig Weiße imitieren.
Schwarz-weißes Muster
Die Bühne (Declan Randall) ist ein Park für Obdachlose, mit einem schwarz-weißen Garten-Schachbrett in der Mitte. Ein älterer Mann schreibt dort ein Buch, das von Betrug, Vergewaltigung, Mord handelt und schließlich unter Einmischung des Regisseurs ausgespielt wird. Das ist die Metaebene: Wie funktioniert schwarzes Theater in einem zerrissenen Land? Schwarze Kommissare haben herauszufinden, ob ein rassistisch anmutender Bure (Sebotha) oder ein aufgeklärt wirkender, von der Ehefrau (Mojela) mit einem Schwarzen (Modise) betrogener Psychologe (Zikalala) einen Mordauftrag gegeben hat. Das ist der Subtext; Sex, Gewalt, Rassismus, zuweilen Clownerien und immerzu Polit-Jargon – bis zur Erschöpfung und unversöhnlich werden Klischees durchexerziert.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.05.2008)